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payoff Opinion Leaders

Auftakt der US-Berichtssaison: Solide Bankgewinne allein reichen nicht mehr aus

16.10.2026 3 Min.
  • Serge Nussbaumer
    Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte
    Maverix

Gemischte Bankergebnisse, hohe Erwartungen an Technologiekonzerne.

Die Berichtssaison für das dritte Quartal in den USA beginnt mit einem gemischten Bild. Die grossen Banken verdienen weiterhin gut, die Kreditnachfrage bleibt solide und die US-Konsumenten zeigen sich widerstandsfähig. Dennoch reagierten die Aktienmärkte überwiegend zurückhaltend. Nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate reichen solide Ergebnisse allein nicht mehr aus. Die Erwartungen sind hoch und der Markt verlangt zunehmend überzeugende Wachstumsperspektiven.

Banken: Solide Gewinne, unterschiedliche Ergebnisse

Die Ergebnisse der Banken fallen sehr unterschiedlich aus. So verfehlte JP Morgan erstmals seit Ende 2023 die Gewinnerwartungen. Insbesondere das Anleihenhandelsgeschäft und die schwächere Dynamik im Investmentbanking belasteten. Auch Bank of America enttäuschte, während Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citigroup die Erwartungen übertrafen. Besonders das Aktienhandelsgeschäft profitierte von der erhöhten Marktvolatilität. Insgesamt zeigt sich ein Bankensektor, dessen operatives Fundament intakt ist, dessen Ertragsdynamik nach einem starken ersten Halbjahr aber nachlässt.

Kapitalmarktgeschäft schwächelt, Kreditgeschäft stützt

Ein wesentlicher Grund dafür ist die Abkühlung des Kapitalmarktgeschäfts. Die erhoffte Belebung bei Börsengängen und Unternehmensübernahmen hat sich bislang nicht im erwarteten Umfang eingestellt. Prominente Börsengänge wie jene von OpenAI und Anthropic blieben aus. Ihre Verschiebung steht exemplarisch für die aktuellen Schwierigkeiten bei der Preisfindung. Höhere Anleiherenditen und anspruchsvolle Bewertungen haben die Bereitschaft institutioneller Investoren reduziert, neue Emissionen zu nahezu jedem Preis aufzunehmen. Dadurch wird auch kleineren Unternehmen der Zugang zum Aktienmarkt erschwert. Für die Investmentbanken bedeutet dies zunächst entgangene Gebühreneinnahmen, wobei die weiterhin gut gefüllte Transaktionspipeline auf Nachholpotenzial hindeutet. Entscheidend wird sein, wann aus den angekündigten Transaktionen tatsächlich Erträge entstehen.

Positiv bleibt dagegen das klassische Bankgeschäft. Steigende Nettozinserträge und eine weiterhin solide Kreditnachfrage stützen die Ergebnisse. Auch die Kreditqualität zeigt bislang keine breit angelegte Verschlechterung. Allerdings erhöhen die gestiegenen Refinanzierungskosten den Druck auf die Margen, während höhere Zinsen zunehmend auch die Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen belasten.

Bewertungen: Die Messlatte liegt hoch

Vor diesem Hintergrund ist die verhaltene Börsenreaktion nachvollziehbar. Die Ergebnisse sind insgesamt besser als bei einem ausgeprägten wirtschaftlichen Abschwung zu erwarten wäre. Sie reichen jedoch nicht aus, um die bereits hohen Bewertungen uneingeschränkt zu rechtfertigen. Der Markt beginnt, stärker zwischen operativer Stabilität und tatsächlichem Gewinnwachstum zu unterscheiden.

Ausblick: Technologiekonzerne müssen liefern

In der kommenden Woche verlagert sich der Fokus zunehmend auf die grossen Technologiewerte. Mit Netflix am Dienstag sowie Meta und Tesla am Mittwoch stehen erste wichtige Prüfsteine für die hohen Wachstumserwartungen an. Bei Netflix wird insbesondere die Entwicklung der Profitabilität und des Werbegeschäfts von Interesse sein. Meta muss zeigen, dass das Wachstum der Werbeerträge die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz weiterhin rechtfertigt. Bei Tesla stehen die Margen im Automobilgeschäft sowie die wirtschaftlichen Perspektiven der neuen Geschäftsfelder im Vordergrund.

Damit beginnt für den Aktienmarkt die anspruchsvollere Phase der Berichtssaison. Während die Banken vor allem Aufschluss über den Zustand der US-Wirtschaft geben, müssen die Technologiekonzerne zeigen, ob ihre Gewinnentwicklung mit den hohen Bewertungen Schritt halten kann. Die bisherigen Ergebnisse sprechen einerseits für eine weiterhin widerstandsfähige US-Wirtschaft, andererseits aber auch für einen Markt, der bei Enttäuschungen zunehmend weniger Spielraum lässt.

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