Trading Desk
Silber: Eine spannende Konstellation
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Wolfgang Hagl
Redaktor
Nach der heftigen Korrektur der vergangenen Monate könnte das Edelmetall einen Boden gefunden haben – zuletzt wagte Silber sogar einen neuen Anlauf nach oben.
Silber ist ein wichtiger Baustein des technischen Fortschritts. Wegen seiner besonderen Leitfähigkeit und thermischen Beständigkeit kommt das Edelmetall in einer Vielzahl von technischen Applikationen zum Einsatz. Das Spektrum reicht vom Elektroauto über das Photovoltaikmodul bis zu Halbleitern und Stromnetzwerken. Gleichzeitig ist Silber als Schmuck und Wertanlage gefragt. Diese Gemengelage führt zu einem chronischen Mangel. Laut Zahlen aus dem Silver Institute (SI) hat die globale Nachfrage das Angebot in den vergangen fünf Jahren jeweils übertroffen.
Heftige Korrektur
Spekulationen, wonach der KI-Boom die notorische Knappheit weiter verschärfen könnte, bescherten Silber im Verbund mit dem allgemeinen Run auf Edelmetalle eine historische Rallye. Der Höhenflug gipfelte am 29. Januar 2026 in einem Allzeithoch von USD 121.64 je Feinunze. Knapp sechs Monate später kostet dieselbe Menge des Weissen Metalls weniger als die Hälfte. Zusammen mit Gold hat Silber deutlich korrigiert. Neben der überfälligen Konsolidierung setzten der Krieg im Iran und die damit einhergehende Verschärfung der Geldpolitik der Rohstoffgattung zu. Der durch den Waffengang ausgelöste Ölpreisschock hat die Inflation angeheizt und die Notenbanken zu einem restriktiveren Kurs gezwungen. Da Edelmetalle selbst keine laufenden Erträge abwerfen, sind steigende Zins per se schlecht für die Notierungen – gleiches gilt umgekehrt.
Zuletzt hat sich die Lage stabilisiert, Silber schaffte im Bereich von USD 55 eine Bodenbildung. Von diesem Areal aus hat das Metall jetzt einen Anlauf nach oben gestartet und sich der runden Marke von USD 60 angenähert. Sollte der Sprung über diese Hürde gelingen, wäre aus charttechnischer Sicht der Weg bis USD 65 frei. Fundamental spricht die anhaltende Knappheit für Silber. Zwar dürfte die Preisrallye auf der industriellen Nachfrage lasten und das Defizit entsprechend schrumpfen. Gleichwohl geht das Silver Institute davon aus, dass auch 2026 zu wenig Ware an den Markt kommt.
Notenbanken als Taktgeber
Eine Rolle spielt darüber hinaus die Geldpolitik. Hier eröffnet die EZB am morigigen Donnerstag den nächsten Reigen an Entscheidungen. Ökonomen rechnen vorerst nicht mit einer weiteren Zinserhöhung in der Eurozone. Auch für die in der kommenden Woche anstehende Fed-Sitzung preisen die Geldmärkte eine unveränderte Schlüsselrate ein. Erst nach der Sommerpause im September würde die US-Notenbank demnach die Zügel straffen. Bis dahin kann viel passieren. Vor allem die Lage im Nahen Osten respektive an den Ölmärkten wird die Inflation und damit die geldpolitischen Erwartungen bestimmen.
Anlagelösungen
Alles in allem könnte bei Silber nach Korrektur und möglicher Bodenbildung ein spekulativer Einstiegszeitpunkt vorliegen. Ein kurzfristiges Engagement auf der Long-Seite bietet der Mini-Future MSIBIV. Vontobel preist hier momentan einen Hebel von 4.8 ein. Der Stop Loss lieg bei USD 48.05 und damit 18.8% unter dem Kurs des volatilen Basiswertes. Achtung: Sollte sich der Anlauf nach oben als Strohfeuer entpuppen, drohen überproportionale Verluste.
Ein weniger riskante Alternative handelt Leonteq an der BX Swiss. Beim Callable Barrier Reverse Convertible LTAEAZ erhalten Anleger eine vierteljährliche Couponzahlung in Höhe von 9.00% p.a. Solange Silber nicht auf oder unter die Barriere von USD 34.29 fällt, überweist die Emittentin Ende September 2027 das Nominal vollständig. Sollte das Polster von aktuell 42.2% nicht reichen, wäre das Investment dem vollen Risiko des Silberpreises ausgesetzt.
