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Novo Nordisk: Bodenbildung mit Luft nach oben

14.01.2026 5 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Die Aussichten rund um den dänischen GLP1-Spezialisten haben sich zuletzt aufgehellt. Hinzu gesellt sich eine aussichtsreiche charttechnische Wende – welche den Pharma-Titel zweifach interessant macht.

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk sorgt zu Jahresbeginn für Schlagzeilen: Das Unternehmen vertreibt sein beliebtes Abnehmmittel Wegovy nun auch über Amazon. Genauer gesagt bietet Amazon Pharmacy die neu zugelassene Tablette ab sofort in den USA an. Versicherte Kunden können eine Monatsration für USD 25 erhalten, während Selbstzahler etwa USD 149 im Monat hinblättern müssen. In den nächsten Wochen sollen die Pillen sogar in Amazon-Pharmacy-Kiosks verfügbar sein. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte der Pille erst im Dezember die Zulassung erteilt. Für Novo Nordisk eröffnet der Deal eine neue Vertriebsschiene: Neben traditionellen Apotheken wird Wegovy nun auf breiter Front online verfügbar.

Die Dänen erhoffen sich durch die bequemere Einnahmeform und die breite Verfügbarkeit einen neuen Schub für das Abnehmmedikament. Das ist dringend nötig, denn im vergangenen Jahr musste der Konzern mehrere Gewinnwarnungen aussprechen, wodurch auch die Aktie unter Druck geriet. Die Wegovy-Pille gilt nun als wichtiger Baustein, um das Geschäft nach der Flaute wieder in Schwung zu bringen. Dementsprechend investiert Novo auch kräftig: Allein in den Ausbau der Produktionskapazitäten für GLP-1-Medikamente flossen zuletzt Milliarden, um Lieferengpässe zu beheben und die enorme Nachfrage decken zu können.

GLP-1-Markt: Boom, Konkurrenz und Preiskampf

Der Markt für GLP-1-basierte Medikamente zur Behandlung von Fettleibigkeit und Diabetes erlebt einen beispiellosen Boom. Semaglutid, der Wirkstoff in Wegovy, war der Vorreiter dieser Klasse und hat Novo Nordisk zeitweise zur wertvollsten Firma Europas gemacht. Doch mittlerweile tobt ein härterer Wettbewerb. Allen voran der US-Konkurrent Eli Lilly drängt mit seinem Mittel Mounjaro auf den Markt und verbucht eindrucksvolle Erfolge. Novo Nordisk spürt den Gegenwind: «Lilly ist im Moment eindeutig vorne», kommentierte etwa Jefferies-Analyst Michael Leuchten nach den jüngsten Quartalszahlen. Tatsächlich hat Lilly zuletzt weitaus stärkere Ergebnisse vorgelegt und seine Prognosen nach oben geschraubt, während Novo ins Hintertreffen geriet.

Hinzu kommt ein Preisdruck durch immer mehr Anbieter, dies gilt vor allem für China. Das Land könnte sich zu einem der grössten Adipositas-Märkte der Welt entwickeln. Laut Experten drohen bis 2030 mehr als 65% der 1.4 Mrd. Chinesen übergewichtig oder fettleibig zu sein. Lokale Hersteller wie CSPC und Hangzhou Jiuyuan bringen eigene GLP-1-Präparate in Stellung und zwingen Novo zu einer Preisoffensive: In einigen Provinzen Chinas wurden die Listenpreise der beiden höchsten Wegovy-Dosierungen jüngst um 48% gesenkt. Das Reich der Mitte ist nicht der einzige Markt mit sinkenden GLP-1-Preisen. In Indien hat Novo Nordisk die Wegovy-Preise bereits im November um bis zu 37% gesenkt, um in diesem Schwellenland mehr Patienten zu erreichen. Und auch in den USA – dem derzeit lukrativsten Markt – zeigen sich die Hersteller kompromissbereit: Sowohl Novo Nordisk als auch Eli Lilly haben im November Vereinbarungen getroffen, die Preise ihrer Abnehm-Medikamente deutlich zu senken.

Ausblick: Was bringt der 4. Februar?

Am 4. Februar wird Novo Nordisk die Bücher öffnen und den Jahresabschluss 2025 präsentieren. Beobachter rechnen allerdings mit einem eher vorsichtigen Ton des Managements. Angesichts des anhaltenden Drucks durch Eli Lilly und der bevorstehenden Patentabläufe, etwa Semaglutid in China, dürften die Prognosen sinken. Carlsquare-Analysten weisen darauf hin, dass sich die Wachstumsaussichten 2026 wegen der Konkurrenz im Diabetesmarkt und auslaufender Schutzrechte trüb sind, wodurch Novo Nordisk im Umkehrschluss auch einen konservativen Ausblick geben könnte. Gleichwohl verfügt der Konzern über eine robuste Pipeline an neuen Medikamenten, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen sollen. Darunter sticht besonders die bereits erwähnte Wegovy-Pille hervor, die Ende 2025 in den USA zugelassen wurde. Als weltweit erste orale GLP-1-Pille für Adipositas eröffnet sie Novo Nordisk einen Vorsprung in einem noch kaum besetzten Segment. Bis 2030 könnten laut Firmenprojektionen über ein Drittel des GLP-1-Marktes auf orale Formen entfallen – ein enormes zusätzliches Umsatzpotenzial. 

Nach dem Absturz 2025 hat die Novo-Nordisk-Aktie zuletzt eine Bodenbildung durchlaufen und zieht nun allmählich wieder an. Seit ihrem Zwischentief im Spätherbst legte sie bereits deutlich zu. Charttechnisch wurde der Abwärtstrend also erst einmal gestoppt. Dennoch ist Novo Nordisk an der Börse weiterhin gegenüber Eli Lilly abgeschlagen. Lillys Aktienkurs hat sich in den letzten zwei Jahren nahe des Allzeithoch bewegt, während Novo einen Grossteil seiner früheren Börsenwerte einbüsste.

Anlagelösungen

Anleger, die auf eine Fortsetzung der Aufholjagd der Novo Nordisk-Aktie setzen möchten, können sich mit dem Mini-Future Long MNOIXT von Leonteq auf die Long-Seite stellen. Das Produkt bietet einen Multiplikator von 5.2 und profitiert damit an steigenden Kursen des Basiswertes überproportional. Der Knock-Out befindet sich bei DKK 324.7948 und floglich 14.3% vom aktuellen Kursniveau entfernt. 

Wer davon ausgeht, dass sich der Pharma-Titel nach der dynamischen Wende eine Verschnaufpause gönnt, kann den Barrier Reverse Convertible RNOAGV der Bank Vontobel mit einer Restlaufzeit bis Oktober 2026 ins Auge fassen. Das Produkt stellt eine Renditechance von 5.55% p.a. in Aussicht, die Barriere befindet sich bei DKK 204.51 – ein Puffer von soliden 46%. 

Mehr Rendite ist mit einem BRC möglich, wenn man noch Konkurrent Eli Lilly hinzupackt. Das von Leonteq emittierte Multi-Produkt AENOTQ verspricht eine Ertragschance von 11.50% p.a., bei einem ebenso hohen Risikopuffer. Worst-Performer Novo Nordisk ist aktuell 45% von der Barriere entfernt. Die maximale Laufzeit reicht bis 7. April 2027, aufgrund der Callable-Funktion kann es aber bereits schon vorher zu einer Tilgung kommen. Leonteq hat alle drei Monate die Möglichkeit zu einer vorzeitigen Kündigung.

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