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payoff Learning Curve

Hedging: Entspannt in den Sommer

16.07.2025 5 Min.
  • Serge Nussbaumer
    Chefredaktor

Zoll-Deadline, Nahost-Konflikt, Berichtssaison: Trotz der Ferienzeit könnte es in den kommenden Wochen an den Kapitalmärkten hektisch werden. Daher ist es jetzt wichtiger denn je, das Portfolio für mögliche Rückschläge zu wappnen.

Die Popmusik huldigt dem Sommer auf unzählige und unterschiedlichste Weise. Klassiker wie «Summer in the City» oder «Like Ice in the Sunshine» feiern die Vorzüge der heissen Jahreszeit. Mit ihren neueren Hits «Cruel Summer» und «Summertime Sadness» besingen Taylor Swift und Lana del Rey die Endlichkeit der langen und warmen Tage samt der damit verbundenen Gefühlsschwankungen.
In diesem Jahr könnte es für Anleger jedoch alles andere als einfach werden, gelassen der Musik zu lauschen und das Börsentreiben am Strand, bei einem Städtetrip oder in den Bergen zu vergessen. Schliesslich ist in den kommenden Wochen und Monaten alles möglich. Sowohl ein ruhiger und ereignisloser Ferienhandel als auch kräftige Turbulenzen sind denkbar.

Mögliches Déjà-vu

Die Ereignisse des vergangenen Jahres haben gezeigt, wie schnell heftige Sommergewitter an der Börse aufziehen können. Anfang August 2024 brachen die Märkte regelrecht ein. So gab der US-Leitindex S&P 500 an den ersten drei Handelstagen des Sommermonats um bis zu 7.3% nach. Plötzlich aufkommende Sorgen vor einer globalen Wachstumsschwäche lasteten nicht nur auf der Wall Street. Auch in Europa und Asien gerieten die Kurse unter Druck. Besonders laut donnerte es in Tokio. Der Nikkei 225 verlor allein am 5. August 2024 rund 12% und erlebte damit den zweitschlimmsten Tagesverlust seiner Geschichte. Begleitet wurde dieser Sell-off von einer markanten Aufwertung des Japanischen Yens. Hier dürfte die Auflösung sogenannter Carry Trades eine Rolle gespielt haben.

Zu Beginn der heissen Jahreszeit 2025 dominieren weniger solche spekulativen Finanzierungsgeschäfte als vielmehr ein taumelnder US-Dollar das Geschehen an den Währungsmärkten. Mit permanenten Zolldrohungen und -erlassen sowie einer hartnäckigen und heftigen Kritik an der Notenbank setzt Donald Trump dem Greenback zu. Insbesondere die Angriffe des Präsidenten auf Fed-Chef Jerome Powell lassen Zweifel an der Unabhängigkeit der Geldpolitik sowie der Solidität des hochverschuldeten US-Staates aufkommen. Bisher zeigen sich die Währungshüter unbeeindruckt: Anders als von Trump gefordert, hat die US-Notenbank die Zinsen in den vergangenen Monaten nicht angetastet.

Gelassene Wall Street

Während die weitere Entwicklung in dieser Sache offen ist, steuert die Handelspolitik auf eine «Deadline» zu. Am 9. Juli endet die 90-Tages-Frist, für die Donald Trump die Anfang April verhängten reziproken Zölle ausgesetzt hat. Sollten die Verhandlungen mit grossen Handelspartnern wie der EU – im Zank mit China läuft die Schonfrist bis zum 12. August – bis dahin keine Früchte tragen, droht den Börsen neues Ungemach. Ab Mitte Juli steht zudem die nächste Berichtssaison an. Dann wird sich zeigen, wie gut die Unternehmen mit den Zollturbulenzen zurechtkommen. Die Wall Street setzt auf positive Nachrichten: Gerade hat der S&P 500 ein neues Allzeithoch erreicht. Mit einer V-förmigen Erholung konnte der Leitindex die Verluste, die während der Zuspitzung des Handelsstreits im Frühjahr eingefahren wurden, mehr als aufholen.

«Die Märkte scheinen alles vergessen zu haben, was die Trump-Regierung angedroht hat», stellt Xavier Baraton, Global Chief Investment Officer von HSBC Asset Management, fest. Seiner Ansicht nach bleibt die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten jedoch ein grosses Risiko. «Unsere Position ist, dass die Märkte auf Sicht von drei Monaten nicht die positiven Bestätigungen erhalten werden, die sie bereits einpreisen», erklärt der erfahrene Börsenprofi gegenüber Reuters. Daher hält er eine Portfolioabsicherung für angebracht. Konkret kauft Baraton Put-Optionen auf Aktien.

Ein gängiges Werkzeug

Ein Put gewinnt an Wert, sobald die Kurse fallen. Indem Anleger eine solche Option in ihr Portfolio aufnehmen, können sie den Schaden begrenzen, wenn die Aktienpositionen unter Druck geraten. Möglich ist diese Hedging-Strategie auch mithilfe von Strukturierten Produkten, vorzugsweise Put Warrants. Ein Beispiel aus der Praxis: Am 19. September endet die Laufzeit des Put-Warrants mit der ISIN DE000SY7PCB6 auf den S&P 500 Index. Das von der Société Générale auf Swiss DOTS gehandelte Produkt eignet sich somit zur kurzfristigen Absicherung eines mit US-Large Caps bestückten Portfolios.

Einfaches Rechenbeispiel

Die Emittentin hat den Strike genau auf der 6’000 Punkte-Marke fixiert. Der S&P 500 befindet sich momentan deutlich über dieser Schwelle, daher notiert der Put aus dem Geld. Sollte die Wall Street jedoch nach unten drehen, würde der Warrant die Abschläge mit einem hohen Hebel von mehr als 50 in Gewinne ummünzen. Angenommen die abzusichernde Position ist USD 50’000 schwer. Bei einem Bezugsverhältnis von 100:1 und einem Indexstand von 6’175 Punkten braucht es gerundet 810 Stück des Warrants (Rechnung: [50’000 / 6’175] * 100). Bei einem Briefkurs von CHF 0.897 belaufen sich die Einstandskosten für die Versicherung «Marke Eigenbau» – ohne Spesen – auf knapp CHF 727.

Der Schutz greift, sobald der S&P 500 zum Verfalltermin des Warrants unter dem Strike liegt. Angenommen, der Wall Street steht ein «Cruel Summer» ins Haus und der Leitindex stürzt – wie zuletzt im April – auf die 5’000er-Marke ab. Dann würde der Put die Verluste auf dem US-Aktienengagement grob gerechnet zu etwa 60% ausgleichen. Sollte die Rallye dagegen weitergehen oder der S&P 500 zumindest stabil durch den Sommer kommen, würde die Absicherungsposition wertlos verfallen. Anleger müssten dieses Minus als Versicherungsprämie oder als Preis für ruhige Ferien mit viel Musik verbuchen.  

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