Trading Desk
ABB: Mit Schwung in den Herbst
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Wolfgang Hagl
Redaktor
Der Industrietitel ist dabei, die Korrektur der vergangenen Monate abzuschliessen. Für Trader könnte sich eine kurzfristige Chance auf der Long-Seite auftun.
Der sogenannte KI-Trade ist über den Sommer aus dem Tritt geraten. Aktien, die in Verbindung zum Megatrend Künstliche Intelligenz stehen, gerieten unter Druck. Gewinnmitnahmen und die Zweifel an der Nachhaltigkeit respektive Monetarisierung dieser Technologie setzten nicht nur den Werten aus der ersten KI-Reihe, allen voran den Chipherstellern, zu. Auch Unternehmen, die sich um die nötige Infrastruktur kümmern hatten einen schweren Stand. Zu dieser Gruppe zählt ABB. Am 22. Juni hat die Aktie des Zürcher Industriekonzerns ein Allzeithoch von CHF 89.14 erreicht. Gegenüber diesem Top gab der Large Cap innert gut fünf Wochen um bis zu 15% nach.
Unter Strom
Nachgelassen hat der Verkaufsdruck im Bereich von CHF 76. Auf diesem Niveau hat ABB mittlerweile einen doppelten Boden ausgebildet, um dann einen neuen Anlauf nach oben zu starten. Mit mehreren starken Handelstagen ist es der Aktie gelungen, an den kurzfristigen Abwärtstrend heranzulaufen. Fundamental konnte ABB mit den Zahlen für das zweite Quartal 2026 einmal mehr zeigen, wie die Megatrends Elektrifizierung und Automatisierung dem Unternehmen in die Hände spielen. Der Auftragseingang legte um 30% auf rekordhohe USD 12.04 Mrd. zu. Im Segment Elektrifizierung sorgte der starke Ausbau der Rechenzentren für ein Wachstum von sogar 60%.
Überlagert wurde die Zahlenvorlage von einer Übernahme: ABB möchte für rund USD 5.5 Mrd. den Industrieausrüster Rotork kaufen. Die elektrischen Stellantriebe und Systeme zur Durchflusssteuerung der Briten kommen in der Öl-, Gas-, Chemie- und Wasserwirtschaft zum Einsatz. Mit dieser Transaktion würde ABB die bisher grösste Akquisitionen der Firmengeschichte realisieren. «Wir schätzen operative Exzellenz, Technologiequalität und Kundenvertrauen», schwärmte CEO Martin Wierod für die potenzielle Tochter. Allerdings haben diese Qualitäten ihren Preis: Die ABB-Offerte liegt rund 60% über dem durchschnittlichen Rotork-Kurs der drei Monate vor dem Angebot.
Kurzfristige Trading-Chance
Die ABB-Aktie selbst ist auch noch der jüngsten Korrektur kein Schnäppchen. Auf Basis der für 2028 erwarteten Ergebnisse liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 23.5 Damit zeigt der SMI-Titel einen Aufschlag von annähernd einem Viertel gegenüber dem deutschen Rivalen Siemens. Was allerdings nichts am kurzfristigen Reiz von ABB ändert. Generell nimmt der KI-Trade gerade wieder Fahrt auf. Unter anderem konnten Nvidia und der US-Serverlieferant Dell die Zweifel des Sommers ein Stück weit zerstreuen. Für ABB geht es nun zunächst darum, den Sprung über den Abwärtstrend zu schaffen. Gelingt dies, würde sich der Bereich um CHF 84/85 als nächste Orientierungsmarke auftun.
Anlagelösung
Das Unternehmen selbst könnte schon vor der nächsten, für den 20. Oktober geplanten Zahlenvorlage einen positiven Impuls liefern. Am 24. September richtet ABB einen Webcast aus. Mehrere Top-Manager werden dann die neuesten Technologien und Lösungen der Zürcher für KI-gesteuerte Rechenzentren präsentieren und damit die Verbindung des Unternehmens zu diesem Megatrend unterstreichen. Dieser Anlass gibt einem kurzfristigen Trade bei ABB zusätzlichen Reiz. Bei CHF 80 liegt der Strike des Call Warrants ABBJGZ. Damit notiert der ZKB-Schein am Geld. Das Produkt bietet eine passable Möglichkeit, auf eine Fortsetzung des Rebounds zu spekulieren. Natürlich sind die Risiken nicht zu verachten. Sollte ABB am Abwärtstrend abprallen und nach unten drehen, drohen überproportionale Verluste.
