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payoff phanie Rheinboldt, Senior Equity Analyst, Banque Heritage Opinion Leaders

Small & Midcaps: Starker Hebel in einem sich wandelnden monetären Umfeld

13.01.2026 4 Min.
  • Stéphanie Rheinboldt
    Senior Equity Analyst
    Banque Heritage

Sinkende Kapitalkosten erleichtern den Börsengang (IPO) und kurbeln die Aktivitäten bei Fusionen und Übernahmen an.

Der Bereich der kleinen und mittleren Aktiengesellschaften (Small und Mid Caps, SMID) steht an einem Wendepunkt. Es gab eine längeren Phase der Underperformance gegenüber Grossunternehmen, die durch steigende Zinsen noch verstärkt wurde. Jetzt deuten makroökonomische Signale und historisch attraktive Bewertungen auf ein grosses Erholungspotenzial hin. Allerdings hängt die Entwicklung dieses Segments stark vom weiteren wirtschaftlichen Verlauf ab.

Kleine und mittlere Unternehmen hinken seit mehreren Jahren hinter den Grossunternehmen her. Das liegt vor allem daran, dass sie empfindlicher auf Kapitalkosten reagieren. Sie sind stärker auf Bankkredite und variabel verzinste Schulden angewiesen als Grossunternehmen. Der rasche Zinsanstieg hat daher ihre Margen und Bewertungen stark belastet.

Diese Belastung führte zu historisch grossen Bewertungsabschlägen. In der Eurozone etwa werden kleine Unternehmen derzeit günstiger bewertet als Grossunternehmen, obwohl sie in den letzten 20 Jahren meist eine höhere Bewertung hatten. Auch in den USA gilt der Russell 2000 Index als attraktiv bewertet, gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis, und liegt deutlich unter seinem historischen Durchschnitt sowie unter dem des S&P 500.

Die Schieflage ist also klar: Ein glaubwürdiger Rückgang der Inflation und erste Zinssenkungen würden die Erträge von kleinen und mittleren Unternehmen stark steigern. Historisch gesehen haben kleine Unternehmen oft besonders stark profitiert in den 12 bis 24 Monaten nach dem Ende einer Zinserhöhungsphase.

Die Analyse der Kapitalflüsse bestätigt die Zurückhaltung der Anleger und unterstreicht das Aufholpotenzial. In den USA ziehen Grossunternehmen weiterhin Milliarden an Investitionen an, während ETFs für kleine Unternehmen Nettoabflüsse von rund 16 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 verzeichnen.

Diese Entwicklung ist aussagekräftig: Das SMID-Segment ist unterbewertet und wird vernachlässigt. Solche Situationen schaffen historisch gute Voraussetzungen für eine starke Erholung, sobald die Zinssituation klarer wird und Kapital wieder umgeschichtet wird. Über den Zinszyklus hinaus sprechen mehrere strukturelle Faktoren für eine anhaltende Outperformance von kleinen und mittleren Unternehmen. Sie sind stärker in der heimischen Wirtschaft verankert und haben einen höheren Anteil an zyklischen Branchen wie Industrie und Rohstoffe. Damit profitieren sie besonders von einer Erholung der Investitionen und vom Trend zur Verlagerung von Lieferketten (Nearshoring). Dies ist ein wichtiger Wachstumstreiber für nordamerikanische Industrie-SMEs und solche in Schwellenländern wie Mexiko und Indien.

Sinkende Kapitalkosten werden auch den Börsengang von Unternehmen wieder erleichtern und Fusionen und Übernahmen fördern. Beispielsweise verfügen grosse Pharmafirmen über hohe Barreserven und suchen aktiv nach unterbewerteten Biotech-SMEs, was eine Chance für schnelle Gewinne bietet.

Schliesslich erfordern Informationsdefizite, die durch die MiFID-Regeln in Europa und eine stärkere Streuung der Unternehmensleistungen verstärkt wurden, aktives Management. So können sogenannte Zombie-Unternehmen vermieden und Gewinner mit soliden Bilanzen identifiziert werden.

Das grösste Risiko bleibt eine harte wirtschaftliche Landung, ausgelöst durch dauerhaft hohe Zinsen. Schwächere Bilanzen bei KMU könnten eine Welle von Zahlungsausfällen auslösen, die Stimmung verschlechtern und die Underperformance verlängern.

Die aktuellen Bewertungsabschläge deuten jedoch darauf hin, dass viele Risiken bereits eingepreist sind. Kleine und mittlere Unternehmen stehen für Innovation, Hebelwirkung im Geschäft und Flexibilität – Eigenschaften, die Grossunternehmen zunehmend fehlen.

Das Aufwärtspotenzial dieses Segments hängt von einem anhaltenden Zinssenkungszyklus ab, der als Katalysator für eine zyklische Erholung, M&A-Aktivitäten und Börsengänge wirkt. Zukünftige Gewinne werden aber wahrscheinlich selektiv und branchenabhängig sein. Priorität sollten KMU haben, die in strukturellen Superzyklen wie Verteidigung und Biotechnologie sowie geopolitischen Themen wie Nearshoring positioniert sind.

Europäische Peripherieländer und Schwellenländer sollten nicht übersehen werden. Ihre Small-Cap-Segmente, oft mit Bewertungsabschlägen, profitieren stark von der Verlagerung von Lieferketten und einer lockeren Geldpolitik. Dort könnte die Agilität der KMU entscheidend sein und zukünftige Outperformance sichern.

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