Zurück
payoff Focus

Hund, Katze & Co.: Tierische Freunde als renditestarke Anlageklasse

03.07.2025 7 Min.
  • Serge Nussbaumer
    Chefredaktor

Wer ein Haustier besitzt, weiss: Die tierischen Mitbewohner bereiten zwar viel Freude, kosten aber auch Geld. Doch am Tierwohl wird nicht gespart. Das eröffnet interessante Anlagechancen. Experten prophezeien dem Markt für Heimtierprodukte in den nächsten Jahren einen regelrechten Boom. Wir zeigen auf, wie sich in diesen Sektor investieren lässt.

Angefangen hat alles vor 20’000 bis 40’000 Jahren. In diesem Zeitraum haben der Mensch und der Wolf die ersten Schritte aufeinander zugemacht. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die sich längst nicht mehr nur auf die Nachfahren des Wolfes beschränkt. Heute gibt es weltweit schätzungsweise rund eine Milliarde Haustiere. Die meisten davon sind Katzen und Hunde. Hinzu kommen grosse Populationen an Ziervögeln, Zierfischen, Hamstern, Kaninchen und anderen nichtmenschlichen Gefährten. 

Wie sehr wir an unseren tierischen Freunden hängen, zeigt sich nirgendwo besser als in den Sozialen Medien. So ergab eine Umfrage der digitalen Haustierversicherung ManyPets, dass zwei von fünf Menschen ihre sozialen Netzwerke lieber mit Haustieren als mit Menschen füllen. Auf Online-Plattformen wie YouTube oder TikTok finden sich mittlerweile Abermillionen von Videos, in denen Katzen, Hunde, Vögel oder Kleinnager die Hauptrolle spielen. Allein im Jahr 2022 wurden täglich mehr als 90’000 Katzenvideos auf YouTube hochgeladen. Ebenso beliebt auf den Plattformen sind Hunde. Kultstatus geniesst mittlerweile das YouTube-Video «Ultimate Dog Tease». Der Film mit dem schmachtenden Hund wurde bis dato schon mehr als 211 Millionen Mal aufgerufen.

Haustiere: Ein Multimilliarden Markt

Mit ihren Millionen von Followern und Milliarden von Views sind unsere geliebten Haustiere zu einem mächtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Voll im Trend liegt zum Beispiel das Pet Influencer Marketing. Produktplatzierungen in Tiervideos haben mit dazu beigetragen, dass die Heimtierindustrie in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. Ein weiterer Treiber war die Covid-Pandemie. «Die Haustierhaltung erlebte einen Boom, als während der Pandemie eine Vielzahl an Menschen sich ein Familienmitglied mit Fell, Federn oder Flossen hinzufügte», erklärt Simeon Gutman, Morgan Stanleys Retail Analyst, in einem Report über den Haustierindustrie. 

Die Marktforschungsgesellschaft Precedence Research schätzt das weltweite Marktvolumen für Heimtierprodukte in diesem Jahr auf beeindruckende USD 324 Milliarden. Mit einem Anteil von rund 48% stellen die USA dabei die umsatzstärkste Region dar gefolgt von Asien mit 31% und Europa mit 12%.

Ausgaben steigen dynamisch

Rund ums Haustier hat sich ein mächtiger Wirtschaftszweig entwickelt, der in den kommenden Jahren weiter kräftig wachsen dürfte. Vor allem in den USA wird nicht gespart, wenn es um das Wohl der tierischen Begleiter geht. Das Angebotsspektrum ist riesig und reicht von Tiernahrung und Nahrungsergänzungsmitteln über Pflegeprodukte, Equipment und Accessoires bis hin zur veterinärmedizinischen Versorgung, Haustierversicherungen und sonstigen Dienstleistungen. Laut dem bereits erwähnten Report von Morgan Stanley lagen die jährlichen Ausgaben pro Haustier in den USA im Jahr 2024 im Durchschnitt bei USD 1’155. Bis zum Jahr 2026 könnte diese Summe laut Prognose auf USD 1’445 und bis zum Jahr 2030 auf USD 1’733 steigen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 7%. «Damit weist die Pet Care Industry eine der höchsten Wachstumsraten unter allen US-Einzelhandelssektoren auf», weiss Morgan-Stanley-Experte Gutman.

Megatrend Tiergesundheit

Vor allem die Nachfrage nach tierärztlichen Dienstleistungen dürfte laut Morgan Stanley Research in den nächsten zehn Jahren stark wachsen. Die Analysten haben auf Basis einer Umfrage ermittelt, dass 80% der US-Haustierbesitzer in den letzten sechs Monaten mindestens einmal einen Tierarzt aufgesucht haben. Tendenz steigend.

Auch eine Studie von Bloomberg Intelligence sieht in der Gesundheitsversorgung von Haustieren noch grosses Potenzial. In der Studie heisst es, dass die Ausgaben für veterinärmedizinische Betreuung, Diagnostik und Pharmaka kontinuierlich zunehmen. Dies führe zu einer längeren Lebensdauer von Haustieren, was wiederum eine intensivere und kostenintensivere Pflege im Alter erforderlich macht.

Beispiel Katze: War es vor einer Generation noch eher selten, dass eine Hauskatze deutlich älter als zehn Jahre wurde, ist heutzutage eine Lebensdauer von 15 Jahren und mehr nicht ungewöhnlich.

Guten Appetit!

Ebenfalls positive Trends weist der Bereich Tiernahrung auf. Das globale Marktvolumen dafür könnte laut Bloomberg Intelligence bis Ende des Jahrzehnts USD 135 Milliarden erreichen, was einem Anstieg von 52% gegenüber dem Stand von 2023 entspricht. «Wir beobachten ein starkes Wachstum der Verbraucherausgaben für Tiernahrung und erwarten, dass sich dieser Trend bis 2030 fortsetzen wird», sagt Diana Rosero-Pena, Analystin bei Bloomberg Intelligence und Co-Autorin der Studie. Besonders das Segment der hochwertigen Nahrung, das derzeit nur 1% des Marktes ausmacht, dürfte ihrer Meinung nach stark an Bedeutung gewinnen.

China: Haustiere als Kinderersatz

Dass der Haustierindustrie hohe Wachstumsraten prophezeit werden, liegt unter anderem an der rasant steigenden Zahl von Haustieren in den asiatischen Wachstumsländern. Insbesondere in China boomt der Markt. Ein Grund dafür ist, dass viele junge Chinesen in Hunden und Katzen zunehmend einen Ersatz für Kinder sehen. Die zunehmende Urbanisierung sowie sinkende Heiratsraten verstärken diesen Trend.

In diesem Zusammenhang sorgte eine Studie von Goldman Sachs für Aufsehen. Laut den Analysten übertraf die Zahl der Hauskatzen und -hunde in Chinas Städten im Jahr 2024 mit rund 58 Millionen erstmals die Zahl der Kleinkinder unter vier Jahren. Bis 2030, so die Prognose der Investmentbank, wird die Zahl der «Wauwaus» und «Stubentiger» in Chinas Städten auf über 70 Millionen ansteigen und damit mehr als doppelt so hoch sein wie die Zahl der Kleinkinder.

Nach Ansicht der Bank of America (BoA) ist die chinesische Haustierwirtschaft mittlerweile zu einem wichtigen gesamtwirtschaftlichen Faktor geworden, der die schwächelnde chinesische Binnenwirtschaft wiederbeleben könnte. Die BoA-Analysten verweisen darauf, dass die Grösse der chinesischen Heimtierbranche zwischen 2019 und 2023 um 40% gewachsen ist und bis 2026 um weitere 29% zunehmen könnte.

Haustiere als Anlagechance

Fasst man die Expertenprognosen zusammen, steht die globale Haustierbranche vor einer glänzenden Zukunft. Bloomberg Intelligence zum Beispiel rechnet bis zum Jahr 2030 mit einem Anstieg des globalen Marktvolumens der Pet Care Industry um 40% auf rund USD 500 Milliarden Die Analysten von Precedence Research gehen bis 2034 sogar von einer Verdoppelung auf USD 644 Milliarden aus. Damit bietet der Markt für Haustiere Anlegern hochinteressante Perspektiven. 

Doch wie soll investiert werden? Eine Möglichkeit sind Einzelinvestments in Haustieraktien. Zu nennen wären hier Branchengrössen wie die Tiernahrungsanbieter Chewy und Mars sowie die Haustiergesundheitsspezialisten Petco Health and Wellness und Elanco Animal Health. Das im Jahr 2011 gegründete E-Commerce-Unternehmen Chewy verfügt beispielsweise über eine Auswahl von rund 130’000 Produkten und Dienstleistungen und ist damit zuletzt deutlich gewachsen. So legten die Umsätze in den vergangenen zwei Jahren um durchschnittlich 8.3% zu, und auch im 1. Quartal 2025 erreichte Chewy exakt diesen Wert.

Die auf den Tiergesundheitsbereich spezialisierte Elanco Animal Health erforscht, entwickelt und vertreibt Impfstoffe, Tierarzneimittel und Pflegeprodukte. Zwar stagnierte zuletzt der Umsatz, allerdings machte das Unternehmen grosse Fortschritte auf der Gewinnseite. Nach verlustreichen Jahren konnte der Konzern im Jahr 2024 ein Nettoergebnis von USD 388 Millionen erzielen. Auch zum Jahresauftakt 2025 schrieb Elanco schwarze Zahlen.

Eine Alternative sind Sektor-Anlagen. Allerdings sind diese rar gesät. Allianz Global Investors bietet beispielsweise den aktiv gemanagten Fonds «Allianz Pet and Animal Wellbeing» an. Das Management investiert in Unternehmen, die in erheblichem Umfang im Bereich Tierwohl und Haustierbedarf tätig sind. Der Haken: Der Fonds ist mit einem Ausgabeaufschlag von 5.00% und einer jährlichen Gesamtkostenquote (TER) von 2.10% relativ teuer.

Haustier-Tracker von Vontobel

Eine kostengünstigere und zudem börsengehandelte Paketlösung ist das kürzlich emittierte Open End Tracker Zertifikat von Vontobel. Der zugrunde liegende Solactive Pet Industry Index ist auf Unternehmen fokussiert, die in den verschiedenen Segmenten des Heimtiermarktes aktiv sind, beispielsweise in den Bereichen Nahrung, Pflege und Gesundheit. Er enthält bis zu 20 Börsengesellschaften, die durch ein spezielles Screeningverfahren identifiziert und über ein Ranking ausgewählt werden. Das Ranking entscheidet auch über die Gewichtung im Index.

Die Überprüfung des Index sowie das Rebalancing seiner Komponenten erfolgen halbjährlich. Das in zwei Währungsvarianten (CHF und USD) angebotene Open End Tracker Zertifikat nimmt eins zu eins an der Wertentwicklung des Solactive Pet Industry Index teil. Da es sich bei dem zugrunde liegenden Index um einen Net Return Index handelt, werden Nettodividenden der Indexmitglieder berücksichtigt. Das Produkt ist für Anleger geeignet, die den boomenden Heimtiermarkt als chancenreiches Satelliteninvestment erachten.

Zu beachten ist: Einen Kapitalschutz gibt es, wie bei Index-Trackern üblich, nicht. Das heisst: Indexverluste führen zu entsprechenden Verlusten beim Zertifikat.   

Weitere News aus der Rubrik

Unsere Rubriken