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Applied Materials: KI treibt Wachstum 

19.11.2025 4 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

An der Börse haben KI-Aktien derzeit einen schweren Stand. Das gilt auch für den Chip-Maschinenbauer. Allerdings kann dieser mit guten Zahlen aufwarten und blickt optimistisch in die Zukunft.

An den Börsen flackern derzeit wieder rote Zahlen über die Bildschirme, während eine weitere Verkaufswelle die KI-Lieblinge des Marktes trifft. Nvidia, Broadcom, Hyperscaler-Vertreter geraten spürbar unter Druck und auch Applied Materials wird in diesem Strudel mitgezogen. Obwohl Anleger die überhitzen Bewertungen vieler KI-Aktien neu sortieren, erzählt der jüngste Zwischenbericht von Applied eine deutlich robustere Geschichte. 

Positiver Zwischenbericht…

Für das dritte Quartal 2025 legte der Chip-Maschinenbauer solide Zahlen vor. Der Umsatz stieg um 8% auf USD 7.3 Mrd., der Nettogewinn erhöhte sich um 4%. Damit wurden die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das Management bezeichnete das Quartal als „Rekordleistung“ und betonte, dass das Unternehmen weiterhin auf Kurs für das sechste Jahr in Folge mit Umsatzwachstum sei. Dies unterstreiche, wie stabil die strukturelle Nachfrage nach Halbleiteranlagen trotz konjunktureller Schwankungen geblieben ist.

…unsichere Entwicklung

Das Problem für den Aktienkurs lag nicht in den jüngsten Ergebnissen, sondern in den damit verbundenen Aussagen für die kommenden Monate. Die Prognose für das vierte Quartal lautet auf Erlöse von rund USD 6.7 Mrd. und einem Gewinn pro Aktie von USD 2.11. Das lag deutlich unter den Konsensschätzungen und wurde von einigen Analysten als die grösste Prognoseabweichung des Unternehmens seit Jahren bezeichnet. Diese vorsichtigen Ziele, bedingt durch politische Unsicherheit und eine schwächere Nachfrage einiger wichtiger Kunden, führte am Tag nach der Veröffentlichung des Zahlenwerks zu einem prozentual zweistelligen Kursverlust.

Ein Problem dabei stellt das Reich der Mitte dar: Schätzungen gehen davon aus, dass Applied rund 30% des Umsatzes in China generiert. Ein strategischer Markt, der in der aktuellen Zeit zum Risikofaktor wird. Aufgrund US-Beschränkungen warnte Applied, dass sich die Umsätze in 2025/26 voraussichtlich um rund USD 600 Mio. reduzieren werden. Das Unternehmen reagierte mit Kostensenkungsmassnahmen, darunter ein Personalabbau von rund 4%, der explizit mit dem Rückgang der Exporte nach China zusammenhängt. 

Unterwegs im Zukunftsmarkt

Applied Materials ist ein zentraler Bestandteil der Halbleiterindustrie. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Anlagen, Dienstleistungen und Software für die Herstellung von Chips und Displays – von Beschichtungs- und Ätzanlagen bis hin zu Inspektions-, Messtechnik- und Advanced-Packaging-Plattformen. Die Semiconductor Systems-Sparte ist mit Abstand der grösste Umsatzbringer und trug in den letzten Jahren rund drei Viertel zum Gesamtumsatz bei. Da die Lösungen von Applied in den fortschrittlichsten Fertigungstechnologien eingesetzt werden, liest sich die Kundenliste wie ein Who’s Who der globalen Chipindustrie. Dazu zählen unter anderem Taiwan Semiconductor, Samsung Electronics, Intel und Micron Technology. Kurz gesagt: Applied ist tief in die Investitionspläne der Unternehmen eingebunden, die die Chips für KI-Trainingscluster, Speicher mit hoher Bandbreite, Smartphones, PCs, Automobile und industrielle Systeme herstellen. Darüber hinaus ist Applied Materials Teil eines Konsortiums, das unter Führung des Physiknobelpreisträgers John Martinis eine Serienfertigung für Quantencomputer aufbauen möchte. 

2026: Beschleunigtes Wachstum

Zurück zum Tagesgeschäft: Aus struktureller Sicht bleibt die Botschaft des Managements in Bezug auf KI optimistisch. In den jüngsten Telefonkonferenzen zu den Geschäftsergebnissen argumentierte Applied, dass Generative KI und Hochleistungsrechner eine neue Nachfragewelle nach fortschrittlichen Logikknoten, Wafer-Level-Packaging und Speicher mit hoher Bandbreite antreiben. Das Unternehmen sieht sich „hervorragend positioniert, um vom langfristigen Wachstum der Halbleiter- und Waferfertigungsanlagen (WFE) durch KI-Computing zu profitieren“. Der Vorstand erwartet, dass die Ausgaben für WFE ab der zweiten Jahreshälfte 2026 deutlich steigen werden. Ab diesem Zeitpunkt sind dann die zusätzlichen Produktionskapazitäten für den Hersteller von Maschinen zur Fertigung von Hochleistungsspeichern für Künstliche Intelligenz einsatzbereit.

Aufwärtschance

Für Anleger, die versuchen, einen Markt zu verstehen, der plötzlich nervös auf KI-Bewertungen reagiert, verkörpert Applied Materials diese Spannung. Die Zahlen des füngsten Quartals waren an sich gut – möglicherweise sogar besser, als die jüngste Aktienkursentwicklung vermuten lässt –, aber der Weg von der heutigen KI-getriebenen Nachfrage zu den zukünftigen realisierten Umsätzen wird immer holpriger und führt zunehmend über Washington. Analysten sehen in der Aktie dennoch Potenzial, das durchschnittliche Kursziel beläuft sich auf USD 245, was einer Chance von einem Zehntel entspricht. Sollte es der Applied-Aktie gelingen, über das alte Hoch bei USD 255 zu steigen, wäre der weitere Weg frei.

Eine mögliche Gipfeljagd können mutige Anlegernaturen mit dem Turbo mit der ISIN DE000FD1FL49 der Société Générale in überproportionale Gewinne verwandeln. Der Hebel beträgt 4.5, der Knock-out befindet sich bei USD 174.3566. Der Schein wird auf SWISS Dots gehandelt. Für den Fall, dass der Tech-Titel weiter korrigieren sollte, wäre der Short FAMAZV von der Bank Vontobel gefragt. Das Faktor Zertifikat bietet einen konstanten Hebel von 4.  

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