Trading Desk
USD/CHF: Vor dem Move nach oben?
-
Wolfgang Hagl
Redaktor
Die US-Notenbank tagt zum ersten Mal unter der Leitung von Kevin Warsh. Sollte der neue Fed-Chef den Falken Raum geben, könnte der Dollar gegenüber dem Franken eine wichtige Hürde anlaufen.
Heute Abend erlebt die Welt eine Premiere: Um 20:30 Uhr unserer Zeit tritt Kevin Warsh in Washington D.C. vor die Presse. Er wird dann zum ersten Mal in seiner Funktion als Fed-Chef die Zinsentscheidung der US-Notenbank erläutern. Was den aus der zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses resultierenden Beschluss angeht, gibt es kaum Zweifel: Das CME FedWatch Tool signalisierte eine Wahrscheinlichkeit von annähernd 100% für ein Stillhalten. Will heissen, dass Fed belässt den Leitsatz auf der Spanne von 3.50 bis 3.75%.
Warsh dürfte also einen innigen Wunsch von Donald Trump zunächst nicht erfüllen. Der US-Präsident pocht auf Zinssenkungen. Zwar hat er die Unabhängigkeit des neuen Manns an der Spitze der Notenbank bei dessen Antritt betont. Doch nicht zuletzt der harsche Umgang mit dem Vorgänger zeigt, wie ungemütlich es mit Trump werden kann. Der frühere Fed-Chef Jerome Powell musste für seinen stringenten Kurs immer wieder heftige Attacken aus dem Weissen Haus einstecken.
Kommunikation im Fokus
Wie auch immer: Ökonomen, Strategen und Investoren dürften heute Abend gebannt an den Lippen von Warsh hängen. Zum einen versprechen sich die Märkte Infos dazu, wie es in den kommenden Monaten mit der Geldpolitik weitergeht. Das Fed veröffentlicht auch die aktualisierten Projektionen. Daneben steht die allgemeine Kommunikation im Fokus. Hier plant Warsh Reformen. Unter anderem möchte er sich in Zukunft weniger konkret zu möglichen Zinsschritten äussern. «Wir werden nicht an bisherigen Praktiken festhalten, wenn wir bessere Alternativen finden», erklärte er in einem Schreiben an die mehr als 20’000 Fed-Mitarbeiter. Der neue Chef wünscht sich eine offene Debatte über Strategie und Arbeitsweise der Notenbank.
Die Faktenlage ist vor dem heutigen Beschluss ziemlich eindeutig: Auf der einen Seite entwickelt sich der Arbeitsmarkt in den USA robust. Im Mai wurden ausserhalb der Landwirtschaft 172’000 neue Stellen aufgebaut – doppelt so viele, wie erwartet. Die Arbeitslosenrate verharrte den dritten Monat in Folge bei verhältnismässig tiefen 4.3%. Während der Krieg mit dem Iran also den Jobmotor bis dato nicht abwürgen konnte, hinterlässt der Waffengang tiefe Spuren in der Teuerung. Angetrieben von den hohen Spritpreisen lag der U.S. Consumer Price Index (CPI) im Mai 2026 um 4.2% über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das Fed peilt eine Inflationsrate von rund 2% sowie Vollbeschäftigung an. Dieses doppelte Mandat zwingt die Währungshüter im Moment mehr oder minder dazu, die Füsse stillzuhalten.
Ein gewagtes Szenario
Es ist sogar denkbar, dass die Notenbank den Falken Raum gibt und eine schärfere Geldpolitik indiziert. Warsh könnte so den Kritikern, die ihn mitunter als Marionette Trumps bezeichnen, gleich Mal den Wind aus den Segeln nehmen. Gleichzeitig würde er diejenigen Mitglieder des insgesamt 12-köpfigen Entscheidungskomitees besänftigen, die schon jetzt eine straffe Gangart fordern. Beispielsweise hat der einflussreiche Fed-Gouverneur Christopher Waller es als schlichtweg verrückt bezeichnet, in naher Zukunft über Zinssenkungen zu sprechen. Sollte heute Abend tatsächlich das Bild vom Falken dominieren, könnte das den US-Dollar beflügeln. Kurz vor dieser Weichenstellung befindet sich das FX-Gespann USD/CHF in einer spannenden Konstellation. Der Greenback ist gerade am horizontalen Widerstand im Bereich von CHF 0.80 abgeprallt. Hilfe könnte die US-Valuta auch von der SNB bekommen. Die Nationalbank legt am Donnerstagvormittag ihre Geldpolitische Lagebeurteilung vor. Sie dürfte am Nullzins festhalten und gleichzeitig die Bereitschaft betonen, falls nötig am Devisenmarkt zu intervenieren.
Anlagelösung
Fazit: Die anstehenden Entscheidungen könnten beim Gespann USD/CHF einen kleinen Move nach oben auslösen. Trader, die dieses Szenario für plausibel halten, finden im Mini-Future S63BJU eine Möglichkeit der Long-Positionierung. Das UBS-Produkt nimmt mit einem Hebel von aktuell 10.7 an einer Aufwertung des Dollars gegenüber dem Franken teil. Mit CHF 0.7257 liegt der Stop Loss 8.3% unter dem Währungskurs. Achtung: Sollte Warsh taubenartig überraschen und ganz im Sinne von Donald Trump einen lockeren Kurs in Aussicht stellen, könnte dieser Abstand rasch schmelzen – und der Mini-Future entsprechend unter Druck geraten.
