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Forex: Die faszinierende Welt der Währungen

09.04.2026 5 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Die Entwicklung an den Devisenmärkten ist für Anleger von grosser Bedeutung. In bestimmten Situationen kann es sinnvoll sein, sich gegen Wechselkursverluste abzusichern. Wie das möglich ist, erfahren Sie hier. Gleichzeitig bieten die Devisenmärkte vielfältige Chancen.

Der Krieg im Nahen Osten hat nicht nur die Kapital- und Rohstoffmärkte in Turbulenzen versetzt, sondern auch die Wechselkurse an den Devisenmärkten stark beeinflusst. Der US-Dollar (USD) ist einer der Hauptprofiteure des Konflikts: Er gilt als klassische Fluchtwährung in geopolitischen Krisen und hat seit Ausbruch der jüngsten Auseinandersetzungen gegenüber den meisten anderen Währungen wieder an Wert gewonnen. Dieser Anstieg ist jedoch relativ zu betrachten, da der Greenback in den Monaten zuvor deutliche Verluste hinnehmen musste. So verlor er innerhalb von zwölf Monaten gegenüber dem Schweizer Franken (CHF) rund 10%, gegenüber dem Euro (EUR) knapp 7% und gegenüber dem chinesischen Yuan (CNY) etwa 5%. 

Dass das Vertrauen in den Greenback so deutlich geschwunden ist, hat mehrere Ursachen. Dazu zählen insbesondere die angespannte Finanzlage der USA mit hohen Haushaltsdefiziten und einer steigenden Staatsverschuldung sowie die anhaltend hohe Inflation.

Wechselkurse im Blick behalten

Im Vergleich zu den Entwicklungen an den Aktienmärkten werden die Bewegungen an der Forex Exchange (kurz: Forex oder FX) von vielen Anlegern weniger stark beachtet. Dabei spielen Trends auf den Devisenmärkten eine grosse Rolle. Währungen stellen einerseits eine interessante Anlageklasse mit hohem Diversifizierungsnutzen und ausgeprägter Liquidität dar. Mit einem täglichen Handelsvolumen von USD 9,6 Billionen ist Forex der mit Abstand liquideste Markt der Welt. Andererseits können sich Wechselkursentwicklungen entscheidend auf den Anlageerfolg auswirken. Wer auf Fremdwährung lautende Wertpapiere – etwa US-Aktien oder ETFs auf US-Indizes – im Portfolio hält, muss beachten, dass Schwankungen der Fremdwährung gegenüber der Heimatwährung die Rendite beeinflussen können: positiv bei einer Aufwertung der Fremdwährung und negativ bei einer Abwertung.

Beispiel für Wechselkursverluste

Angenommen, vor einem Jahr wurde ein S&P 500-ETF in Volumen von USD 20’000 gekauft. Damals lag der USD/CHF-Kurs noch bei CHF 0,88, sodass sich der Wert der Anlage in Franken zum Kaufzeitpunkt auf CHF 17’600 belief. Derzeit steht der USD/CHF-Kurs bei CHF 0,79, sodass der ETF unter der Annahme eines unveränderten S&P 500-Index nur noch CHF 15’800 wert ist. Es wurde ein Wechselkursverlust von CHF 1’800 verzeichnet. Umgekehrt wären bei einer Aufwertung des USD gegenüber dem CHF entsprechende Wechselkursgewinne möglich. Gleichwohl möchten Anleger das Wechselkursrisiko bei Fremdwährungsanlagen ausklammern. Dies ist sinnvoll, da viele Experten davon ausgehen, dass der USD auf mittlere bis lange Sicht wieder an Wert verlieren wird. 

FX-Hedge mit Warrants

Um Währungsrisiken im Portfolio zu reduzieren, kann eine Hedging (Absicherung) der entsprechenden Position mittels Hebelprodukten wie Warrants oder Knock-Outs sinnvoll sein. Ein möglicher Wechselkursverlust bei der Anlage wird dann durch Gewinne bei der Währungsposition verringert oder vollständig ausgeglichen. Bleiben wir bei einer ETF-Anlage auf den S&P 500 in Höhe von USD 20’000. Aktuell hat dieses US-Asset, wie oben geschildert, bei einem USD/CHF Kurs von CHF 0.79 einen Wert von CHF 15’800. Nun soll diese Position über einen Zeitraum von drei Monaten gegen Wechselkursverluste abgesichert werden.

Als Hedge-Instrument wird ein Put-Warrant auf USD/CHF mit einem Verfall in drei Monaten, einem Strike bei CHF 0,79 (im Geld), einem Bezugsverhältnis von 100 und einem Omega (Hebel) von 11 gewählt. Der Preis für einen Schein liegt bei CHF 2,95**. Der Preis, multipliziert mit dem Omega, ergibt einen Hedge-Betrag von CHF 32,45 pro Warrant. Um zu erfahren, wie viele Put-Warrants nötig sind, wird der abzusichernde Betrag (CHF 15’800) durch den Hedge-Betrag pro Warrant (CHF 32,45) dividiert. Als Ergebnis erhalten wir 487 Put-Warrants zum Gesamtpreis von rund CHF 1’436.

Szenarien bei Verfall

Angenommen, der USD/CHF-Kurs ist nach drei Monaten von ursprünglich CHF 0,79 auf 0,74 CHF gefallen. In diesem Fall wäre der S&P-500-ETF (bei unverändertem S&P 500) nur noch CHF 14’800 wert. Das Minus gegenüber dem ursprünglichen Niveau beträgt CHF 1’000. Auf der anderen Seite hätte der Put-Warrant auf den USD/CHF-Kurs bei Verfall einen inneren Wert von CHF 5,00 aufgebaut. Bei 487 Puts ergibt sich ein Wert von CHF 2’435. Abzüglich des Kaufbetrags (CHF 1’436) bleibt ein Gewinn von rund 1’000 CHF, der den Währungsverlust beim S&P 500-ETF auffängt. 

Aber Achtung: Bleibt der USD/CHF-Kurs stabil oder gewinnt der USD sogar hinzu, dann ist der Einsatz für die Puts verloren – quasi als Versicherungsprämie. Es versteht sich daher von selbst, dass die Methode der Währungsabsicherung per Warrant oder Knock-Out nur für versierte Anleger mit Hebelpro-dukterfahrung infrage kommt.

Anlagen mit eingebautem FX-Hedge

Eine Möglichkeit, Wechselkursrisiken im Portfolio gar nicht erst entstehen zu lassen, bieten Strukturierte Produkte oder ETFs, die mit einer Währungsabsicherung ausgestattet sind. Solche Anlagen sind am Zusatz «Quanto» bei Strukturierten Produkten oder «Hedged» bei ETFs zu erkennen. Allerdings sind entsprechende Anlagen in der Regel mit höheren Gebühren verbunden. Es gilt also, sich zuerst eine Meinung zur Wechselkursentwicklung zu bilden und dann Nutzen und Kosten abzuwägen.

Von Schwankungen der Wechselkurse profitieren

Wie eingangs erwähnt, können Währungen eine interessante Anlageklasse darstellen, beispielsweise im Rahmen von Carry Trades. Aber auch kurzfristige, spekulative Hebelinvestments in Währungspaare wie USD/CHF, EUR/USD oder USD/CNY sind sehr beliebt. Zu den gängigen Methoden des FX-Tradings zählen Scalping (sehr kurzfristig), Daytrading (innerhalb eines Tages), Swingtrading (über mehrere Tage bis Wochen) und Positionstrading (längerfristig). 

In der Regel werden Positionsentscheidungen auf Basis technischer Indikatoren wie Bollinger-Bänder (zur Messung der Volatilität), RSI (Relative Strength Index, zur Erkennung überverkaufter oder überkaufter Märkte) oder MACD (Moving Average Convergence Divergence, zur Erkennung von Trendänderungen) getroffen. Bei Hebelprodukten auf Währungspaare steht nicht die Risikoreduzierung, sondern die Erschliessung von Chancen im Vordergrund.

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