Advertorial, Trading Desk
Die stille Revolution der Indizes
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Serge Nussbaumer
Head Public Solutions
Maverix Securities AG
SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten 2026 die Börsenlandschaft neu sortieren. Doch die eigentliche Geschichte liegt weniger in den Schlagzeilen zu Milliardenbewertungen als in der Mechanik der Indizes.
Nehmen wir SpaceX. Bei einer unterstellten Bewertung von USD 1,75 Billionen wäre ein Börsengang historisch. Auf Basis der vollen Marktkapitalisierung käme das Unternehmen rechnerisch auf rund 4,6% Gewicht im Nasdaq-100 und etwa 2.5% im S&P 500. Das entspräche in beiden Indizes ungefähr Rang 7. Auf den ersten Blick also ein neuer Mega-Cap.
Für Anleger entscheidend ist jedoch nicht die Gesamtbewertung, sondern der frei handelbare Streubesitz. Sollte SpaceX lediglich rund USD 75 Milliarden platzieren, entspräche dies nur etwa 4,3% der Gesamtbewertung. Das verändert die Indexrealität fundamental. Im S&P 500 läge das streubesitzbereinigte Gewicht bei einer Aufnahme nur bei rund 0,11%, im Nasdaq-100 bei etwa 0,2%. Ein Titel, der wie ein Indexschwergewicht wirkt, wäre faktisch eher ein mittelgrosses Indexmitglied.
Der Vergleich mit Nvidia verdeutlicht den Unterschied. Nvidia zählt nicht nur wegen seiner Marktkapitalisierung zu den dominierenden Indexschwergewichten, sondern auch, weil der Streubesitz bei über 95% liegt. Damit schlägt die Börsenbewertung nahezu vollständig auf das Indexgewicht durch. Bei SpaceX wäre das Gegenteil der Fall. Eine hohe Bewertung allein erzeugt noch kein hohes Indexgewicht, solange der öffentliche Streubesitz gering bleibt.
Auch die Aufnahme selbst ist keineswegs sicher. Der Russell 1000 verlangt eine Mindeststreubesitzquote von 5%. SpaceX läge mit 4,3% knapp darunter. Der Nasdaq-100 hat seine Regeln per 1. Mai 2026 angepasst und die frühere Mindestquote von 10% abgeschafft. Neu gilt eine Deckelung auf das Dreifache des Streubesitzes. Eine Aufnahme wäre damit möglich, aber nur mit stark reduziertem Gewicht. Beim S&P 500 entscheidet ein Komitee. Eine fixe Mindestquote gibt es nicht, gefordert ist jedoch ein substanzieller öffentlicher Streubesitz. Ob 4,3% genügen, bleibt offen.
Für aktive Anleger liegt der Reiz im Zeitplan. Eine Aufnahme in die relevanten Indizes würde kaum gleichzeitig erfolgen. Der Russell 1000 könnte früh reagieren, der Nasdaq-100 später folgen, der S&P 500 frühestens im vierten Quartal 2026. Passives Kapital würde also nicht in einem einzigen Schritt kaufen, sondern in Wellen.
Genau darin liegt die strukturelle Chance. Mit jeder Freigabe von Insideranteilen steigt der Streubesitz. Damit wächst auch das streubesitzbereinigte Indexgewicht. Jede Indexüberprüfung kann neue mechanische Nachfrage auslösen, während aktive Fonds ihre Positionierung anpassen, um Abweichungen vom Referenzindex zu begrenzen.
Was SpaceX exemplarisch zeigt, dürfte auch für mögliche IPOs von OpenAI oder Anthropic gelten. Hohe Bewertungen, hoher Insiderbesitz, geringer öffentlicher Streubesitz. Der Markt sieht die Schlagzeile. Professionelle Investoren sollten die Indexmechanik analysieren. Denn der eigentliche Kapitalfluss entsteht nicht beim Börsendebüt, sondern in den Regeln, Fristen und Gewichtungsmodellen dahinter.