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LVMH: Kehrt der Glanz zurück?

24.06.2026 5 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

LVMH ist einer der spannendsten Turnaround-Kandidaten im europäischen Luxussegment. Die anstehenden Zahlen zum zweiten Quartal könnten das Comeback unterstützen.

Luxus wird teurer, und das nicht nur in den Schaufenstern der grossen Modehäuser. Zuletzt sorgte Rolex für Aufsehen: Branchenkreisen zufolge hat der heimische Uhrenhersteller die Preise für Golduhren weltweit im Schnitt um rund 5% angehoben. Es war bereits die zweite Preiserhöhung in diesem Jahr. Getrieben wird der Schritt von der anhaltenden Nachfrage nach Premiumprodukten, aber auch vom stark gestiegenen Goldpreis. Rolex steht damit nicht allein. Auch edle Zeitmesser anderer Luxusmarken, darunter Richemont, LVMH, Swatch, Breitling oder Chopard, sind im Jahresvergleich im Schnitt um 4% bis 6% teurer geworden. Für die Branche ist das mehr als nur ein Reflex auf höhere Kosten, Preissetzungsmacht ist im Luxussegment ein zentraler Teil des Geschäftsmodells.

Betuchtes Klientel in den USA

Branchenkrösus LVMH hat die Preisschraube auch schon bei anderen Luxusgütern angezogen. Im wichtigen Geschäft mit Mode und Lederwaren steuerten höhere Preise im ersten Quartal rund zwei Prozentpunkte zum Wachstum bei. Das zeigt: Der Konzern kann seine Markenmacht weiterhin monetarisieren. Doch die Zeiten, in denen steigende Preise fast automatisch mit steigenden Volumina einhergingen, scheinen vorbei zu sein. Der Luxusmarkt läuft derzeit auch nicht mehr im Gleichschritt, sondern driftet regional auseinander. Während China als Wachstumsmotor der vergangenen zwei Jahrzehnte weiter mit Deflation, Immobilienkrise und verhaltener Konsumstimmung kämpft, rückt die USA stärker in den Fokus. Dort sorgt der Tech- und KI-Boom für neue Vermögen und eine robuste Nachfrage zahlungskräftiger Kunden. Genau diese Kundengruppe möchten Luxuskonzerne nun auch stärker für sich gewinnen. Modenschauen in New York und Los Angeles, neue Boutiquen in klassischen Metropolen sowie auch in wohlhabenden Zweitstädten sprechen eine eindeutige Sprache: Der US-Luxusmarkt wird neu sortiert. Nordamerika lag 2025 bei den weltweiten Luxus-Store-Eröffnungen erstmals vorne. Das ist kein Zufall. Die USA gelten im Verhältnis zur Zahl sehr vermögender Konsumenten noch immer als weniger ausgeschöpft als China. Für LVMH ergibt sich daraus eine Chance. So können schwächere Touristenströme in Europa und die zähe Erholung im Reich der Mitte zumindest teilweise durch stärkere lokale Nachfrage in Übersee kompensiert werden.

Gemischter Jahresauftakt 

Ganz so einfach ist diese Rechnung aber nicht. Während sich in den USA und Teilen Asiens die Nachfrage widerstandsfähig zeigt, leiden Europa und der Nahe Osten nicht nur unter weniger Touristen, sondern auch unter geopolitischen Belastungen. Gerade der Iran-Krieg hat LVMH im ersten Quartal spürbar getroffen. Der Umsatz gab um 6% auf EUR 19.1 Mrd. nach, organisch stand aber immerhin ein Plus von 1% zu Buche. Der Konflikt im Nahen Osten kostete Unternehmensangaben zufolge mindestens einen Prozentpunkt Wachstum. Da die Region für LVMH ein sehr profitabler Markt ist, wiegt diese Schwäche besonders schwer.

Operativ fiel das Bild gemischt aus. Das Kerngeschäft Mode und Lederwaren, zu dem Louis Vuitton und Dior gehören, gab organisch um 2% nach. Louis Vuitton zeigte sich dabei relativ robust, Dior verbesserte sich im Vergleich zum Vorquartal, blieb aber noch hinter den Erwartungen zurück. Und während Parfüm und Kosmetik stagnierten, lief es bei Weinen und Spirituosen, die organisch um 5% zulegten, sowie bei Uhren und Schmuck mit einem Plus von 7% besser. Besonders Tiffany und Bvlgari sorgten hier für Rückenwind. Regional wurde die Divergenz noch deutlicher. Europa enttäuschte, Japan auch aber die USA hielten sich mit einem Plus von 3% robust, während Asien ohne Japan um 7% zulegte und damit deutlich besser abschnitt als erwartet. Für Anleger ist das ein wichtiger Punkt: Sollte China tatsächlich einen Boden finden und die US-Nachfrage stabil bleiben, könnte LVMH schneller als gedacht wieder in einen moderaten Erholungspfad einschwenken.

Talsohle durchschritten?

Darauf dürfte sich der Blick bei der anstehenden Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal richten. Einige Analysten gehen nach dem durchwachsenen Jahresauftakt mit einer leichten Beschleunigung des organischen Wachstums auf rund 2% aus. Das wäre zwar noch kein Befreiungsschlag, aber ein Signal, dass die Talsohle näher rückt. Entscheidend ist auch, ob die Belastungen aus dem Nahen Osten nachlassen und ob Dior unter neuer kreativer Führung weiter Fortschritte macht. Auch der jüngste Verkauf von Marc Jacobs an WHP Global und G-III Group zeigt, dass LVMH sein Portfolio schärft und sich stärker auf profitablere Kernmarken konzentriert.

An der Börse ist viel Skepsis bereits eingepreist. Die Aktie hat in diesem Jahr deutlich verloren und versucht nun, nach oben zu drehen. Bewertungsseitig ist LVMH weit von den früheren Höchstständen entfernt. Auch der Analystenkonsens ist positiv gestimmt: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei EUR 581.50 und damit rund 18% über dem jüngsten Kursniveau. Die Risiken sind dennoch nicht zu unterschätzen, 2026 bleibt für LVMH ein Übergangsjahr. Doch gerade darin liegt die Chance: Sollte das zweite Quartal zeigen, dass die Nachfrage nicht weiter abrutscht und die Preissetzungsmacht intakt bleibt, könnte die Aktie ihre Erholung ausbauen. 

Anlagelösungen

Risikobereite Anleger können ein mögliches Comeback mit Long-Hebelprodukten spielen. Dabei gilt: Je höher der Hebel, desto stärker wirken nicht nur Kursgewinne, sondern auch Rückschläge. Viel Mut brauchen Trader bei dem Long Mini Future MMCBTT von Leonteq. Das Produkt verfügt über einen Hebel von 6.8, der Knock-Out ist bei EUR 417.8993, was lediglich einem Abstand von 13.0% vom aktuellen Niveau entspricht. Deutlich mehr Spielraum nach unten lässt das baugleiche Produkt USLBVU der USB dem Basiswert. Das Stopp-Loss befindet sich bei EUR 365.0322 und damit knapp ein Viertel entfernt. Der Hebel fällt mit 34.0 kleiner aus. 

Für konservative Naturen bietet sich der Barrier Reverse Convertible RMCABV von der Bank Vontobel an. Das Produkt stellt aktuell eine Renditechance von 15.8% p.a. in Aussicht, der Risikopuffer beträgt dabei solide 25%. Die Laufzeit endet am 05.03.2027. 

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