Trading Desk

Lange, lange Zeit war Geld konstant etwas wert. Selbst Staatsobligationen warfen brauchbare Renditen ab.

08/11/2019, by Martin Raab
Aufgefallen: Vom Winde verweht

So rentierte im Jahr 1861 (als Yankees sich mit Südstaatler duellierten) eine US-Staatsanleihe 7.30% p.a., im Jahr 1990 waren es 8.75%. Die Inflationsrate lag bei 5.40%. Macht netto rund 3.30%. Wer’s riskant und saftig mochte, bekam im Herbst 1990 in USD sogar 14% p.a. Zinsen – auf Bonds eines Emittenten namens Trump Taj Mahal Finance LLC. Im Stutz aka CHF 12 Libor waren es 8.875%. Heute? Vorbei – over and out. Die Zinsen sind vom Winde verweht. Nach der dritten Senkung in diesem Jahr durch die US-Notenbank FED sind wir im USD bei 1.50 bis 1.75% angekommen. Franken und Euroanlagen taugen nur noch für Suizid-Investoren. Parallel steigen die Aktienquoten in der Schweiz und dem restlichen Europa unter Privatanlegern nicht wirklich an. Sprich Investment-Rebellen, die sich an mächtigen Dividenden und Kursgewinnen laben, gibt es immer noch viel zu wenige. Der finanzielle Vandalismus der Notenbanken bleibt vorerst ungesühnt. Zaghaft formiert sich in der EZB eine Nordstaatler-Gruppe, die zur Attacke auf die Zinsdrücker blasen. Die Politik bremst, süsses Gift für die öffentlichen Haushalte – warum denn zurück zur Normalität? Die SNB gleicht Huckleberry Finn, stets auf der Flucht vor einem zu harten Franken. Pensionskassen und Obligationenanleger spüren jetzt von Monat zu Monat die erdrückenden Resultate: Irrational tiefe Erträge aus dem vermeintlich sicheren Obligationentopf und eine drohende Erosion von Leistungsversprechen. Chancen hat jetzt einzig, wer Real Estate finanzieren möchte. Günstiger war es nur vor einem Monat, teurerer die letzten 158 Jahre.

08/11/2019
07/11/2019