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payoff Von James Syme, Senior Fondsmanager bei J O Hambro Opinion Leaders

Trotz Erhöhung der US-Zölle: Brasilien bleibt robust 

16.09.2025 3 Min.
  • James Syme
    Senior Fund Manager
    J O Hambro

Anfang August gab es eine weitere Anpassung der US-Zölle für Handelspartner, wobei besonders die Ankündigung von Präsident Donald Trump hervorstach, ab dem 6. August einen Zollsatz von 50 % auf die meisten brasilianischen Importe zu erheben.

Dieser liegt weit über dem im April im Rahmen des „Liberation Day“ festgelegten Zollsatz von 10 %. Die plötzliche Eskalation überraschte die Finanzmärkte und weckte Befürchtungen hinsichtlich weiterreichender geopolitischer Motive.

Bei diesen Zöllen geht es nicht um Handelsungleichgewichte. Die USA verzeichnen seit 18 Jahren in Folge einen Handelsüberschuss mit Brasilien, darunter einen Überschuss von 6,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024, den viertgrößten bilateralen Überschuss der USA. Der eigentliche Auslöser ist politischer Natur: Der ehemalige Präsident Jair Bolsonaro muss sich wegen der Anstiftung zu einem Putschversuch verantworten, mit dem er seine Wahlniederlage von 2022 rückgängig machen wollte. Präsident Trump hat die Zollerhöhung direkt mit den rechtlichen Problemen Bolsonaros in Verbindung gebracht, indem er sie als Vergeltung für politische Verfolgung bezeichnete.

US-Zölle treffen Brasilien nur begrenzt

Trotz der Schlagzeilen werden zahlreiche bedeutende Ausnahmen die Auswirkungen auf Brasiliens Exporte begrenzen. Zivilflugzeuge, Düngemittel, Roheisen und Orangensaft sind von dem vollen 50 %-Satz ausgenommen, und auch Bergbauexporte, die einen großen Teil am Handels Brasiliens mit den USA ausmachen, sind weitgehend geschützt. Analysten schätzen, dass der effektive Zollsatz bei etwa 30 % liegen wird, weit entfernt von den vollen 50 %.

Auch Brasiliens rohstofflastiges Exportprofil wird das Land schützen. Wichtige Exportgüter wie Lebensmittel, fossile Brennstoffe und andere Rohstoffe lassen sich in der Regel auf andere Endmärkte umleiten, und sowohl die Nachfrage als auch die Preise bleiben stark. Dadurch sinkt das Risiko einer anhaltenden wirtschaftlichen Störung durch US-Zölle. Das staatliche Forschungsinstitut IPEA prognostiziert aufgrund der Zölle nur einen Rückgang des BIP um 0,01 % und einen Rückgang der Gesamtexporte um 0,03 %.

Zölle festigen Lulas Position und vertiefen Brasiliens China-Partnerschaft

Geopolitisch dürfte China von den Auswirkungen profitieren. China ist seit 2009 Brasiliens größter Handelspartner und hat über 73 Milliarden US-Dollar in brasilianische Infrastruktur, Energie und Agrarwirtschaft investiert. Die jüngste Ankündigung eines brasilianischen Steuerberatungsbüros in Peking – eines von weltweit nur fünf – signalisiert eine Vertiefung der strategischen Partnerschaft. Während die Beziehungen zu den USA brüchiger werden, eröffnet Brasiliens Hinwendung zu China neue Chancen für Handel, Investitionen und institutionelle Zusammenarbeit.

Im Inland haben die Zölle die politische Position von Präsident Lula gestärkt. Einer aktuellen Umfrage zufolge führt er deutlich vor allen potenziellen Gegnern bei der Präsidentschaftswahl 2026, darunter Jair Bolsonaro und dessen Ehefrau Michelle, die möglicherweise kandidieren wird. Die enge Verbindung der Bolsonaros zu Präsident Trump wird in Brasilien zunehmend als Belastung wahrgenommen, insbesondere angesichts der Vorwürfe, sie hätten daran mitgewirkt, die Zollerhöhung zu provozieren. Lula hat die Zölle als Angriff auf die brasilianische Souveränität dargestellt und damit seine Erzählung von Unabhängigkeit und nationaler Widerstandskraft bekräftigt.

Wir bleiben positiv gestimmt hinsichtlich der Aussichten für Brasilien und brasilianische Aktien. Mit einer vergleichsweise soliden Wirtschaft, attraktiven Bewertungen und der Unterstützung durch einen schwächeren US-Dollar haben sich sowohl brasilianische Aktien als auch der Real in diesem Jahr gut entwickelt. Wir sehen die Voraussetzungen gegeben, dass sich dieser Trend fortsetzt – ungeachtet der schwierigen Schlagzeilen über Handelszölle. 

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