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MSCI World: Wie riskant ist das beliebte Basisinvestment?

07.07.2026 5 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Der MSCI World Index gilt als Standard für internationale Aktienanlagen – doch Experten warnen zunehmend vor Klumpenrisiken und mangelnder Diversifikation. Welche Alternativen Anlegern offenstehen und wie sie ihr Portfolio smarter aufstellen können.

Der MSCI World Index zählt zu den bekanntesten Börsenbarometern der Welt. Millionen von Anlegern weltweit nehmen über insgesamt 94 Exchange Traded Funds an seiner Wertentwicklung teil. Allein der MSCI World ETF SWDA von iShares verwaltet mehr als USD 143 Milliarden. Der am 31. März 1986 gestartete Index ist ein Basisinvestment in den Portfolios unzähliger Privatanleger – insbesondere für solche, die ihre ersten Schritte an der Börse machen. Seit jeher wird der Diversifikationsbeitrag des MSCI World betont. Doch genau dieses Argument gerät mehr und mehr ins Wanken. Sollte man Investments in den MSCI World tatsächlich meiden, wie Kritiker meinen? Falls ja, welche Alternativen kommen infrage?

Kein Zutritt für Schwellenländer

Ein gängiger Kritikpunkt ist, dass der MSCI World überhaupt kein «Weltleitindex» ist, da er Emerging Markets wie China, Südkorea oder Brasilien komplett ausblendet. Das ist richtig. Das Börsenbarometer enthält zwar mehr als 1’300 Aktien, allerdings nur solche aus sogenannten «Developed Markets», wie den USA, Japan, Deutschland oder der Schweiz. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass der Anteil aller Emerging Markets an der globalen Marktkapitalisierung lediglich bei rund 12% liegt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der MSCI World fast 90% des weltweiten Börsenwertes abbildet und somit durchaus die Richtung als globale Benchmark vorgeben kann.

Aus Diversifizierungsaspekten kann das Fehlen der Schwellenmärkte jedoch als Manko betrachtet werden. Hinzu kommen zwei andere Vorwürfe, die dem Index noch stärker angelastet werden. Einerseits die Dominanz der USA und andererseits die hohe Technologielastigkeit. Mehr als 72% des Indexgewichts entfallen auf US-Aktien. Mit riesigem Abstand folgen Japan und das Vereinigte Königreich mit 5,7% bzw. 3,5%. Entsprechend hoch ist auch die Abhängigkeit vom US-Dollar. Neigt der Greenback gegenüber der Heimatwährung zur Schwäche, wird die Performance des Index durch Wechselkursverluste ausgebremst – und umgekehrt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Top Ten der Komponenten ausschliesslich aus US-Konzernen wie Nvidia, Apple, Amazon oder Microsoft bestehen. Allein diese zehn Titel vereinen mittlerweile knapp 28% des Indexgewichts auf sich. Die hohe Abhängigkeit von US-Aktien, insbesondere aus dem Technologiesektor, birgt ein enormes Klumpenrisiko. Eine Schwäche oder gar ein Kursrutsch in diesem Segment hätte gravierende Folgen für den gesamten MSCI World. Das Mega-IPO von SpaceX sowie die geplanten Börsengänge der KI-Entwickler OpenAI und Anthropic könnten das Bild noch einseitiger werden lassen.

US-Aktien waren Outperformer

Andererseits darf man nicht vergessen, dass die überdurchschnittlichen Kursgewinne von
US-Technologieaktien massgeblich zur starken Performance des Index in der jüngeren Vergangenheit beigetragen haben. Ohne US-Aktien hätte der MSCI World in den letzten zehn Jahren nur eine durchschnittliche jährliche Performance von 9,2% erzielt. Mit US-Aktien liegt diese Performance-Kennziffer bei 12,7%. Anleger haben mit den USA also im Schnitt gut ein Drittel mehr Rendite pro Jahr erzielt. In der Vergangenheit hat sich der hohe US-Anteil somit ausgezahlt.

Doch gilt das auch heute noch, obwohl die Klumpenrisiken deutlich zugenommen haben?
Letztendlich muss das jeder Anleger für sich selbst entscheiden. Anleger, die davon ausgehen, dass die USA auch in Zukunft das unangefochtene Zugpferd der internationalen Aktienmärkte sein werden, dürften grundsätzlich nichts gegen einen hohen US-Anteil einzuwenden haben. Für Skeptiker kann es jedoch sinnvoll sein, aufgrund der stark angestiegenen Währungs-, Länder- und Sektorrisiken nach Alternativen zum MSCI World Index zu suchen.

Die Dominanz bleibt

Einen Ausweg bietet der MSCI All Country World Index (ACWI). Er ist unter anderem mit Währungsabsicherung im ETF-Sortiment der UBS (Symbol: ACWIS) zu finden. Diese Benchmark ist deutlich breiter gestreut als der klassische MSCI World. Der MSCI ACWI umfasst rund 2’700 Unternehmen aus 23 Industrieländern und 24 Schwellenländern. Dadurch wird das von einzelnen Staaten ausgehende Klumpenrisiko reduziert und ein Zugang zu Wachstumsmärkten wie China, Indien oder Brasilien geboten. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es etwas anders aus. Zwar ist der Anteil von US-Aktien mit rund 63,5% am Indexgewicht nicht mehr ganz so dominant wie beim klassischen MSCI World, doch Wachstumsmärkte sind nicht wirklich prominent vertreten. So liegt beispielsweise der Anteil von China deutlich unter 3%. Ausserdem ist das Gewicht des IT-Sektors mit mehr als 32% ähnlich hoch wie beim Klassiker. Eine zusätzliche Alternative könnten ETFs auf den FTSE All-World Index darstellen. Vanguard bildet diese Benchmark unter dem Symbol VWRL passiv ab. Der Index ist mit 4’248 Aktien aus insgesamt 48 Industrie- und Schwellenländern noch breiter aufgestellt. Doch auch hier sind die USA (61,8%) und der Technologiesektor (35,3%) sehr stark vertreten.

Prinzip Baukasten

Um die Gewichtung der Wall Street zu verringern, kann das Kapital aufgeteilt werden. Als Baustein bietet sich der S&P 500 Index an. An SIX handelt Invesco den passiven Fonds SPXS auf den Wall Street-Gradmesser. Beim zweiten ETF kann der Basisindex ein internationaler Gradmesser ohne US-Werte sein, zum Beispiel der MSCI World ex USA Index. Der dazu passende ETF XUSE stammt von Branchenführer iShares. Der MSCI World ex USA Index folgt derselben Methodik wie der Mutterindex, enthält jedoch keine US-Aktien. Die Gewichtung der beiden ETFs zueinander kann der Anleger je nach seinen Präferenzen selbst festlegen. Wer beispielsweise 35% US-Aktien für angemessen hält, investiert 35% seines Kapitals in den S&P 500-ETF. Die restlichen 65% fliessen in den MSCI World ex USA-ETF. Anleger, die die Schwellenmärkte nicht missen möchten, können einen ETF auf den MSCI Emerging Markets Index mit dem gewünschten Gewicht als dritte Komponente eines «Weltaktienportfolios» hinzunehmen. Amundi ist mit einem solchen Produkt unter dem Symbol AEEM an der Schweizer Börse vertreten.

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