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EUR/USD: Zeit der Weichenstellungen
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Wolfgang Hagl
Redaktor
In einer Woche kommt die US-Notenbank zur letzten Sitzung des Jahres zusammen. Neben einer Zinssenkung könnte die Berufung des nächsten Fed-Präsidenten dem US-Dollar einen Schlag verpassen.
Am Montag war der Chef der US-Notenbank auf Dienstreise unterwegs. An der Stanford University nahm Jerome Powell an einer Podiumsdiskussion im Rahmen der «George P. Shultz Memorial Lecture Series» teil. Mehr als eine Stunde lang setzte sich das vierköpfige Panel, darunter Ex-Ausssenministerin Condoleezza Rice, mit dem wirtschaftspolitischen Vermächtnis des früheren US-Finanzministers auseinander. Wer gehofft hatte, der Fed-Präsident könnte den Anlass nutzen, um sich zur aktuellen Geldpolitik zu äussern, wurde enttäuscht. Powell blieb beim Thema. Aus gutem Grund: Das Federal Reserve befindet sich seit dem 1. Dezember in der «Blackout Period». Dabei handelt es sich um eine genau festgelegte Zeitspanne vor und nach den Sitzungen des Offenmarktausschusses. In dieser Phase halten sich hochrangige Vertreter der US-Notenbank mit ihren Einschätzungen zur Konjunktur sowie zur Geldpolitik zurück.
Auf links – und wieder zurück
Vor der letzten Zinsentscheidung in diesem Jahr dürfen die Märkte also nicht mehr mit neuen Inputs von Seiten der US-Währungshüter rechnen. Am kommenden Dienstag kommt das Entscheidungsgremium in Washington D.C. zusammen. Tags darauf publiziert das Fed die Beschlussfassung, ehe sich Jerome Powell an einer Medienkonferenz zu Wort meldet. Im Vorfeld dieser Sitzung hat sich die allgemeine Erwartungshaltung einmal auf links und wieder zurückgedreht. Zunächst galt es als ausgemachte Sache, dass die USA kurz vor Weihnachten eine weitere Zinssenkung erleben. Doch dieser Konsens geriet ins Wanken. Zwischenzeitlich implizierten die Geldmärkte eine stabile Schlüsselrate. Aktuell stehen die Zeichen wieder auf Lockerung: Laut dem CME FedWatch Tool wird das Fed den Leitzins am 10. Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 90% um 25 Basispunkte auf die Spanne von 3.50% bis 3.75% zurückschrauben.
Das hin und her ist auch eine Folge des Shutdowns. Bekanntlich standen die Regierungsgeschäfte in den USA bis Mitte November für mehr als 40 Tage still. Das Fed musste daher auf eine Reihe von wichtigen Konjunkturindikatoren verzichten. Beispielsweise hat das zuständige U.S. Bureau of Labor Statistics den Arbeitsmarktbericht für Oktober 2025 nicht erstellt. Den eigentlich an diesem Freitag anstehenden «Nonfarm payroll»-Report für November legt die Behörde am 16. Dezember und damit nach der Fed-Sitzung vor. Bei den Zahlen zur Inflation verhält es sich ähnlich: Der Consumer Price Index (CPI) für Oktober entfällt, die Teuerung für den darauffolgenden Monat kommt mit acht Tagen Verspätung am 18. Dezember ans Licht der Öffentlichkeit.
Zick-Zack-Kurs beim Greenback
Jerome Powell verglich die Arbeit der Notenbank vor diesem Hintergrund schon nach der Fed-Sitzung von Ende Oktober mit einer Fahrt im Nebel. Daher könnte es für den Offenmarktausschuss sinnvoll sein, vorsichtiger zu agieren. Mit diesem Statement stärkte der Fed-Präsident die Erwartung einer Zinspause im Dezember. Folgerichtig legte der US-Dollar an den darauffolgenden Tagen deutlich zu. Als die Hoffnung auf eine Lockerung der Geldpolitik zurückkehrte, ging es für Greenback wieder nach oben. Beim Währungspaar EUR/USD führte der jüngste Zick-Zack-Kurs dazu, dass eine seit Mitte Jahr laufende Seitwärtsbewegung intakt blieb.
Nicht nur die anstehende Fed-Sitzung könnten den Euro aus der Lethargie reissen. Eine Woche nach der US-Notenbank kommt die Europäische Zentralbank (EZB) zu ihrer finalen Sitzung 2025 zusammen. Aller Voraussicht nach wird sie den Leitsatz, wie schon an den vorhergegangenen drei Treffen, bei 2.0% belassen. Daran dürften auch die jüngsten Inflationsdaten kaum etwas ändern. Im November 2025 lagen die Konsumentenpreise in der Eurozone um 2.2% über dem Niveau des Vorjahresmonats. Ökonomen hatten im Schnitt mit einer stabilen Teuerungsrate von 2.1% gerechnet. Die EZB strebt einen Preisauftrieb von 2% an.
Anlagelösung
Sollten Fed und EZB den Erwartungen entsprechend agieren, würde sich der Zinsvorsprung des Dollars gegenüber dem Euro wohl weiter einengen. Momentan übertrifft die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe diejenige des deutschen Bund um rund 130 Basispunkte. Mitte Jahr betrug der Vorsprung des Treasury noch 30 Basispunkte mehr. Mit Blick auf das kommende Jahr könnte die Ende Mai anstehende Ablösung von Jerome Powell den Dollar schwächen. Noch ist nicht bekannt, wen Donald Trump zum Nachfolger ernennt. Als Favorit gilt Kevin Hassett. Der Ökonom teilt die Einschätzung des Präsidenten, wonach die Zinsen tiefer stehen müssten. «Als Trump-Getreuer und starker Befürworter einer lockeren Geldpolitik dürfte er den Spielraum nach unten, soweit es geht, ausreizen», erwartet CMC-Markets-Expertin Christine Romar. Bis Ende Jahr soll eine Entscheidung fallen.
Es ist durchaus möglich, dass das Weisse Haus die Fed-Sitzung nutzt, um den künftigen Notenbankchef zu präsentieren. Das Zusammentreffen einer Zinssenkung mit der Berufung eines Verfechters weiterer Lockerungsschritte dürfte dem Dollar einen kräftigen Schlag verpassen. Trader, die dieses Szenario als realistisch erachten, könnten mit dem Long Mini-Future MEUANV eine Positionierung im Euro vornehmen. Das Vontobel-Produkt partizipiert mit einem Hebel von aktuell 8.3 an steigenden Notierungen bei EUR/USD. Achtung: Sollte der Konsens falsch liegen und das Fed die Füsse stillhalten, könnte der Euro die Seitwärtsbewegung fortsetzen und sich das Long-Engagement als falsch entpuppen.
