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Lufthansa: Streiks als Stimmungskiller

11.02.2026 4 Min.
  • Wolfgang Hagl
    Redaktor

Der für morgen angekündigte Streik hat die Lufthansa-Aktie jäh ausgebremst – doch könnte der Rücksetzer eine neue Einstiegschance bringen.

Eigentlich herrscht bei der Lufthansa gerade Partylaune: 2026 jährt sich die Gründung der Fluggesellschaft zum 100. Mal. Diesem runden Jubiläum trägt der Swiss-Mutterkonzern unter anderem mit einer spezielle Flotte Rechnung. Mehrere Maschinen haben eine Sonderlackierung erhalten. Auf einem blauen Rumpf sind ein weisser XXL-Kranich, die Zahl «100» sowie der Schriftzug « 1926 | 2026» zu sehen. Grund zur Freude hatten in den ersten Wochen des Jubiläumsjahres auch die Aktionäre des Aviation-Konzerns: Am gestrigen Dienstag erreichte der Mid Cap ein Verlaufshoch von EUR 9.59. Zu diesem Zeitpunkt notierte die Lufthansa 14% über dem Schlusskurs 2024 und zeigte relativ zu Konkurrenten wie Air France KLM, IAG oder Ryanair eine deutliche Outperformance.

Plötzliche Turbulenzen

Der Handel im XETRA-System hatte schon geschlossen, als bekannt wurde, dass ein neuer Arbeitskampf auf die Lufthansa zukommt. Die Organisationen VC und UFO rufen Piloten und Kabinenpersonal dazu auf, am Donnerstag zu streiken. Betroffen sind Flüge der Kernmarke Lufthansa sowie von Lufthansa Cargo. In dem Arbeitskampf geht es unter anderem um die Beiträge zur Betriebsrente. Wie auch immer: Der Höhenflug der Lufthansa-Aktie dürfte vorerst vorbei sein. In den Mittwoch startete das MDAX-Mitglied mit einem Abschlag von mehr als 3%. Bis gestern hatten viele Investoren darauf gesetzt, dass die Gruppe – zu der neben Swiss weitere Carrier wie Austrian Airlines, Eurowings oder die italienische ITA zählen – 2026 operativ durchstartet.

In den vergangenen Jahren hinkten die Deutschen den europäischen Rivalen sowohl beim Ticketangebot als auch in punkto Margen hinterher. CEO Carsten Spohr gab sich vor Weihnachten optimistisch. «Wir sehen weltweit eine gesunde Nachfrage, insbesondere in den Premiumklassen», sagte er in einem Interview mit Reuters. Das Unternehmen reagiert mit mehr Kapazitäten – vor allem auf der Langstrecke. Hier möchte Spohr das Sitzplatzangebot im laufenden Jahr um 6% ausbauen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Routen über den Nordatlantik.

Um auch bei der Profitabilität voranzukommen, erneuert die Lufthansa Gruppe ihre Flotte. Ältere Modelle, wie beispielsweise der Airbus A340, werden ausgemustert. Stattdessen setzt der Konzern moderne Maschinen wie den Airbus A350 oder die Boeing 787 ein. In diesen beiden Typen befindet sich die neue Kabinenausstattung «Allegris». Annähernd EUR 2.5 Mrd. hat die Lufthansa in diesen speziellen und komfortablen Service investiert. Davon möchte das Unternehmen mit höheren Ticketpreisen und deutlich steigenden Erlösen profitieren. «Wir beobachten, dass Menschen eher Geld für Erlebnisse ausgeben als für den Besitz von Produkten – ein allgemeiner Trend, der sich sehr stark in Richtung Premium-Angebote bewegt», erklärt der CEO.

Hohe Erwartungen

Neben der Flottenmodernisierung soll das Kostensenkungsprogramm «Turnaround» für mehr Schubkraft beim Gewinn sorgen. In der Kernmarke möchte der CEO das Ergebnis nach einem Verlust im 2024 bis 2028 um EUR 2.5 Mrd. verbessern. Hier sah er das Unternehmen vor Weihnachten im Plan. Ob diese Aussage immer noch gilt, erfahren Anleger am 6. März, wenn die Lufthansa ihre Bilanz für 2025 vorlegt. Nach den ersten neun Monaten hatte das Management die Prognose bekräftigt und ein operatives Ergebnis (Stufe Adjusted EBIT) «signifikant über dem Vorjahr» in Aussicht gestellt. Derweil sollte der adjustierte freie Cash Flow auf dem Niveau von 2024 verharren. Analysten erwarten mehr. Laut einem von Unternehmen erstellten Konsens rechnen sie im Schnitt mit einem angepassten freien Mittelzufluss von EUR 941 Mio. Das wären 12% mehr als im Vorjahr. Das operative Ergebnis der Lufthansa soll sogar um 16.2% auf EUR 1.912 Mrd. gewachsen sein.

Anlagelösungen

Jetzt geht es für den Konzern erst einmal darum, den Arbeitskampf zu lösen. Sollte es zu einer raschen Einigung kommen, könnte die Lufthansa-Aktie wieder in den Steigflug übergehen. Noch ist das Szenario, wonach der Gewinnmotor in einem positiven Branchenumfeld aufdreht, genauso intakt, wie der kurzfristige Aufwärtstrend. Insofern können Trader den aktuellen Rücksetzer mit dem Mini-Future Long S39B2U zum Aufbau einer spekulativen Position nutzen. Das UBS-Produkt partizipiert mit einem Hebel von aktuell 5.4 an steigenden Notierungen bei der Lufthansa-Aktie. Naturgemäss laufen überproportionale Verluste auf, sollte der Basiswert weiter unter Druck stehen.

Auf eine Seitwärtsrendite von 9.9% p.a. zielt der Barrier Reverse Convertible RLHAAV ab. Voraussetzung: Die Lufthansa fällt im Jubiläumsjahr – die Schlussfixierung erfolgt am 16. Dezember – nicht auf oder unter die Barriere von EUR 5.61. Momentan beträgt das Polster bei dem BRC der Bank Vontobel mehr als ein Drittel.

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