Trading Desk
EUR/USD: Es geht Schlag auf Schlag
-
Wolfgang Hagl
Redaktor
Mit den anstehenden Notenbankentscheidungen rückt der Wechselkurs Euro-US-Dollar in den Fokus. Charttechnik, Zinsdifferenz und die Lage in Frankreich sprechen dafür, dass es für EUR/USD weiter nach unten geht.
Für die FX-Trader stehen spannende Tage ins Haus. Innert weniger als 33 Stunden fällen drei führende Notenbanken ihre Zinsentscheide. Den Anfang macht das U.S. Federal Reserve. Seit gestern sitzt der Offenmarktausschuss unter der Leitung von Kevin Warsh in Washington D.C. zusammen. Heute um 19:00 Uhr erfahren die Märkte, worauf sich das Gremium geeinigt hat. Anschliessend tritt der Fed-Präsident an einer Medienkonferenz auf. Die Europäische Zentralbank legt am Donnerstag, 14:00 Uhr in Frankfurt am Main ihre Beschlusslage vor, ehe sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde zu Wort meldet. Ein ähnliches Prozedere steht in der Nacht auf Freitag in Tokio an. Dort wird die Bank of Japan (BoJ) um 3:30 Uhr unserer Zeit den Zinsentscheid präsentieren. Später stellt sich BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda der Presse.
Prekäre Konstellation
Die anstehende geldpolitische Trilogie könnte stark auf die Wechselkurse der drei betroffenen Währungen, USD, EUR und JPY, durchschlagen. Im Fokus steht das Gespann EUR/USD. Das gilt umso mehr, da sich der wichtigste Wechselkurs der Welt in einer prekären Situation befindet. Der Euro ist dabei, zum ersten Mal seit gut fünf Jahren durch den gleitenden Durchschnitt für 100 Monate zu fallen. In der Vergangenheit entpuppte sich das Unterbieten dieser Linie mehrmals als Ausgangspunkt für stärkere Abwärtsbewegungen. Als der Euro im Herbst 2021 das 100-Monats-Mittel unterbot, gab er in den darauffolgenden zwölf Monaten gegenüber dem Dollar um bis zu 18% nach. Jeremy Boulton, Market Analyst bei Reuters, weist in einem aktuellen Kommentar ausserdem darauf hin, dass der genannte gleitende Durchschnitt in der Vergangenheit mehrmals Aufwärtsbewegungen beim Euro ausgebremst hat.
Eindeutige Erwartungshaltung
Zurück zu den Notenbanken: Die Märkte gehen davon aus, dass Fed, EZB und BoJ die Füsse stillhalten. Im September hatten die drei Institutionen mit Zinserhöhungen auf den Inflationsdruck reagiert. Obwohl die Teuerung mehr denn je ihr Unwesen treibt, dürfte das Fed ihre Zielrate heute Abend auf der Spanne von 3.75 bis 4.00% halten. Für dieses Szenario sprechen nicht zuletzt die in einer Woche in den Staaten anstehenden Zwischenwahlen. Bei der EZB lassen die Geldmärkte keine Zweifel daran, dass der Leitsatz bei 2.50% bleibt.
Umso mehr Spannung versprechen die Auftritte der Notenbankchefs. Sowohl Warsh als auch Lagarde müssen erklären, weshalb sie trotz hoher Inflationsrisiken und widerstandsfähiger Konjunktur die Geldpolitik nicht straffen. Beobachter werden ausserdem penibel darauf achten, ob das Duo die allgemeine Erwartung von Zinserhöhungen im Dezember untermauert.
Spannende Fragen
Auf Christine Lagarde dürften weitere spezielle Fragen zukommen. Einerseits muss sie sich aller Voraussicht nach zur Lage in Frankreich äussern. Vergangene Woche hat die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe des Landes ein 24-Jahres-Hoch von 5.1415% erreicht. Ausserdem dehnte sich der viel beachtete Renditeaufschlag der französischen Schuldtitel gegenüber dem deutschen Bund auf 155 Basispunkte aus. Das wäre der höchste Wert seit 2011. Zwar sind Rendite und Spread etwas zurückgekommen, nachdem die Agentur Moody’s ihr Rating für Frankreich bestätigt hat. Die Probleme bleiben jedoch.
Und dann dürfte es morgen auch noch um die Zukunft der EZB-Präsidentin gehen. Lagarde könnte ihren Stuhl schon vor dem offiziellen Ende der Amtszeit im Oktober 2027 räumen. Einen solchen Schritt hat die Französin selbst in den Bereich des Möglichen gestellt – ohne Details zu ihren Plänen zu nennen. Lagarde wird als zukünftige Chefin des Weltwirtschaftsforums in Davos gehandelt. Eine Diskussion oder gar ein Gerangel um die Nachfolge an der EZB-Spitze wäre für den Euro in der jetzigen Phase wohl alles andere als positiv.
Anlagelösung
Die Kombination aus Charttechnik, Frankreich-Problemen und dem Zinsvorsprung des Dollars spricht für eine Abwärtsbewegung von EUR/USD. Mit dem Mini-Future Short SKIBTU können Trader darauf setzen, dass sich dieses Szenario im Zuge der kommenden Notenbanksitzungen verstärkt. Das UBS-Produkt wandelt fallende Euro-Kurse mit einem Hebel von aktuell 8.6 in Gewinne um. Den Stop Loss setzt die Emittenten bei USD 1.2272 und damit gut ein Zehntel über den Basiswertkurs. Dieser Abstand ändert aber nichts daran, dass auch bei diesem Trade überproportionale Verluste auflaufen, falls sich das zugrunde liegende Kalkül nicht erfüllt. Boden gut machen könnte der tendenziell überverkaufte Euro beispielsweise, falls es nach den Midterms in den USA zu unklaren Machtverhältnissen kommt oder das Fed sich heute Abend in punkto Inflation vergleichsweise gelassen äussert.
