Trading Desk
Call-Optionen auf «Gulf War Peace»
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Martin Raab
Investment-Stratege
Am 8. April hielten Investoren den Atem an. Würden Donald Trump und Bibi Netanjahu wieder zu Besinnung kommen? Verlieren die Mullahs in Teheran völlig den Verstand? Das Aufatmen nach dem überraschenden Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran wirkt wie ein Befreiungsschlag für die globalen Märkte. US-Aktienfutures haussieren und der Ölpreis für die Sorten WTI und Brent entspannt sich deutlich. Die ersten Algorithmen beginnen, das Risiko neu zu bepreisen. Die Millionen-Dollar-Frage ist jetzt: Wo liegen echte Opportunitäten, wo lockt nur scheinbar Rendite?
Die Märkte lieben nichts mehr als Planbarkeit, und genau die wird nun zumindest temporär wiederhergestellt. In den nächsten Tagen rücken insbesondere zyklische Branchen wieder in den Fokus. Es ist der Beginn einer klassischen «Relief Rally», wie sie erfahrene Marktteilnehmer bestens kennen. Und wie so oft gilt: Wer früh positioniert ist, profitiert überproportional. Im Zentrum dieser Bewegung stehen unter anderem Fluggesellschaften und Kreuzfahrtunternehmen. Beide Branchen litten in den vergangenen Wochen massiv unter steigenden Treibstoffkosten und geopolitischer Unsicherheit. Sinkende Ölpreise wirken hier wie ein doppelter Hebel: niedrigere Kosten auf der einen und steigende Nachfrageerwartungen auf der anderen Seite. Fluggesellschaften können ihre Margen rasch verbessern, während Kreuzfahrtanbieter von einer wiederkehrenden Reiselust profitieren. Das eigentliche Potenzial dürfte jedoch erst am Anfang stehen. Die «Fear Sells» der letzten Wochen drehen sich gerade in «Greed Trades». Open-End-Mini-Futures und länger laufende Calls auf diese Titel werden mit hoher Wahrscheinlichkeit belohnt.
Parallel dazu eröffnet sich eine zweite, mindestens ebenso spannende Spielwiese: der Ölmarkt selbst. Durch den Wegfall des «Gulf War III Premium» dürfte der Preis für Rohöl strukturell unter Druck geraten. Genau hier gilt es anzusetzen. Trader positionieren sich mithilfe von Futures, Optionen oder Strukturierten Produkten auf fallende Preise. Analysiert man die Open-Interests und die Volumen, dürfte der Preis für Rohöl (WTI) auf rund USD 70 fallen. Für Trader ist dabei nicht maximale Aggressivität entscheidend, sondern ein besonnenes Risikomanagement der Strikes. Short Puts bieten nach wie vor gute Prämien, je Verfallstermin und Strike. Long-Put-Optionen könnten ein weiteres Absinken in attraktive Renditebooster verwandeln. Gleichzeitig bleibt Disziplin das oberste Gebot, denn auch ein entspannter Markt kann kurzfristig volatile Ausschläge zeigen. Wichtig ist, dass im Oval Office die Vernunft wieder die Oberhand gewinnt. Nur so können sich die Call-Optionen auf «Gulf War Peace» nachhaltig entwickeln.