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Nokia: Neustart zwischen Funkmasten und KI
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Christian Ingerl
Redaktor
Der Konzern zeichnet derzeit ein Bild des Wandels hin zum Infrastrukturanbieter für KI- und Cloud-Netze, während das klassische Funkgeschäft stabilisiert werden soll. Eine Strategie, die auch an der Börse wieder Fantasie entfacht.
Vor wenigen Tage hielt Nokia eine Analystenkonferenz in Stockholm ab. Auf dieser gab das Management wichtige Einblicke in die Zukunft des Konzerns. Die Strategie der Finnen klingt weniger nach klassischem Telekom-Ausrüster als nach Infrastrukturspieler für das KI-Zeitalter. Finanzchef Marco Wirén zeichnete vor Investoren ein Bild eines Konzerns im Übergang: weg vom zyklischen Mobilfunkgeschäft, hin zu Software, Cloud-Netzen und datengetriebenen Plattformen.
Der Tenor der Präsentation war eindeutig positiv. Während das Geschäft mit Mobilfunknetzen weiterhin strikt auf Margen und Kapitalrendite ausgerichtet bleibt, sieht der Vorstand die eigentlichen Wachstumschancen inzwischen in der Netzwerkinfrastruktur. Dort profitiert Nokia von der Nachfrage nach Rechenzentrumsverbindungen, optischen Hochgeschwindigkeitsnetzen und KI-Workloads. Besonders die Integration des US-Optikspezialisten Infinera gilt intern als strategischer Hebel: Synergien sollen schneller als geplant realisiert werden und die Margen im Optikgeschäft mittelfristig deutlich steigen.
Chancen ausloten
Im Mobilfunksegment hingegen bleibt Nokia vorsichtig. Die Investitionszyklen der Betreiber sind nach dem 5G-Ausbau gedämpft, Wachstumsmöglichkeiten begrenzt. Das Management setzt daher stärker auf disziplinierte Vertragsauswahl und Softwareerlöse. Chancen entstehen vor allem indirekt: etwa durch den möglichen Austausch chinesischer Netztechnik in Europa oder durch neue Anwendungen im Verteidigungssektor. Zudem könnte der Übergang zu sogenannten AI-RAN-Architekturen langfristig höhere Softwareanteile bringen, dies dürfte allerdings erst für das Ende des Jahrzehnts gelten.
Deutlich optimistischer äusserte sich Nokia zur Entwicklung rund um KI und Cloud. Schon heute stammen rund 6% der Konzernumsätze aus diesem Umfeld, mit steigender Tendenz. Hyperscaler investieren massiv in Datenzentren, was die Nachfrage nach optischen Verbindungen und IP-Netzen antreibt. Neue Produkte wie 800-Gigabit-Optiken oder Hochleistungsrouter sollen ab diesem Jahr zusätzliche Wachstumsimpulse liefern. Daneben bestätigte das Unternehmen seine langfristigen Margenziele und strebt weiterhin einen operativen Gewinn von bis zu EUR 3.2 Mrd. Euro bis 2028 an.
Der kurzfristige Blick zurück macht ebenfalls Mut: Im vierten Quartal 2025 erzielte Nokia, getragen vor allem von KI- und Cloud-Investitionen im Infrastrukturgeschäft, einen Umsatz von rund EUR 6.1 Mrd. Euro. Damit wurden die Markterwartungen erfüllt. Die Zahlen unterstreichen eine Stabilisierung nach schwächeren Mobilfunkjahren. Für das Gesamtjahr meldete der Konzern einen operativen Gewinn von etwa EUR 2 Mrd. und bestätigte eine Dividende von bis zu EUR 0.14 Euro je Aktie.
Strategische Weichenstellung
Parallel treibt Nokia einen tiefgreifenden Konzernumbau voran. Die im Herbst vorgestellte Strategie bündelt das Geschäft künftig in zwei Hauptsäulen – Netzwerk- und Mobilinfrastruktur – und stellt KI-basierte Anwendungen ins Zentrum der Entwicklung. Ziel ist eine deutliche Profitabilitätssteigerung in den kommenden Jahren. Kostensenkungen, Stellenabbau in einzelnen Regionen und die Prüfung nicht strategischer Aktivitäten gehören ebenfalls dazu.
An der Börse beginnt sich der Strategiewechsel langsam auszuzahlen. Nach zwischenzeitlicher Skepsis gegenüber der Transformation hat sich die Aktie zuletzt stabilisiert und bewegt sich wieder in Richtung ihres Mehrjahreshochs. Investoren setzen darauf, dass Nokia im KI-getriebenen Infrastrukturboom eine neue Rolle findet – weniger als Ausrüster von Funknetzen, sondern als Architekt der digitalen Datenautobahnen. Gelingt dieser Wandel, dürfte das zuletzt erreichte Hoch bei EUR 6.94 noch längst nicht das Ende der Fahnenstange sein.
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