Zurück
payoff Trading Desk

Die Gold-Illusion

24.07.2025 2 Min.
  • Martin Raab
    Investment-Stratege

Die «Large Buyers» trieben den Goldpreis auf ein Rekordniveau. Jetzt fehlen sowohl die Nachfrage als auch die Argumente für Panikkäufe. Attraktive Puts locken hingegen erste Trader.

Was vergruben Piraten, was horten Investoren und Notenbanken, wenn ihnen nichts Besseres einfällt und Panik herrscht? Richtig, Gold. Der Goldpreis war der Superstar unter den Rohstoffen. Er glänzte heller als Jeff Bezos’ bisheriges Bankkonto und stieg um 21% seit März auf ein Rekordhoch von USD 3‘500 pro Unze. Ursache des «Gold-Rush» waren vordergründig die «Zoll-Chaos-Tage» und Dollar-Sorgen, hintergründig trieben einige Zentralbanken mit massiven Goldkäufen seit dem Jahreswechsel den Preis in die Höhe. Wer die jüngsten Statistiken des World Gold Council analysiert, stellt fest, dass die fünf grössten Käufer, bestehend aus den Zentralbanken von Polen, China, Kasachstan, der Tschechischen Republik und der Türkei, von Januar bis April Goldbarren im Wert von umgerechnet CHF 6.5 Milliarden am Markt gekauft haben. Kein Wunder, dass alle, die mit Gold handeln, im Stundentakt höhere Preise aufriefen.

Zentralbanken pushten ohne Limit

Doch nun hört man am Markt, dass die Gold-Party abkühlt, denn die grossen Käufer sind satt. Chinas Reserven von 2’292 Tonnen sind temporär voll, und andere Zentralbanken haben erkannt, dass Gold zwar verlockend, aber wenig praktisch ist. Zudem wird der Goldpreis in US-Dollar festgelegt, was den physischen Goldbarren bei einem schwächeren Dollar weniger schützt. Das hatten einige «Large Buyers» vor drei Monaten nicht bedacht, als sie bei Investmentbanken hektisch Gold bestellten – meist ohne Limits.

Ausblick: Tiefer aber kein Crash

Gold wird sich bald eher wie ein Edelmetall mit Jetlag anfühlen. Die Risiken einer Eskalation im Mittleren Osten sind inzwischen einschätzbar und das Zoll-Chaos 2.0 wird in zwei bis drei Wochen mit moderaten Verlusten an den Aktien- und Bondmärkten durchlebt werden. Die Gold-Rally wird sich auf USD 2‘800 US-Dollar zurückbilden. Der US-Dollar könnte graduell zum Franken und Euro leicht zulegen, wodurch Gold weniger attraktiv wird. Eine grosse Unbekannte ist hier die US-Notenbank und ihre Zinspolitik. Fallen die Realzinsen, sind die zinslosen Barren nicht ganz so schlimm doch es sieht nicht danach aus – eher bleibt der Zinsberg stabil. 

Wer jetzt risikobewusst handeln möchte, sucht nach Puts auf Gold oder verkauft Gold-Futures. Wer Gold kauft, ist entweder sehr nervös oder möchte etwas Greifbares in seinem Tresor haben. Fakt ist: Die «Large Buyers» sind vorerst alle weg. Das bringt Druck nach unten. Aber wie immer an der Börse gilt: Wer zu spät kommt, den bestraft der Spotpreis – beim Gold mutmasslich bald deutlich unter USD 3‘000.

Weitere News aus der Rubrik

Unsere Rubriken