Focus
Ausblick 2026: Sportliche Perspektiven
-
Wolfgang Hagl
Redaktor
Trotz Handelsstreitigkeiten und konjunkturellem Gegenwind haben die Aktienmärkte das vergangene Jahr mit einem starken Ergebnis abgeschlossen. Für das Jahr
2026 sprechen eine expansive Geldpolitik, staatliche Impulse sowie das boomende Thema KI für diese Anlageklasse. Zudem startet die Schweizer Börse mit einer vergleichsweise günstigen Bewertung ins neue Jahr. Wir werfen einen Blick in die Zukunft und stellen vielversprechende Anlagelösungen für das Jahr 2026 vor.
Für die Sportfans hat das Warten am 6. Februar ein Ende. Dann werden in Mailand die 25. Olympischen Winterspiele eröffnet. Bis zum 22. Februar kämpfen rund 2’900 Athletinnen und Athleten aus über 90 Ländern in 16 Sportarten um Gold, Silber und Bronze. Zwei Wochen später beginnen die Paralympics. «Milano Cortina 2026» könnte der Schweiz vor allem im alpinen Skifahren einen Medaillenregen bescheren. Bei den Spielen 2022 in Peking war das heimische Team mit 22 Medaillen so erfolgreich wie nie zuvor. Mit einer Ausnahme wurden alle Trophäen auf zwei Skiern gewonnen. Im Medaillenspiegel belegte die Schweiz den 8. Platz, während Norwegen als führende Wintersportnation das Ranking anführte. Auf den Rängen 2 bis 4 folgten Deutschland, China und die USA.
Andrang im Sicheren Hafen
Diese Wertung spiegelt gut das Ergebnis des Börsenjahres 2025 wider: Zwar hat die Schweiz ordentlich abgeschnitten, der SMI lag zu Silvester 14 % über dem Schlusskurs von 2024, doch im Vergleich zu Deutschland, China, den USA und dem japanischen Leitindex Nikkei 225 mussten die heimischen Large Caps zurückstecken (siehe Grafik 1). Der Schweizer Aktienmarkt wurde im vergangenen Jahr insbesondere von zwei weltweit bestimmenden Themen beeinflusst. Einerseits bekam er die Flucht der Anleger in «Safe Haven»-Assets zu spüren. Der Schweizer Franken zieht seit jeher vor allem dann Kapital an, wenn die Unsicherheit gross ist. Dieses Verhaltensmuster kam 2025 vor allem im Wechselkurs CHF/USD zum Ausdruck. Gegenüber der US-Währung wertete der Franken um 14% auf.

An dieser Stelle kommt das zweite grosse Thema ins Spiel. Im Januar 2025 ist Donald Trump ins Weisse Haus zurückgekehrt. Vom ersten Tag an verfolgte der Präsident seine «Amerika First»-Doktrin mit einer erratischen Handelspolitik sowie permanenten Tiraden gegen die Notenbank. Er forderte von der Fed stärkere Zinssenkungen. Der Republikaner schwächte auf diese Weise den Dollar und raubte Unternehmern und Politikern aus exportorientierten Ländern den Schlaf. Die Schweiz bekam seinen Groll besonders stark zu spüren. Erst im Herbst gelang der Bundesregierung in Washington, D.C., ein Durchbruch. Die USA sagten eine Senkung der Zollgebühren für Importe aus der Schweiz von 39% auf 15% zu. Im Gegenzug versprach die heimische Wirtschaft hohe Investitionen in den Staaten.
SMI: Holcim triumphiert
Die Einigung dürfte ein Grund dafür gewesen sein, dass der SMI im Schlussquartal 2025 aufdrehte. Mit einem Plus von 7.3% konnte der Schweizer Leitindex gegenüber anderen Handelsplätzen Boden gutmachen. Über das gesamte Jahr hinweg sorgten die Schwergewichte für Schwung. Mit Ausnahme von Nestlé zählen die fünf Aktien mit dem höchsten Anteil am SMI 2025 zu den Top 10 im Index. An der Spitze des Rankings steht Holcim (siehe Grafik 2). Der Baustoffkonzern konnte sein Nordamerikageschäft im vergangenen Jahr erfolgreich abspalten. Gleichzeitig gelang es dem Konzern in den ersten neun Monaten des Jahres 2025, das Ergebnis trotz rückläufiger Erlöse zu steigern. Sika blieb derweil bis zum Jahresende das Schlusslicht im SMI. Dem Bauchemiehersteller machte vor allem die Schwäche im chinesischen Immobiliensektor zu schaffen.

Welt: Starke Fliehkräfte
Egal, ob Top oder Flop: Den meisten heimischen Unternehmen würde im neuen Jahr Rückenwind vonseiten der Weltwirtschaft guttun. Das Chief Investment Office (CIO) im UBS Global Wealth Management erkennt in der Makroökonomie unterschiedliche Kräfte am Werk: Einerseits sorgen die Innovationen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) zusammen mit fiskalpolitischen Stützen sowie der Lockerung der Geldpolitik für Schwung. Dem stehen jedoch Belastungen wie Schulden, Demografie und Deglobalisierung gegenüber. Passend dazu hat die UBS ihren Jahresausblick mit der Frage «Schwerkraft überwunden?» betitelt. Die Antwort fällt positiv aus. Im Basisszenario rechnet die UBS mit einem soliden Wachstum. In den USA soll sich das BIP um 1.7% und damit nur knapp unter der Trendrate von 2% ausdehnen. Während die Ökonomen der Grossbank für die Eurozone ein Wachstum von 1.1% erwarten, trauen sie der Region Asien-Pazifik (APAC) eine Steigerung der Wirtschaftsleistung um 5% zu.
USA: Wichtige Weichenstellungen
In puncto Geldpolitik steht die Fed weiterhin im Fokus. Im Vergleich zur Schweizerischen Nationalbank (SNB) und zur Europäischen Zentralbank (EZB) hat die US-Notenbank bei den Zinsen noch einigen Spielraum nach unten (siehe Grafik 3). Trotz des enormen Drucks aus dem Weissen Haus hielt die Fed 2025 lange Zeit die Füsse still. Erst im September, Oktober und Dezember schraubte der Offenmarktausschuss die Target Rate jeweils um 25 Basispunkte nach unten. Momentan preisen die USD-Geldmärkte für 2026 zwei weitere Senkungen dieser Grössenordnung ein. Allerdings könnte sich diese Erwartungshaltung, die sich am CME FedWatch Tool orientiert, schlagartig ändern, sobald Jerome Powell seinen Posten räumt.

Im Mai wird der 72-Jährige als Fed-Vorsitzender abtreten. Donald Trump hat noch nicht entschieden, wen er als Nachfolger nominieren möchte. Doch eines ist klar: Der neue Mann an der Spitze der Notenbank muss seinen Vorstellungen folgen und die Zinsen senken. Das Thema Inflation werde sich nach Ansicht des US-Präsidenten von selbst regeln. «Jeder, der mir widerspricht, wird niemals Fed-Vorsitzender», polterte Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Recherche
Für den Präsidenten steht im Herbst ein Lackmustest bevor: Anfang November finden die Zwischenwahlen statt. Laut aktuellen Umfragen könnten die Republikaner ihre Mehrheit im Kongress verlieren. «Das bedeutet, Trump hätte keine Chance, seine ‹Make America Great Again› (MAGA)-Agenda umzusetzen», erklärt Luca Paolini, Chefstratege beim Vermögensverwalter Pictet. Ein Sieg der Demokraten könnte direkte Auswirkungen auf die grösste Volkswirtschaft der Welt haben, etwa in Bezug auf Regulierung und mögliche Steueränderungen, so Paolini im Dezember gegenüber Reuters.
KI: Droht eine Blase?
Der mögliche Machtverlust Trumps hat die Akteure an der Wall Street bislang kalt gelassen. Zu Weihnachten erreichte der S&P 500 ein Allzeithoch. Vor allem das Thema KI elektrisierte die Anleger im vergangenen Jahr. Doch mittlerweile wird immer häufiger von einer möglichen Blasenbildung gesprochen. Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen, zeigt sich im Interview mit dem payoff magazin vorsichtig: «Dieser Trend wird kurzfristig wohl eher über- als unterschätzt». Tatsächlich hat die KI-Rally zu einem deutlichen Anstieg der Bewertungen geführt. Ende des Jahres erreichte der S&P 500 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 22, was den zehnjährigen Mittelwert von 18.7 deutlich übertraf. Beim SMI liegt das KGV auf Basis der erwarteten Unternehmensgewinne der kommenden zwölf Monate bei 17.8, während der Durchschnitt der letzten Dekade bei 17 liegt.
SMI: Ansehnliche Relationen
Als weiteres Argument für Schweizer Aktien nennt Matthias Geissbühler die Dividendenrendite. Im SMI führen die Ausschüttungen der enthaltenen Konzerne aktuell zu einer Verzinsung von rund 3%. Selbst der traditionell dividendenstarke DAX kann hier nicht Schritt halten. Beim deutschen Aktienindex fällt die Rendite der Gewinnbeteiligungen um 50 Basispunkte niedriger aus. Der US-Leitindex weist eine Dividendenrendite von 1.4% auf. Auch in puncto Gewinnwachstum brauchen sich die heimischen Large Caps nicht zu verstecken. Zwar können sie hier mit Blick auf das Jahr 2026 nicht ganz mit ihren europäischen und US-amerikanischen Pendants mithalten. Doch Analysten gehen im Schnitt davon aus, dass die 20 SMI-Mitglieder ihre Überschüsse im neuen Jahr prozentual zweistellig verbessern werden (siehe Tabelle). Matthias Geissbühler hat eine klare Meinung: «Aus der Optik von Schweizer Anlegern ist der Heimmarkt zu präferieren.»

Mit Blick auf die Wall Street im Allgemeinen und das Thema KI im Besonderen mahnt der CIO von Raiffeisen zur Vorsicht. Mit dieser Einschätzung steht er im Widerspruch zu Mark Häfele. «Massive Investitionen und eine zügige Verbreitung von KI-Anwendungen dürften weitere Gewinne im Jahr 2026 antreiben», schreibt der CIO im Global Wealth Management der UBS in seinem Ausblick. Einig sind sich die beiden Börsenprofis hingegen bei Gold. Die Suche nach «Safe Haven»-Assets hat dem Edelmetall eine historische Rallye beschert. 2025 verteuerte sich die Feinunze um rund zwei Drittel. Sowohl Raiffeisen als auch die UBS raten weiterhin dazu, Gold zu Diversifikationszwecken und als Absicherungsinstrument ins Portfolio aufzunehmen.
Übrigens: Sportler, die bei den Olympischen Spielen triumphieren, erhalten nur eine kleine Menge des gelben Metalls. Die 500 Gramm schwere Goldmedaille für «Milano Cortina 2026» besteht lediglich zu 6 Gramm aus Gold, der Rest besteht aus Silber. Im kommenden Sommer wird hingegen eine goldene Trophäe ausgespielt, bei der die Farbe nicht täuscht. Der Siegerpokal für die in den USA, Kanada und Mexiko stattfindende Fussball-Weltmeisterschaft besteht zu fast 90% aus Gold. Die 5.5 Kilogramm schwere und 36 Zentimeter hohe Trophäe wird am 19. Juli nach dem Finale im MetLife Stadium von East Rutherford an die siegreiche Mannschaft übergeben. Bis dahin hat sich nicht nur im Fussball die Spreu vom Weizen getrennt. Auch an den Börsen dürfte sich bis dahin eine gewisse Hackordnung eingespielt haben.
Anlagelösungen
Anleger, die davon ausgehen, dass der SMI erfolgreich sein wird, können in den ETF CSSMI investieren. Dieser wurde kurz vor der Jahrtausendwende von der Credit Suisse lanciert und gehört heute zum umfangreichen Angebot von iShares. In dem Fonds, der den SMI physisch repliziert und Ausschüttungen regelmässig an seine Anteilseigner weitergibt, verwaltet das ETF-Label des Vermögensverwalters BlackRock rund CHF 2.3 Milliarden.
Sowohl über ETFs als auch über Strukturierte Produkte lässt sich das Thema KI ins Portfolio holen. Im letzteren Segment ist das Tracker-Zertifikat GENAIU auf den Solactive Generative Artificial Intelligence Index beheimatet. In diesem Index sind bis zu 40 Unternehmen enthalten, die entlang der Wertschöpfungskette KI aktiv sind. Logischerweise geben US-Aktien den Ton an. So sind im Index beispielsweise Chiphersteller wie Nvidia, Intel oder Broadcom vertreten. Hinzu kommen Internet- und Softwareriesen wie Alphabet, Amazon.com oder Microsoft. Da die USA mit knapp 90% zum Index beitragen, verknüpfen Anleger ihr Kapital stark mit der weiteren Entwicklung der Wall Street.
Das KI-Spektrum ist auch für Liebhaber von Renditeoptimierungsprodukten interessant. Grund: Diese Aktien sind mitunter sehr volatil. Beim Barrier Reverse Convertible AFFITQ auf Broadcom, Nvidia und Oracle führt diese Volatilität zu einem stattlichen Coupon von 21% p. a. Die garantierte Ausschüttung geht mit einer Barriere von 55% der Anfangsfixierung einher. Solange keiner der drei US-Large Caps während der zwölfmonatigen Laufzeit auf oder unter diese Marke fällt, zahlt Leonteq den Nennwert vollständig zurück. Falls dieses Kalkül nicht aufgeht, wäre das Investment zum Verfall dem vollen Kursrisiko des schwächsten Basiswerts ausgesetzt.
