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Infineon: Wichtige Weichenstellung
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Christian Ingerl
Redaktor
Der deutsche Halbleiterhersteller steht vor einer wichtigen Bewährungsprobe. Im Zuge des anstehenden Zwischenberichts könnte der DAX-Titel seinen Kursabschlag zur Konkurrenz verkleinern.
Die Chipbranche hat ihren Pulsschlag wiedergefunden. Nach dem jüngsten Dämpfer, als Zweifel an der Haltbarkeit des KI-Booms und an den Bewertungen selbst den Sektor kurz ausbremsten, kamen zuletzt gleich mehrere ermutigende Signale aus der Industrie, unter anderem von Intel, Texas Instruments und STMicroelectronics. Der Markt reagierte prompt: Der Philadelphia Semiconductor Index marschierte auf neue Rekordhöhen.
Bemerkenswert macht den Stimmungsumschwung, dass der Rückenwind nicht nur von den klassischen KI-Gewinnern aus dem GPU-Lager kommt, sondern zunehmend aus der zweiten Reihe des Sektors, also dort, wo Stromversorgung, Leistungselektronik, Analogtechnik und Rechenzentrumsinfrastruktur zusammenspielen. Genau das macht die aktuelle Phase für europäische Halbleiterwerte spannend. Denn wenn sich der KI-Boom von der Spitze in die Breite frisst, profitieren nicht nur Training und Serverprozessoren, sondern auch jene Unternehmen, die Strom managen, Hitze begrenzen, Signale verarbeiten und Autos elektrifizieren.
STMicro sendet klares Signal
Besonders aufschlussreich ist dabei der jüngste Blick in die Bücher von STMicroelectronics. Der Konzern meldete für das erste Quartal 2026 nicht nur besser als erwartete Erlöse und Gewinne, auch der Ausblick auf das laufende Quartal übertraf die Markterwartungen. Für Anleger ist dabei vor allem das Automotive-Geschäft interessant, das auf Wachstumskurs zurückkehrte. Zugleich berichtete die Unternehmensführung von starken Auftragseingängen, normalisierten Lagerbeständen und neuen Design Wins in Elektro-, Hybrid- und klassischen Fahrzeugen. Hinzu kommt der KI-Hebel: Das Management erwartet im Rechenzentrumsumfeld 2026 Erlöse von deutlich mehr als USD 500 Mio. und 2027 von klar über USD 1 Mrd.
Dynamischer Start
Diese Mischung aus Automotive-Erholung und KI-Fantasie rückt auch Infineon in den Fokus. Für die Münchner sind diese Nachrichten mehr als nur ein freundlicher Branchensound, schliesslich ist Infineon im Autochipmarkt noch stärker positioniert. Der Weltmarktführer bei Automotive-Halbleitern ist auch ordentlich in das Geschäftsjahr 2025/26 (30. September) gestartet. Im ersten Quartal setzte der Konzern knapp EUR 3.7 Mrd. um und erzielte eine Marge von 17.9%. Die mit Abstand grösste Sparte Automotive kam auf EUR 1.8 Mrd. Umsatz und eine Marge von 22.1%. Im Tagesgeschäft zeigt sich ein recht klares Bild: Das klassische Autochipgeschäft wirkt stabiler, die Lagerkorrekturen sind weitgehend verdaut, und Treiber wie softwaredefinierte Fahrzeuge, höhere ADAS-Level, Komfortelektronik und 48-Volt-Architekturen gewinnen an Gewicht, während die E-Mobilität langsamer anzieht als viele Anbieter noch vor einiger Zeit gehofft hatten. Im Bereich Power & Sensor Systems liefert dagegen vor allem die Nachfrage aus KI-Servern Rückenwind.
Genau hier setzt auch die neue Wachstumsgeschichte an. Konzernchef Jochen Hanebeck hat im Februar die Investitionen für das laufende Geschäftsjahr auf EUR 2.7 Mrd. Euro erhöht, um die Kapazitäten für Stromversorgungslösungen in KI-Rechenzentren schneller auszubauen. Künstliche Intelligenz hilft Infineon, das Geschäftsmodell breiter aufzustellen, während Automotive und Industrie noch nicht in allen Teilmärkten Vollgas fahren. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern allein im KI-bezogenen Geschäft mit rund EUR 1.5 Mrd. Umsatz, 2027 sollen es bereits EUR 2.5 Mrd. sein.
Zahl(en)tag
Jetzt richtet sich der Blick auf das zweite Quartal, dessen Ergebnisse Infineon am 6. Mai vorlegen wird. Die Erwartungen liegen bei Erlösen von EUR 3.8 Mrd. und einer Marge von 17%. Im Automotive-Segment wird das Niveau aus dem Vorquartal erwartet, was im Jahresvergleich noch eine leichte Schrumpfung bedeutet, Power & Sensor Systems soll dagegen um gut 30% wachsen. Hier schlagen zunehmend die Themen KI und Rechenzentren durch. Für das Gesamtjahr blieb Infineon zuletzt bei einem moderaten Umsatzwachstum sowie einer Marge im hohen Zehner-Bereich. Mittelfristig ist der Anspruch allerdings deutlich höher: Mehr als 10% Umsatzwachstum und eine Marge von 25% werden in Aussicht gestellt.
An der Börse hat sich Infineon in den vergangenen sechs Monaten bereits beachtlich zurückgemeldet, aber eben nicht am stärksten in der Peer Group. Auf Sicht von 6 Monaten kommt Infineon auf ein Plus von rund 58%, STMicroelectronics legte um knapp 95% zu. Anders gesagt: Infineon hat stark geliefert, der Rivale aber nahezu eine Kursverdoppelung hinbekommen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass in Infineon noch Aufholpotenzial steckt, falls der Konzern am 6. Mai ebenfalls stärker als erwartet abliefert.
Anlagelösungen
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