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Wichtiger Blick auf die Hochfrequenzdaten für Anleger

06.05.2026 4 Min.
  • Eurizon

In den letzten Wochen war das globale makroökonomische Umfeld von einem drastischen Anstieg der Unsicherheit geprägt.

Dieser hängt mit der Unvorhersehbarkeit der Entwicklungen im Konflikt zusammen, den die USA und Israel am 28. Februar gegen den Iran eingeleitet haben. Um die ersten Auswirkungen dieser Krise auf die Volkswirtschaften einzuschätzen, kann ein Blick auf sogenannte Hochfrequenzdaten hilfreich sein. Diese werden täglich oder wöchentlich veröffentlicht und liefern zeitnahe Hinweise auf die wirtschaftliche Entwicklung. 

US-Wirtschaft

Für die US-Wirtschaft lieferte der von der Federal Reserve Bank of Dallas veröffentlichte Weekly Economic Index Anzeichen für eine deutliche Belebung. In der Woche bis zum 11. April war die Schätzung des Indikators mit einem realen BIP Wachstum von 2,8 % gegenüber dem Vorjahr vereinbar. Dies entspricht einem leichten Anstieg gegenüber zuvor 2,69 %. Mit Blick auf die Beschäftigung führt die zunehmende Unsicherheit dazu, dass Unternehmen verstärkt auf Zeitarbeitskräfte zurückgreifen. Seit Jahresbeginn verzeichnet der ASA Staffing Index, ein wöchentlicher Indikator zur Entwicklung der Besetzung von Zeitarbeitsstellen und befristeten Stellen in den USA, einen schrittweisen Anstieg.. In der Woche bis zum 5. April lag er 4,8 % über dem Niveau von 2025. Mit Blick auf den Konsum in den USA zeigen die Echtzeit-Schätzungen der Federal Reserve Bank of Chicago (CARTS Nowcast) für März einen nominalen Anstieg der Einzelhandelsumsätze ohne Autos um 1,3 % gegenüber dem Vormonat. Preisbereinigt gingen die Umsätze jedoch real um 0,7 % gegenüberdem Vormonat zurück. Diese Schätzung legt nahe, dass der Kaufkraftverlust der Verbraucher infolge des jüngsten deutlichen Verbraucherpreise, Anstiegs insbesondere der im Energiesektor, den realen Konsum gedämpft haben dürfte.

Darüber hinaus deuten die Nowcasting-Modelle der Federal Reserve Bank of Cleveland zur US Verbraucherpreisinflation auf einen weiteren Anstieg im April hin, nachdem im März bereits ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen war. Für April schätzt die Cleveland Fed eine Erhöhung der Gesamtinflationsrate auf 3,58 % im Jahresvergleich. ausgehend von 3,3 % im März. Dies entspricht einem Anstieg von 0,46 % im Monatsvergleich. Die Kernrate dürfte sich dagegen bei 2,6 % im Jahresvergleich weitgehend stabilisieren, mit einem Anstieg von 0,21 % im Monatsvergleich.

Deutsche Wirtschaft

Was die deutsche Wirtschaft betrifft, so verzeichnete der von der Deutschen Bundesbank auf der Grundlage einer Auswertung sowohl monatlicher als auch höherfrequenter Daten auf Wochen- und Tagesbasis erstellte Wöchentliche Aktivitätsindex (WAI) in der 17. Woche des Jahres 2026, der Woche bis zum 24. April, einen Wert von minus 0,12. Dies entspricht einer leichten Abschwächung gegenüber dem Wert von 0,01 in der Vorwoche. Der Durchschnittswert für die seit Jahresbeginn verfügbaren Wochen liegt bei 0,02, was einer verhaltenen Entwicklung der deutschen Wirtschaftsaktivität in der ersten Jahreshälfte entspricht. 

Im Zusammenhang mit der Entwicklung der Industrieaktivität verzeichnete der Index der von mautpflichtigen Lkw auf deutschen Autobahnen zurückgelegten Kilometer, veröffentlicht vom Statistischen Bundesamt Destatis, dessen Entwicklung tendenziell mit der Industrieproduktion korreliert, im März einen Rückgang um 0,3 % gegenüber dem Vormonat. Im Februar war er noch um 0,7 % gegenüber dem Vormonat gestiegen. Die Entwicklung dieses Indikators bleibt zwar recht volatil, doch weist sein Verlauf im ersten Quartal des Jahres insgesamt auf eine nur begrenzte Erholung der deutschen Industriekonjunktur hin.

Hinweise auf eine deutlichere Erholung der Produktion im deutschen verarbeitenden Gewerbe im April lieferte hingegen die vorläufige Schätzung des Indikators zu den Gesamtumsätzen im verarbeitenden Gewerbe, den das Statistische Bundesamt (Destatis) im Rahmen der experimentellen Statistiken erstellt. Der vorläufigen Schätzung zufolge stiegen die Gesamtumsätze im verarbeitenden Gewerbe im März gegenüber dem Vormonat um 11,8 %, nach einem Anstieg von 5,6 % im Februar. Die Daten sind nicht saisonbereinigt. Diese Schätzungen deuten auf eine deutlichere Erholung der Aktivität im verarbeitenden Gewerbe im April hin.

Was die Preisentwicklung in Deutschland betrifft, so deutet der „Google Inflation Index“, ein Indikator, der die Anzahl der täglichen Google Suchanfragen in Deutschland nach dem Begriff „Inflation“ erfasst und in der Regel mit der Inflationsentwicklung in Zusammenhang steht – auf einen drastischen Anstieg der Sorgen über die Preisentwicklung im März hin, der sich im April nur teilweise abgeschwächt hat. Der jüngste Inflationsanstieg könnte, zusammen mit den Befürchtungen vor künftigen Preissteigerungen, das Konsumwachstum bremsen, sofern er anhält.

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