Trading Desk
Givaudan: Zeit für die neue Duftnote
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Wolfgang Hagl
Redaktor
Nach drei Quartalen steht der Duft- und Aromenhersteller im SMI-Ranking für 2025 weit unten. Es spricht einiges dafür, dass Givaudan noch Boden gut machen kann.
Ein fragiles Konjunkturumfeld, zurückhaltende Konsumenten und dazu permanente Zolldrohungen und -ankündigungen aus dem Weissen Haus – diese Mixtur führte Givaudan 2025 ins Börsenabseits. Aktuell notiert die Aktie des Duft- und Aromenherstellers knapp 17% unter dem Schlusskurs des vergangenen Jahres. Damit zählt sie zu den drei schwächsten SMI-Titeln. Zuletzt hat Givaudan die Kursbilanz etwas aufbessern können. Im Bereich von CHF 3’200 drehte der Large Cap zaghaft nach oben. Zwar kann von einer Trendwende nicht die Rede sein. Doch ist es durchaus vorstellbar, dass Givaudan in den verbleibenden knapp drei Monaten des Börsenjahres 2025 im SMI-Ranking noch Boden gut macht.
Trip nach Nordamerika
Fest steht, dass die Genfer die Werbetrommel bei Analysten und Investoren kräftig rühren. Am Montag und Dienstag war das Management auf einem «Field Trip» in den USA unterwegs. Heute und morgen folgt eine Roadshow in den kanadischen Metropolen Montreal und Toronto. Passend zum Trip nach Nordamerika hat Givaudan Anfang Monat die Übernahmen des US-Rivalen Belle Aire Creations gemeldet. Die Aromen und Düfte des in der Region Chicago beheimateten Unternehmens stecken beispielsweise in Hautcremes, Kerzen, Desinfektionsmitteln oder Katzenstreu. 2024 hätte Belle Aire Creations den Umsatz von Givaudan auf Proforma-Basis um rund CHF 65 Mio. erhöht. In einer Medienmitteilung stellt der heimische Konzern die Transaktion in einen direkten Zusammenhang mit seiner «Strategie 2030». Ende August hatte Givaudan Pläne für die kommenden fünf Jahre präsentiert. Sie sehen unter anderem mehr Kundennähe samt der verstärkten Ansprache von lokalen und regionalen Klienten an.
Über allem steht das Bestreben, nachhaltig zu wachsen. Konkret möchte CEO Gilles Andrier den Umsatz auf vergleichbarer Basis im Zeitraum 2026 bis 2030 pro Jahr um durchschnittlich 4% bis 6% steigern. Damit legt er die Messlatte gegenüber der derzeitigen Zielsetzung von 4% bis 5% etwas höher. Mehr als 12% der Erlöse sollen im freien Cashflow hängen bleiben. Andrier setzt den neuen Strategieplan nur noch für kurze Zeit um. Wenn er sich am 1. März 2026 in den Ruhestand verabschiedet, geht bei Givaudan eine Ära zu Ende. Mehr als zwei Jahrzehnte lang stand Andrier an der Spitze. Ab 2005 hat der Franzose den Aufstieg von Givaudan zum Weltmarktführer vorangetrieben. 2024 beschäftigte der Konzern 16’900 Mitarbeiter – 11’000 mehr, als Ende 2024. Im selben Zeitraum hat sich der Umsatz auf mehr als CHF 7.4 Mrd. annähernd verdreifacht, während die Börsenkapitalisierung um rund den Faktor 6.3 auf knapp CHF 37 Mrd. nach oben ging.
Nachfolger mit Erfahrung
Diese Zahlen zeigen, welch beachtliches Erbe Christian Stammkoetter antritt. An Erfahrung mangelt es dem künftigen CEO von Givaudan nicht. Der Deutsche arbeitet seit mehr als einem Vierteljahrhundert im Konsumsektor. Momentan verantwortet er beim französischen Molkereiriesen Danone die Region Asien, Mittlerer Osten und Afrika mit 25’000 Beschäftigten und einem Umsatz von EUR 4.7 Mrd. Stammkoetters Vorgänger wird alles daran setzen, einen positiven Abschied hinzubekommen. Dabei gilt es für Gilles Andrier nun zunächst, die Erwartungen für das 3. Quartal 2025 zu erfüllen. Am 14. Oktober legt Givaudan die Verkaufszahlen vor. Laut einem vom Unternehmen zusammengetragenen Konsens gehen Analysten im Schnitt davon aus, dass der Konzern die Umsätze von Juli bis September 2025 auf vergleichbarer Basis um 3.9% gesteigert hat. Damit hätte sich das Wachstum gegenüber dem 2. Quartal um 130 Basispunkte abgeschwächt.
Anlagelösung
Nachdem Givaudan die Schätzungen zum Halbjahr verpasst hat, liegt die Latte nun deutlich tiefer. Insofern stehen die Chancen auf eine positive Überraschung gut. Hinzu kommt, dass der Konzern weiter kräftig die Werbetrommel rührt. Der Terminkalender ist über die Zahlenvorlage hinaus mit Roadshows und anderen Investorenanlässen gut gefüllt. Mit Blick auf 2026 spricht der anstehende Führungswechsel für die Aktie. Christian Stammkoetter dürfte versuchen, rasch eigene «Duftnoten» zu setzen und könnte den Large Cap auf seine Weise aus dem Börsenabseits führen. Der Long Mini-Future NGIVSU bietet Tradern die Möglichkeit, schon jetzt eine Position aufzubauen. Das UBS-Produkt partizipiert mit einem Hebel von aktuell 5.6 an einem Kursanstieg bei Givaudan.
Achtung: Sollte der zaghafte Rebound verpuffen und Givaudan im Abwärtstrend gefangen bleiben, drohen überproportionale Verluste.
