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Hochtief: Der neue Industriegewinner

27.05.2026 4 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Rechenzentren, Verteidigungsprojekte und ein möglicher DAX-Aufstieg haben die Aktie zuletzt stark nach oben getrieben. Nach dem jüngsten Rücksetzer stellt sich nun die Frage, ob der Titel trotz hoher Bewertung noch weiteres Potenzial bietet.

Jenseits der boomenden Chip-Aktien, die den KI-Hype an den Börsen bislang symbolisiert haben, geraten inzwischen auch Unternehmen aus der klassischen Industrie in den Aufwärtssog. Hochtief ist dafür ein gutes Beispiel. Angetrieben von Investitionen in Rechenzentren und Verteidigungsinfrastruktur legte die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten rund 190 Prozent zu. Laut der Index-Strategen der Deutschen Bank ist der Industrie-Titel damit in Reichweite eines Fast Entry bei der anstehenden Juni-Überprüfung. Für Hochtief wäre es der erstmalige Einzug in den DAX. 

Boomende Geschäfte

Dass ein Baukonzern in der DAX-Rangliste so weit oben auftaucht, ist kein Zufall. KI braucht nicht nur Chips, sondern auch Beton, Stahl, Kühlsysteme, Umspannwerke, Sicherheitsarchitektur und Netzanbindung. Die Bundesregierung in Deutschland will die heimischen Rechenzentrumskapazitäten bis 2030 mindestens verdoppeln. Parallel dazu stehen in Deutschland und Europa seit der Zeitenwende deutlich höhere Mittel für Infrastruktur und Verteidigung im Raum. Deutschlands Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität umfasst EUR 500 Mrd. bis 2036, und die Verteidigungsausgaben in Europa steigen weiter kräftig. Für einen Konzern wie Hochtief, der genau an der Schnittstelle von digitaler, ziviler und militärischer Infrastruktur arbeitet, ist das ein ungewöhnlich günstiges Umfeld. 

Hochtief ist heute weit mehr als ein deutscher Baukonzern alter Schule. Das Unternehmen ist zu einem globalen Infrastrukturkonzern aufgestiegen, der Projekte entwickelt, plant, baut, betreibt und finanziert. An der Börse wird der Konzern zunehmend als seltene europäische Rechenzentrums-Story wahrgenommen. Die Zahlen zum ersten Quartal zeigen, warum die Börse Hochtief nicht mehr nur als zyklischen Bauwert liest. Der währungsbereinigte Umsatz erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 14% auf EUR 9.4 Mrd., der operative Gewinn legte überproportional um 30% auf EUR 217 Mio. zu. Der Auftragseingang kletterte um 27% auf EUR 15.2 Mrd., der Auftragsbestand erreichte einen neuen Rekordwert von EUR 79.3 Mrd. 

Rücksetzer

Die Börse reagierte dennoch zunächst verschnupft auf die Zwischenbilanz, da der Umsatz etwas unter den Erwartungen lag und die Aktie nach dem Rekordlauf reif für Gewinnmitnahmen war. Zugleich lag der operative Gewinn über den Schätzungen. Das Quartal war also weniger schwach als vielmehr zu teuer bepreist für jede kleine Unschärfe auf der Umsatzseite. Am Ausblick hat Hochtief nach dem Jahresauftakt festgehalten. Für 2026 stellt der Konzern weiterhin einen operativen Nettogewinn von EUR 950 Mio. bis EUR 1.025 Mrd. in Aussicht, also ein Plus von 20% bis 30%. Diese Zielspanne wirkt vor dem Hintergrund des ersten Quartals eher vorsichtig als ambitioniert. Das sehen auch Analysten so: BofA hält Hochtief für gut positioniert, die Prognose bis zu den Zahlen zum dritten Quartal anzuheben. Haupthebel des Konzerns bleibt die US-Tochter Truner, die vom beschleunigten Hyperscaler-Capex profitiert.

Gibt es nun eine Kaufgelegenheit?

Nach dem Rekordhoch von EUR 554 ist die Aktie auf bis zu EUR 460 zurückgekommen, also um rund 17%. Das signalisiert, dass auch ein struktureller Gewinner nicht täglich weiterlaufen kann. Gleichzeitig könnte diese Verschnaufpause aber zum Einstieg locken, denn Hochtief bietet eine attraktive Wachstums- und Infrastrukturstory. Das sehen auch die Analysten von BofA Global Research so, diese haben ihr Kursziel von EUR 460 auf EUR 605 Euro angehoben. Das ist mehr als nur ein kosmetischer Schritt. Es signalisiert, dass die bullisheren Analysten nicht mehr nur auf die Vergangenheit der Rallye schauen, sondern auf ein Szenario, in dem Turner, Verteidigungsinfrastruktur und die operative Hebelwirkung des Rekordauftragsbestands die Schätzungen weiter nach oben treiben. Kommt dann noch ein DAX-Aufstieg im Juni hinzu, wäre das ein zusätzlicher technischer Katalysator.

Anlagelösungen

Trading-orientierte Anleger können mit dem Long Mini Future IHOFTZ der ZKB mit Hebel dieses Szenario umsetzen. Der Knock-Out befindet sich bei EUR 427.2320 und damit 11.7 Prozent vom aktuellen Kursniveau entfernt. Noch etwas mehr Platz auf der Unterseite, und damit ein geringeres Risiko, bietet der Unlimited Turbo-Optionsschein (ISIN DE000FE3VUZ3) von der Societe Generale. Der Stop-Loss-Level des Produkts, das auf SwissDOTS gehandelt wird, befindet sich bei EUR 385.0100, der Hebel beträgt 4.4.

Vorsichtige Investoren können den Barrier Reverse Convertible RHOABV von der Bank Vontobel mit einer Restlaufzeit bis Februar 2027 ins Auge fassen. Das Produkt stellt eine Renditechance von 6.9% p.a. in Aussicht, die Barriere befindet sich bei EUR 220.90 – ein Puffer von satten 54%.

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