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Deutsche Bank: Rücksetzer als neue Chance?
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Wolfgang Hagl
Redaktor
Der anstehende Zahlentermin und vor allem ein für den November geplanter Investorentag sprechen dafür, dass die Deutsche Bank ihren zuletzt unterbrochenen Höhenflug bald fortsetzt.
Politiker, Währungshüter, Wissenschaftler und Manager kamen vergangene Woche zur Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington D.C. zusammen. An der Veranstaltung prallten zwei gegensätzliche Anschauungen aufeinander. Europa pocht darauf, den Bankensektor mit strikten Spielregeln vor neuen Krisen zu bewahren. Derweil schreibt sich die US-Regierung eine Deregulierung dieses wichtigen Wirtschaftszweiges auf die Fahnen.
Am vorletzten Tag der Tagung bekamen die Teilnehmer anschaulich vor Augen geführt, wie ausgeprägt die Furcht der Anleger vor Verwerfungen im Geldsektor nach wie vor ist. Nachrichten zu Unregelmässigkeiten und Kreditausfällen bei zwei US-Regionalbanken lösten an den Börsen einen Schockmoment aus. In der Sorge vor einer neuen Krise flogen auch die Aktien des europäischen Sektors aus den Depots. Zu den grossen Verlierern zählte am vergangenen Freitag die Deutsche Bank. Sie büsste innerhalb eines Tages mehr als 6% oder rund EUR 3.6 Mrd. an Kapitalisierung ein.
Ein heisses Thema
Mittlerweile hat sich die Lage etwas stabilisiert. Unterstützung kam vom Chef der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel. „Mir ist um deutsche Banken nicht bange“, sagte er noch in Washington. Die Regulierungsanstrengungen der vergangenen Jahre hätten Europas Banken deutlich robuster und krisenfester gemacht. „Es wäre geradezu aberwitzig, wenn wir das in irgendeiner Form aufgeben würden“, betonte Nagel. Die jüngsten Ereignisse in den Staaten dürften – zusammen mit der Diskussion um die Regulierung – Thema sein, wenn die Deutsche Bank in der kommenden Woche ihren Zwischenbericht für das 3. Quartal 2025 vorlegt. CEO Christian Sewig meldet sich am 29. Oktober ab 11:00 Uhr mit CFO James von Moltke an einem Call zu Wort.
Starkes Investmentbanking
Im Mittelpunkt dürfte der jüngste Geschäftsverlauf bei den Frankfurtern stehen. Mit der Strategie «Globale Hausbank» baut Sewig die grösste Bank Deutschlands erfolgreich um. «Unser Geschäft ist widerstandsfähig und diversifiziert, wir verfügen über eine solide Kapitalbasis und haben nun das Stadium eines nachhaltigen Wachstums erreicht“, brachte er die Lage im Rahmen der Vorlage der Semesterzahlen auf den Punkt. Für alle vier Sparten berichtete Sewig von prozentual zweistelligen Gewinnsteigerungsraten. Angeschoben vom Investmentbanking, hier profitiert die Deutsche Bank von einem florierenden Handel mit Anleihen und Währungen sowie sprudelnden Einnahmen aus dem Emissions- und Beratungsgeschäft, war der DAX-Konzern auf dem besten Weg, die Ziele für 2025 zu erreichen. Unter anderem strebt der CEO eine Eigenkapitalrendite von mehr als 10% an. Zwischen 2020 und 2024 erreichte diese Kennziffer im Schnitt gerade einmal 5.1%.
Markante Outperformance
Der Zahlentermin in der kommenden Woche ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Investorentag. Unter dem Motto «Deep Dive» lädt die Deutsche Bank für den 17. November nach London ein. Dort dürfte das Top-Management die Ziele für die kommenden Jahre vorstellen. Kian Abouhossein, Analyst bei J.P. Morgan, hält es für möglich, dass die Deutsche Bank in Zukunft eine Eigenkapitalrendite von mehr als 12% anstrebt. Mit einer solchen Vorgabe könnte das Unternehmen seiner Ansicht nach die nächste Phase der Outperformance auslösen. Zuletzt hob sich die Deutsche Bank sowohl vom europäischen Sektor als auch der US-Konkurrenz deutlich ab. Obwohl die Rallye ins Stocken geraten ist, notiert die Aktie mehr als 70% über dem Schlusskurs 2024.
Anlagelösung
Nach den negativen News aus den USA näherte sich die Deutsche Bank der 100-Tage-Linie an. Im Bereich von EUR 29 verläuft zudem eine horizontale Unterstützung. Dieses Areal könnten den Grundstock für einen neuen Anlauf über die runde Marke von EUR 30 bilden – hier konsolidierte der Large Cap in den vergangenen Monaten. Der Long Mini-Future mit der ISIN CH1449117097 macht es möglich, auf einen Ausbruch nach oben zu setzen. Momentan beträgt der Hebel bei diesem von BNP Paribas seit Juli auf Swiss DOTS gehandelten Produkt 5.6.
Eine defensivere Alternative bietet der Barrier Reverse Convertible RDBALV. Solange die Deutsche Bank nicht auf oder unter die Barriere von EUR 22.148 fällt, wirft das Vontobel-Papier im August 2026 eine Seitwärtsrendite von 14.5% ab.
