Trading Desk
D-Wave: Wette auf den Quantenboom
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Christian Ingerl
Redaktor
Der bevorstehende Börsengang von Quantinuum rückt Quantencomputer wieder ins Rampenlicht der Anleger. Davon profitiert auch D-Wave: Die Aktie ist bereits stark gelaufen, doch Analysten sehen weiter Luft nach oben. Entscheidend wird nun, ob aus technologischer Fantasie nachhaltiges Umsatzwachstum wird.
Der Quantencomputer-Markt bekommt im Juni einen neuen Gradmesser. Mit Quantinuum drängt eine Tochter von Honeywell an die Börse, die als einer der technologisch ambitioniertesten Namen der Branche gilt. Das geplante Nasdaq-IPO unter dem Kürzel QNT soll Quantinuum nach jüngsten Angaben mit bis zu USD 14.3 Mrd. bewerten und bis zu USD 1.46 Mrd. einbringen. Für die noch junge Quantum-Industrie wäre das mehr als nur ein klassischer Sprung aufs Parkett: Es wäre ein Preisschild für die Fantasie eines ganzen Sektors. Davon profitiert auch D-Wave Quantum. Die Aktie ist in den vergangenen Wochen bereits kräftig angesprungen und notiert mit rund USD 29 nur knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von USD 30.
Achterbahnfahrt
Der Rückenwind kommt zur rechten Zeit. Quantencomputer gelten als eine der nächsten grossen Technologieschichten nach Cloud, Halbleitern und künstlicher Intelligenz, hatten an der Börse aber zuletzt einen schweren Stand. Viele Titel notieren nur noch zu einem Bruchteil dessen, was im Herbst 2025 bezahlt wurde. Noch steckt der Markt nämlich in einer frühen Kommerzialisierungsphase, wo Gewinne in weiter Ferne liegen. Doch die Anwendungspalette ist breit: Optimierungsprobleme in Logistik und Industrie, Materialforschung, Finanzmodelle, Kryptografie oder Pharmaentwicklung zählen zu den grossen Hoffnungsfeldern. Es wird darauf gesetzt, dass aus jahrelanger Grundlagenforschung allmählich ein investierbarer Markt entsteht. Der Quantinuum-Börsengang dürfte dabei als Lackmustest dienen: Gelingt ein starkes Debüt, könnte dies die Bewertungen börsennotierter Quantenwerte weiter stützen.
Zukunftsstrategie
D-Wave nimmt in diesem Rennen eine besondere Rolle ein. Die Firma hat sich früh auf Quantum Annealing spezialisiert. Diese Technologie ist insbesondere für Optimierungsaufgaben ausgelegt und wird bereits in hybriden quantenklassischen Anwendungen eingesetzt. Genau darin liegt der Reiz: D-Wave verfügt nicht nur über eine langfristige Vision, sondern weist auch konkrete kommerzielle Anwendungsfälle auf. Zugleich erweitert das Unternehmen seine technologische Basis. Jüngst stellte D-Wave eine Roadmap für Gate-Model-Systeme vor und peilt bis 2032 Systeme mit 100 logischen Qubits und mehr als einer Million Operationen an. Damit will sich der Konzern breiter aufstellen und den adressierbaren Markt vergrössern.
Zunehmende Nachfrage
Operativ bleibt die Entwicklung allerdings noch von hohen Investitionen und kleinen Umsätzen geprägt. Im ersten Quartal 2026 erzielte D-Wave einen Umsatz von USD 2.9 Mio. Deutlich spektakulärer fiel der Auftragseingang aus: Die Bookings sprangen auf USD 33.4 Mio. und lagen damit um 1‘994% über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig schrieb das Unternehmen weiter rote Zahlen. Der Nettoverlust belief sich auf USD 18.4 Mio., während die liquiden Mittel und marktfähigen Wertpapiere zum Quartalsende bei USD 588.4 Mio. lagen. Das verschafft D-Wave ausreichend finanziellen Spielraum, um Forschung, Vertrieb und Produktentwicklung voranzutreiben.
Für risikobereite Anleger ist D-Wave damit ein klassischer Zukunftswert: hohe Fantasie, hohe Volatilität, aber auch ein Geschäftsmodell, das zunehmend Substanz gewinnen muss. Entscheidend wird sein, ob aus Pilotprojekten und Bookings in den kommenden Quartalen spürbares Umsatzwachstum entsteht. Rückenwind könnten neben dem Quantinuum-IPO auch staatliche Förderprogramme, der wachsende Bedarf an Hochleistungsrechnen und die strategische Suche grosser Industriekunden nach Quantum-Lösungen liefern.
Anlagelösungen
Auch die Analystenzunft ist positiv: Das aktuelle Votum lautet «Kaufen», das Konsenskursziel liegt bei USD 35 und damit rund ein Fünftel über der aktuellen Notierung. Charttechnisch rückt für die Aktie nun die Zone um USD 30 in den Mittelpunkt. Dort wurde der steile Aufwärtstrend zuletzt gebremst. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke könnte neues Momentum freisetzen. Risikobewusste Anleger können mit dem Call Warrant QBTYGZ der ZKB eine Long-Wette umsetzen. Das Produkt hat einen Hebel von 3.6 und profitiert damit an steigenden Kursen des Basiswertes überproportional. Der Strike liegt bei USD 36 und damit leicht oberhalb des durchschnittlichen Kursziels. Der Optionsschein befindet sich «aus dem Geld».
Konservative Naturen können den kürzlich emittierten Barrier Reverse Convertible RQBABV von der Bank Vontobel ins Auge fassen. Das Produkt stellt eine Renditechance von 14.8% p.a. in Aussicht – und das bereits im Seitwärtsgang. Die Barriere befindet sich bei USD 10.61, was einem Puffer von 63.6% entspricht.
