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payoff Trading Desk

Resilienz an der Wall Street 

01.05.2026 2 Min.
  • Martin Raab
    Investment-Stratege

Trotz der Geiselnahme des Irans, der freien Welt und der rekordhohen Rohölpreise steigen die US-Aktienmärkte. Ist das Zufall oder ein Zeichen echter Stabilität?

Das Wort «Resilienz» ist vor allem aus Coaching-Seminaren und Gesundheitssendungen bekannt. Inzwischen scheint es das heimliche Motto der US-amerikanischen Aktienbörsen zu sein. Während die Irrungen und Wirrungen aus dem Weissen Haus nicht kleiner werden und der Iran die Welt als Geisel nimmt, passiert erstaunlich wenig an der Wall Street. Es gibt keinen kollektiven Ausverkauf und auch kein panisches Davonlaufen. Stattdessen ist lediglich ein leichtes Zucken, ein kurzer Rücksetzer zu verzeichnen – und dann gehen alle Indexkurse wieder nach oben.

Seit dem Ausbruch des Golfkriegs III liegen der S&P 500 um 9,8%, der Nasdaq-100 um 16% und sogar der eher träge Dow Jones Industrial Average um 5,5% höher als vor 30 Tagen. Während die Welt angesichts fast verdoppelter Ölpreise eine Rezession fürchtet, scheinen die Kurse an der Wall Street dies weitgehend zu ignorieren. Resilienz par excellence: die Fähigkeit, sich an neue Realitäten anzupassen und dabei stabil zu bleiben.

Daher lohnt ein analytischer Blick auf das bunte Treiben: Institutionelle Investoren halten derzeit die Füsse still. Bei den Privatanlegern sind gemäss dem AAII Sentiment Survey rund 33% bullish, 34% explizit bearish und das verbleibende Drittel ist neutral. Auffällig dabei ist, dass 44% der US-Privatanleger angeben, dass Aktien derzeit überbewertet sind. Bei den Hedgefonds geht es hingegen richtig rund. Die Kapitalströme im 1. Quartal sind mit USD 45 Milliarden rekordhoch – die stärkste Bewegung seit 2007.

Und schon stellt sich ein Déjà-vu ein. Ähnlich wie im Jahr 2007 könnte die Stimmung der US-Konsumenten in den nächsten Monaten aufgrund hoher Energiepreise einbrechen. Die die Inflation könnte entgleisen und sämtliche Rezessionsgeister könnten aus der Flasche entweichen. Doch es gibt nur eine Nation, die besonders widerstandsfähig ist und über eigene Öl- und Gasquellen verfügt: die USA. Wer also robustes Aktienexposure sucht, wird also paradoxerweise in US-Aktien fündig. Vorzugsweise in solchen mit guten Free Cashflows und geringer Verschuldung. Für den Rest der Gelder ist Vorsicht geboten. Widerstand gegen die Blockierung der Strasse von Hormus durch den Iran ist mehr denn je Dreh- und Angelpunkt aller Szenarien.

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