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Oracle: Amerikas neuer Überflieger

09.07.2025 4 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Der US-Softwarekonzern setzt voll auf die beiden Megatrends Cloud und KI und glänzt dabei mit überraschend hohen Wachstumsraten. An der Börse wird die Entwicklung mit deutlichen Kursaufschlägen honoriert.

Die Nasdaq hat einen neuen Liebling: Oracle. Nach dem Zwischentief der US-Technologiewerte Mitte April legte die Aktie einen dynamischen Rebound aufs Parkett. Ausgehend vom 22. April stürmte der Titel um 83% empor. Damit fiel die Kurserholung bei Oracle satte 60 Prozentpunkte höher aus als am Gesamtmarkt. Dem nicht genug: Selbst der KI-Überflieger Nvidia hatte mit einem Plus von 56% keine Chance gegen den Softwarekonzern.

Hohe Wachstumsraten

Ein Blick in die Bücher des Unternehmens zeigt, dass der steile Anstieg kein wildes «Gezocke» ist, sondern durchaus seine Berechtigung hat. Vor allem im Bereich der Datenwolke boomt es derzeit bei den Texanern. Die Softwareschmiede steigerte im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2024/25 (31. Mai) ihren Umsatz um 11%, das Cloud-Geschäft verzeichnete sogar ein Plus von 27%. Positiv wirkten sich die Kooperationen mit den weltweit führenden Cloud-Anbietern Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud aus. Die Umsätze aus dieser Zusammenarbeit haben sich im vierten Quartal 2024/25 im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr mehr als verdoppelt. Oracle-Verwaltungsratschef und Gründer Larry Ellison rechnet für die kommenden Monate mit einer Fortsetzung der dreistelligen Wachstumsraten. Auch der Gesamtumsatz für das am 31. Mai endende Quartal übertraf mit USD 15.90 Mrd. die Analystenschätzungen von USD 15.59 Milliarden.

Für das Geschäftsjahr 2025/26 erwartet Oracle nun einen Gesamtumsatz von mindestens USD 67 Mrd. Mit der neuen Prognose wird ein jährliches Erlöswachstum von rund 16.7% prognostiziert, verglichen mit der vorherigen Prognose, die von einem Wachstum von 15% ausging. «Wir erwarten, dass unsere gesamte Cloud-Wachstumsrate, Anwendungen plus Infrastruktur, von 24% im Geschäftsjahr 2025 auf über 40% im Geschäftsjahr 2026 steigen wird», so Konzernchefin Safra Catz.

Investitionen in die Zukunft

Das Wachstum des Unternehmens wird massgeblich durch die Oracle Cloud Infrastructure (OCI)-Lösung und die Unterstützung von KI-Workloads unterstützt. Ein Strategie, die bei Experten gut ankommt: «Oracles Vertrauen in den Oracle Cloud Infrastruktur (OCI)-Umsatz hat gute Gründe», erklärt Rebecca Wettemann vom Branchenanalysten Valoir und fügt hinzu: «Der Multi-Cloud-Ansatz und die zunehmende Abhängigkeit der Oracle Enterprise Application Cloud-Kunden von OCI zur Unterstützung ihrer Unternehmensdatenanforderungen sind wichtige Treiber.»

Laut eigenen Angaben bietet Oracle auch die einzige Datenbank an, die alle Kundendaten sofort für alle geläufigen KI-Sprachmodelle in jeder beliebigen Datenwolke verfügbar machen kann und dabei eine volle Datenprivatsphäre der Kunden garantiert. Daher soll mit zunehmendem KI-Einsatz auch der Marktanteil des Unternehmens im Datenbankbereich weiter zunehmen. Um die hohe Nachfrage bedienen zu können, nimmt Oracle viel Geld in die Hand. So sollen im laufenden Geschäftsjahr mehr als USD 25 Mrd. in den Aufbau weiterer Kapazitäten investiert werden.

Auch ist Oracle in dem KI-Projekt «Stargate» von OpenAI involviert. Jüngst kam es zu Meldungen, dass sogar zusätzliche Rechenleistungen im Umfang von 4.5 GW in US-Rechenzentren von Oracle benötigt werden. Daher soll das bestehende Stargate-Zentrum in Abilene von 1.2 auf 2.0 GW ausgebaut werden und auch noch zusätzliche Rechenzentren in mehreren US-Bundesstaaten entstehen. Den Berichten zufolge ist die Vereinbarung Teil eines Cloud-Vertrags mit einem jährlichen Volumen von USD 30 Milliarden, den Oracle bereits kürzlich angekündigt hatte.

Kursziele gehen nach oben

Der Cloud-Boom soll auch die Gewinne des Unternehmens deutlich voranbringen. Für das laufende Geschäftsjahr erwarten Analysten einen Anstieg beim Ergebnis je Aktie von 56%, für die beiden Folgejahre immerhin noch mehr als ein Fünftel. Demgegenüber steht ein 2028er-KGV von 23.6, was durchaus noch Luft nach oben lässt. Das sehen auch immer mehr Analysten so. In den vergangenen Tagen haben mehrere Researchhäuser ihre Kursziele erhöht: Davidson von USD 170 auf USD 220, TD Cowen von USD 225 auf USD 250 und Jefferies von USD 220 auf USD 270.

Anlagelösungen

Positiv gestimmte Trader können mit dem kürzlich auf Swiss Dots kotierten Long Mini Future (ISIN: CH1452898278) von BNP Paribas gehebelt auf eine weitere Klettertour setzen. Das Produkt verfügt über einen Hebel von 4.7, das Stop Loss befinden sich bei USD 200.38 und damit gut 14% vom aktuellen Kursniveau entfernt. Auch der an der SIX kotierte Call Warrant ORCWNZ von der ZKB wäre ein passendes Produkt, um in einem weiteren Aufwärtstrend überproportionale Gewinne zu erzielen. Der Strike befindet sich bei USD 270, wodurch der Schein noch «aus dem Geld» liegt. Der Hebel beträgt 5.3, die Laufzeit endet im Juni 2026.

Sollte sich der Titel dagegen eine Verschnaufpause gönnen, wäre der Barrier Reverse Convertible RORAHV der Bank Vontobel ein passendes Produkt. Das Teilschutz-Papier wirft bei einem Risikopuffer von satten 60.7% einen Ertrag von 6.3% p.a. ab. Die Laufzeit endet am 2. Juni 2026.

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