Learning Curve
Collateralized Loan Obligations (CLOs) im Überblick
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Serge Nussbaumer
Chefredaktor
Hohe Zinsen, eine breite Diversifikation und eine erstaunliche Krisenresistenz. Collateralized Loan
Obligations (CLOs) sind viel mehr als nur ein Nischenprodukt. Sie bieten Anlegern die Chance auf attraktive Renditen, ohne dass diese blind ins Risiko gehen müssen.
Collateralized Loan Obligations (CLOs) gehören zu den spannendsten Instrumenten auf dem Markt für strukturierte Finanzierungen. Obwohl viele Anleger bei diesem Begriff unwillkürlich an die Finanzkrise von 2008 und die damals problematischen Hypothekenverbriefungen denken, handelt es sich bei CLOs um eine gänzlich andere Kategorie. CLOs basieren nicht auf Hypotheken, sondern auf einem Portfolio von Unternehmenskrediten, den sogenannten Leveraged Loans. Diese werden an Firmen mit mittlerer bis geringerer Bonität vergeben. Im Vergleich zu klassischen Unternehmensanleihen zahlen diese Kredite höhere Zinsen, da das Risiko grösser ist. Die Besonderheit von CLOs besteht darin, dass diese Kredite gebündelt und in Tranchen verpackt werden, die unterschiedlichen Risiko-Rendite-Profilen entsprechen. Die sichersten Tranchen, die sogenannten Senior-Tranchen, erhalten vorrangig Zins- und Tilgungszahlungen und bieten entsprechend eine geringere Rendite. Die nachrangigen Mezzanine- und Equity-Tranchen tragen dagegen höhere Risiken, bieten aber auch überproportionale Ertragschancen. Durch diese Struktur ist es möglich, dass Investoren mit unterschiedlichen Risikoprofilen in denselben CLO investieren können.
Chancen und Renditevorteile
Anleger haben vielfältige Chancen. Einerseits ermöglicht die grosse Streuung über oft mehrere hundert Einzelkredite eine erhebliche Risikodiversifikation. Fällt ein einzelner Kredit aus, hat das in der Regel nur eine begrenzte Auswirkung auf das Gesamtkonstrukt. Zum anderen bieten CLOs im Vergleich zu traditionellen Anleiheklassen oftmals einen Renditevorteil. Während Staatsanleihen oder Investment-Grade-Unternehmensanleihen im aktuellen Marktumfeld häufig nur geringe lau-
fende Erträge generieren, lassen sich mit CLOs, je nach Tranche, Renditen erzielen, die deutlich darüber liegen. Gerade die Senior-Tranchen bieten häufig einen Renditeaufschlag gegenüber vergleichbar bewerteten Unternehmensanleihen, während die Ausfallraten stabil bleiben. Mezzanine- und Equity-Tranchen können sogar Renditen im zweistelligen Bereich ermöglichen, sofern das zugrunde liegende Kreditportfolio stabil bleibt und die Ausfallraten unter Kontrolle sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass viele CLOs variabel verzinst sind. In einem Umfeld steigender Zinsen, wie wir es aktuell erleben, bedeutet dies, dass die laufenden Zahlungen an die Investoren automatisch nach oben angepasst werden. Dadurch bieten CLOs einen gewissen Inflationsschutz und unterscheiden sich positiv von festverzinslichen Papieren, deren Wert in solchen Phasen oft sinkt.
Die Risiken sollten jedoch nicht unterschätzt werden
Natürlich gibt es auch Risiken, die Anleger kennen und einschätzen sollten. CLOs sind komplexe Strukturen, deren innere Mechanismen ein tiefes Verständnis voraussetzen. Wer sich nur oberflächlich mit dem Produkt beschäftigt, läuft Gefahr, Chancen und Risiken falsch zu bewerten. Hinzu kommt das Kreditrisiko: Wenn viele Unternehmen im CLO-Portfolio ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen, können insbesondere die nachrangigen Tranchen erhebliche Verluste erleiden. Auch das Liquiditätsrisiko darf nicht unterschätzt werden, denn nicht alle Tranchen lassen sich jederzeit problemlos handeln. Schliesslich besteht auch ein systemisches Marktrisiko: Gerät die Wirtschaft insgesamt in eine tiefe Rezession, wirkt sich dies zwangsläufig auf die Qualität der Kreditportfolios aus. Dennoch zeigt die Historie, dass CLOs – insbesondere die höher bewerteten Senior-Tranchen – selbst in Krisenzeiten eine bemerkenswerte Robustheit bewiesen haben. Weder in der Finanzkrise 2008 noch im pandemiebedingten Schock des Jahres 2020 kam es zu grösseren Ausfällen bei diesen Tranchen.
Attraktiv für institutionelle Investoren
CLOs werden seit Jahren von institutionellen Investoren, wie beispielsweise Versicherungen, Pensionskassen oder spezialisierten Fondsmanagern, genutzt, um das Renditepotenzial zu steigern, ohne dabei die Risikostruktur des Gesamtportfolios aus dem Gleichgewicht zu bringen. Auch für private Investoren, die über spezialisierte Fonds Zugang zu dieser Anlageklasse finden, können CLOs eine interessante Beimischung darstellen. Sie ermöglichen den Zugang zu einem Markt, der bisher vor allem professionellen Investoren vorbehalten war, und machen attraktive Risikoaufschläge sowie die Flexibilität variabler Kupons nutzbar.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich festhalten: CLOs sind nicht für jeden Anleger geeignet. Wer jedoch die Komplexität versteht oder sich auf erfahrene Manager stützt, kann erheblich von den Chancen profitieren. In einem Umfeld, in dem traditionelle Anleihemärkte oft nur niedrige Renditen bieten, sticht diese Anlageklasse durch ihre Diversifikation, ihre strukturelle Robustheit und ihre höheren Renditen hervor. Für Investoren, die bereit sind, neue Wege zu gehen, bieten Collateralized Loan Obligations (CLOs) eine hochattraktive Möglichkeit, stabile Cashflows mit überdurchschnittlichem Ertragspotenzial zu kombinieren. Genau darin liegt der Reiz: CLOs sind nicht nur ein Finanzinstrument, sondern ein Rendite-Booster für Anleger, die mehr aus ihrem Kapital machen wollen, ohne blind ins Risiko zu gehen.