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AMD: KI-Aufholjagd mit Substanz
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Christian Ingerl
Redaktor
AMD nimmt im KI-Rennen Fahrt auf. Auch an der Börse ist die Angst vor einer Überhitzung des Sektors zuletzt gewichen. Wer an die Fortsetzung des KI-Infrastrukturzyklus glauben, wirft ein Auge auf die Aktie.
Las Vegas war in diesem Jahr mehr als eine Bühne für Gadgets, die CES wurde zum Schaufenster für die nächste Ausbaustufe der Künstlichen Intelligenz. Gleich zu Wochenbeginn präsentierten Nvidia und AMD ihre neuen Generationen von KI-Prozessoren. Während Marktführer Nvidia mit der Serienfertigung seines Top-Chips «Vera Rubin» und massiven Leistungsversprechen die Schlagzeilen dominierte, setzte AMD auf eine differenzierte Produktstrategie – und sendete damit ein klares Signal an Investoren: Der Herausforderer ist bereit für den nächsten Wachstumsschub.
Produktneuheiten
AMD-Chefin Lisa Su stellte in Las Vegas mehrere neue Beschleuniger vor. Das Flaggschiff «MI455» ist für grosse KI-Rechenzentren konzipiert und soll unter anderem bei Partnern wie dem ChatGPT-Entwickler OpenAI zum Einsatz kommen. Mit dem «MI440X» adressiert AMD gezielt Unternehmen, deren Rechenzentren nicht ausschliesslich für KI ausgelegt sind – ein Segment, das bislang stark von Nvidia dominiert wird. Ergänzend gab Su einen Ausblick auf die nächste Generation: Der für 2027 geplante «MI500» soll gegenüber früheren Modellen eine bis zu tausendfache Leistungssteigerung erreichen.
Starke Zahlen und Rekordausblick
Die operative Dynamik spiegelt sich in den jüngsten Quartalszahlen wider. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 36% auf USD 9.25 Mrd., der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 30% auf USD 1.20 zu. Besonders stark entwickelte sich das Rechenzentrumssegment: Die Erlöse wuchsen um 22% auf USD 4.3 Mrd. und übertrafen die Markterwartungen. Für das laufende Quartal stellt AMD Erlöse von rund USD 9.6 Mrd. in Aussicht – ebenfalls oberhalb der Konsensschätzungen.
«Umsatz und Ertragskraft liegen auf Rekordniveau», sagte CEO Su nach Vorlage der Zahlen und fügte hinzu: «Unser starker Ausblick spiegelt eine gestiegene Wachstumsdynamik wider.» Treiber ist vor allem das Geschäft mit Prozessoren für Rechenzentren und KI. Hinzu kommt Rückenwind aus dem klassischen Servergeschäft: AMD gewinnt kontinuierlich Marktanteile bei CPUs, während die Nachfrage nach Server-Prozessoren im Zuge des KI-Infrastrukturausbaus ebenfalls steigt. Auch das PC-Segment profitierte von der Einführung KI-fähiger Geräte und einem beginnenden Erneuerungszyklus.
Chancen und Risiken
Die langfristigen Wachstumsaussichten unterstreichen die strategische Positionierung. Auf dem jüngsten Analystentag bezifferte AMD den adressierbaren Markt für Rechenzentrumschips bis 2030 auf rund USD 1 Bio. Finanzchef Jean Hu erwartet in den kommenden drei bis fünf Jahren ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 35% pro Jahr für den Konzern, im Rechenzentrumsbereich sogar rund 60%. «Data Center ist die grösste Wachstumschance – und AMD ist hier sehr gut positioniert», betont Su.
Gleichwohl bleibt die Konkurrenzsituation anspruchsvoll. Nvidia dominiert mit rund 80% Marktanteil den globalen Markt für KI-Beschleuniger und verkauft nach eigenen Angaben «jeden Chip, den das Unternehmen produzieren kann». Doch AMD gewinnt an Profil. Der mehrjährige Vertrag mit OpenAI verschafft dem Unternehmen nicht nur Umsatzpotenzial, sondern auch Referenzen in der Spitzentechnologie. OpenAI-Präsident Greg Brockman machte in Las Vegas deutlich, wie entscheidend Chip-Fortschritte für die Skalierung moderner KI-Modelle sind. Zudem diversifiziert AMD seine Kundenbasis, indem es mit Produkten wie dem MI440X gezielt Unternehmensrechenzentren adressiert, die nicht ausschliesslich auf KI ausgelegt sind.
Regulatorische Risiken – etwa Exportbeschränkungen nach China – betreffen die gesamte Branche. AMD hat hierfür angepasste Produkte lizenziert und signalisiert Bereitschaft, regulatorische Auflagen zu erfüllen. Gleichzeitig wächst der Heimatmarkt: Der Ausbau von Rechenzentren in den USA und Europa sowie die steigenden Investitionen der grossen Cloud-Plattformen stützen die Nachfrage.
Rückenwind für die Aktie
Nach einer Phase erhöhter Skepsis gegenüber einer möglichen KI-Blase hat sich das Sentiment zuletzt aufgehellt. Die Kombination aus Produktinnovationen, über den Erwartungen liegenden Quartalszahlen und einem strukturell wachsenden Markt spricht für eine nachhaltige Ertragsbasis. Zwar bleibt Nvidia der Massstab, doch AMD hat sich als ernstzunehmende Alternative etabliert – technologisch wie kommerziell. Auch an der Börse wird dieser Wandel zunehmend reflektiert. Trotz kurzfristiger Volatilität sehen Analysten im Schnitt weiterhin ein Kurspotenzial von rund 25 Prozent.
Anlagelösungen
Wer dieses positive Szenario teilt und dem Weg dorthin noch mehr Tempo verleihen möchte, wählt den Long Mini-Future SVDB8U von der UBS. Der Hebel beträgt aktuell 6.0, der Abstand zum Knock-out bei USD 192.5645 beläuft sich auf 12.9%. Etwas weniger spekulativ ist der Mini Future MAMLCT von Leonteq. Hier befindet sich der Knock-out 26.5% entfernt, der Hebel fällt mit 3.4 dadurch aber auch spürbar niedriger aus.
Interessant erscheint uns für die konservativen Anlegernaturen zudem eine Seitwärtsspekulation bei AMD. Der Barrier Reverse Convertible RAMA1V von der Bank Vontobel wäre dafür bestens geeignet. Das Papier mit einer Laufzeit bis Oktober 2026 verspricht eine maximale Gewinnchance von 9.2% respektive 11.9% p.a. Zudem ist das Produkt mit einem Risikopuffer von 43.5% ausgestattet.
