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Roche: Das Allzeithoch ruft

12.08.2026 4 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Der Pharmariese wächst profitabel, hält die Kosten im Zaum und bestätigt den Ausblick. Mit einer starken Pipeline und charttechnischer Unterstützung rückt für den Genussschein nun sogar das Rekordhoch in Reichweite.

Der weltgrösste Krebsmittelhersteller hat zum Halbjahr nicht mit einem spektakulären Umsatzsprung überrascht, dafür aber mit einer Qualität, die an der Börse mindestens ebenso viel zählt: Der Pharmariese wächst einerseits profitabel und hält andererseits seine Kosten unter Kontrolle. So legte die Verkäufe im ersten Semester zu konstanten Wechselkursen um 6% auf CHF 30.4 Mrd. zu, der Kernbetriebsgewinn sogar überproportional um ein Zehntel auf CHF 11.9 Mrd. Damit lag Roche beim Umsatz leicht und beim Ergebnis deutlich über den Erwartungen. Der Kerngewinn je Anteilsschein übertraf den Konsens um 7%. 

Unterschiedliche Umsatztreiber

Ganz ohne Einschränkung ist dieser Vorsprung allerdings nicht zu betrachten. Ein Teil des Mehrertrags stammt aus Lizenzzahlungen und sonstigen Erlösen, die sich kaum in jedem Halbjahr wiederholen dürften. Ohne diese Effekte hätte die operative Überraschung eher bei 2.0% bis 2.5% gelegen. Dennoch bleibt ein positives Signal: Roche hat bei Forschung und Entwicklung sowie bei Vertrieb und Verwaltung disziplinierter gewirtschaftet als erwartet. Das ist gerade deshalb wichtig, weil der Umsatzmix keineswegs durchgehend glänzte. Die Pharmasparte steigerte ihre Verkäufe zu konstanten Wechselkursen um 6%. Wachstumstreiber waren unter anderem Xolair, Hemlibra, Ocrevus und Phesgo. Auch Evrysdi und Polivy entwickelten sich positiv. Im zweiten Quartal lagen Hemlibra, Tecentriq, Perjeta und Evrysdi über den Markterwartungen und glichen damit Schwächen bei anderen Präparaten aus. Der auffälligste Dämpfer kam von Vabysmo. Das Augenmedikament verfehlte die Markterwartungen. Vor allem der wichtige US-Markt erholt sich bislang langsamer als erhofft. Roche betont allerdings, dass Vabysmo weiterhin Marktanteile gewinnt. Die Umsätze mit älteren Blockbustern wie Avastin und Herceptin sinken dagegen unter dem Druck von Biosimilars.

Die Diagnostics-Sparte lieferte ebenfalls einen soliden Beitrag. Ihre Verkäufe stiegen zu konstanten Wechselkursen um drei Prozent auf CHF 6.74 Mrd. Gefragt waren insbesondere Lösungen für die Immun- und Molekulardiagnostik, die klinische Chemie und die Pathologie. Der Kernbetriebsgewinn verbesserte sich währungsbereinigt um 6%. Höhere Kosten durch neue Produkte, den Ausbau der installierten Gerätebasis und US-Zölle verhinderten allerdings einen noch stärkeren Margenanstieg.

Prognose erreichbar

Dass die ausgewiesenen Zahlen in Schweizer Franken weniger eindrucksvoll aussehen, liegt vor allem an der starken Heimatwährung. In Franken gerechnet sank der Konzernumsatz um 2%, der Kernbetriebsgewinn um 1%. Der Währungseffekt kostete Roche beim Umsatz 8 Prozentpunkte und bei Betriebsgewinn sowie Kerngewinn je Titel jeweils 11 Prozentpunkte. Operativ bleibt der Konzern jedoch auf Kurs. Roche bestätigt für 2026 ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und einen Anstieg des Kerngewinns je Titel im hohen einstelligen Bereich, jeweils zu konstanten Wechselkursen. Nach 6% beziehungsweise 9% Wachstum im ersten Halbjahr erscheint diese Prognose gut erreichbar. Auch der freie Geldfluss überzeugt: Er erhöhte sich in Schweizer Franken um 26% auf CHF 4.2 Mrd.

Zusätzliche Fantasie liefert die Pipeline. Für Giredestrant zur Behandlung von frühem Brustkrebs wird in den USA Ende November eine wichtige Zulassungsentscheidung erwartet. Der KRAS-Hemmer Divarasib lieferte zuletzt positive Studiendaten. Daneben investiert Roche unter anderem in Cevostamab gegen multiples Myelom, neue Stoffwechseltherapien und den Alzheimer-Kandidaten Trontinemab. Übernahmen wie SAGA und PathAI sowie die Zusammenarbeit mit Nurix stärken zugleich die Position in der Präzisionsdiagnostik und Onkologie.

Daumen hoch

Für Anleger ergibt sich damit ein attraktives Gesamtbild: solides Wachstum, eine verbesserte Kostenbasis, steigende Mittelzuflüsse und mehrere Pipeline-Chancen. Analysten von Bernstein und Morgan Stanley stufen Roche mit „Buy“ ein und haben ihre Kursziele soeben deutlich angehoben. Letztgenannter sieht Potenzial bis CHF 410, Bernstein gar bis auf CHF 434.50. Diese Marken liegen deutlich über dem bisherigen Allzeithoch des Genussscheins bei CHF 374.90. Auch die Charttechnik liefert zusätzlichen Rückenwind. Die 100-Tage-Linie biegt sich derzeit nach oben und der 200-Tage-Durchschnitt leistet von unten eine Unterstützung. Die Roche-Genussscheine könnten also schrittweise ihr Rekordhoch ins Visier nehmen. 

Anlagelösungen

Für Trader bietet sich eine Spekulation mit dem Long Mini Future IROXHZ der ZKB an. Das Hebel-Produkt bietet einen Multiplikator von 3.5 und profitiert damit an steigenden Kursen des Basiswertes überproportional. Der Knock-Out befindet sich bei CHF 274.0273 und damit gut ein Viertel vom aktuellen Kursniveau entfernt. Noch mehr Zunder haben die baugleichen Papiere von Leonteq MROKBT und der UBS SQBXKU. Die Derivate haben einen Hebel von 6.7 respektive 7.2. Diese gehen allerdings zu Lasten der Risikopuffer, die sich bei MROKBT auf 12.4% und bei SQBXKU auf 12.5% reduziert.

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