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Sandoz: Das nächste Kapitel 

21.01.2026 4 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Der erste grosse Auftritt als unabhängiges Unternehmen in San Francisco markiert für Sandoz mehr als einen formalen Meilenstein. Er steht für den Beginn einer Phase, in der auslaufende Patente, Skaleneffekte und Biosimilars ein neues Wachstumsnarrativ formen.

Als sich Anfang Januar die internationale Gesundheitsbranche zur jährlichen J.P.-Morgan-Healthcare-Konferenz in San Francisco versammelte, zählte der Auftritt von Sandoz zu den am aufmerksamsten verfolgten Programmpunkten. Zum ersten Mal präsentierte sich der Generika- und Biosimilar-Spezialist nämlich dort als vollständig eigenständiges Unternehmen. CEO Richard Saynor nutzte die Bühne, um den Investoren eine klare Botschaft mitzugeben: Die kommenden zehn Jahre könnten für Sandoz zur entscheidenden Wachstumsphase werden, getragen von einer historischen Welle auslaufender Patente und einer Pipeline, die gezielt auf diesen Moment ausgerichtet ist.

Neuausrichtung

Seit dem Spin-off von Novartis im Herbst 2023 hat sich Sandoz strategisch neu positioniert. Das Unternehmen versteht sich heute nicht mehr als defensiver Kostendämpfer im Schatten grosser Pharmakonzerne, sondern als globaler Plattformanbieter für bezahlbare Medikamente mit klaren industriellen Stärken. In San Francisco betonte das Management, wie viel bereits erreicht wurde. Die kommerzielle Infrastruktur ist weltweit etabliert, die Produktionskapazitäten wurden in Europa gezielt ausgebaut, unter anderem mit neuen und erweiterten Standorten für sterile Biosimilar-Fertigung. Diese Anlagen sind bewusst grösser dimensioniert, als es der aktuelle Bedarf erfordert. Sie sollen die Basis für eine Nachfrage schaffen, die erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts voll sichtbar werden wird.

Attraktive Pipeline

Der Hintergrund dieser Zuversicht liegt in den sogenannten Loss-of-Exclusivity-Zyklen. In den kommenden zehn Jahren verlieren eine Vielzahl umsatzstarker Originalpräparate ihren Patentschutz. Sandoz beziffert das adressierbare Marktvolumen in diesem Zeitraum auf mehr als USD 600 Mrd., aufgeteilt in klassische Generika und zunehmend komplexe Biosimilars. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Grösse dieses Marktes, sondern der Umstand, dass Sandoz nach eigener Einschätzung bereits heute rund 60% dieses Volumens mit seiner bestehenden Pipeline adressiert. Besonders im Biosimilar-Segment sieht das Unternehmen eine strukturelle Wachstumschance, da regulatorische Hürden sinken und Gesundheitssysteme verstärkt auf kostengünstige Alternativen zu biologischen Blockbustern angewiesen sind.

Ein zentrales Signal an den Kapitalmarkt war die erhöhte Transparenz zur Pipeline. Erstmals legte Sandoz detailliert offen, welche Biosimilar-Projekte sich bis Mitte der 2030er-Jahre entlang der erwarteten Patentabläufe positionieren. So befinden sich 9 zusätzliche Biosimilars in einer frühen Entwicklungsphase. Diese Pipeline verleiht dem Wachstumspfad eine ungewöhnlich lange Visibilität. Analysten sehen hierin einen wesentlichen Grund, warum die langfristigen Ertragsperspektiven von Sandoz im Marktkonsens bislang eher konservativ abgebildet sind.

Auch operativ vermittelte das Management ein Bild hoher Stabilität. In Gesprächen mit Investoren und Analysten betonte das Unternehmen, dass sowohl die kommerzielle als auch die industrielle Plattform bereits vollständig aufgesetzt sind. Neue Produkte könnten in den kommenden Jahren in bestehende Strukturen integriert werden, ohne dass signifikante zusätzliche Investitionen oder Personalaufstockungen erforderlich wären. Diese Skalierbarkeit gilt als einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile, gerade im Biosimilar-Geschäft, wo Volumen, Erfahrung und Produktionszuverlässigkeit über Markterfolg entscheiden.

Zusätzliche Optionen 

Kurzfristig stehen mehrere Produkteinführungen bevor, die für spürbare Impulse sorgen sollen. Dazu zählen Biosimilars in onkologischen und ophthalmologischen Indikationen ebenso wie die Wiederaufnahme der US-Vermarktung eines Lucentis-Biosimilars. Diese Produkte sollen helfen, eine temporäre Lücke im Biosimilar-Zeitplan zu überbrücken, bevor ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts die grosse Welle biologischer Patentabläufe einsetzt. Parallel dazu bereitet sich Sandoz auf neue Therapiefelder vor, darunter auch den entstehenden Markt für generische GLP-1-Wirkstoffe, der langfristig zusätzliche Optionen eröffnen könnte.

Für die Aktie ergibt sich daraus ein spannendes Bild. Sandoz ist einer der wenigen börsennotierten Pure Plays im globalen Generika- und Biosimilar-Markt. Das Unternehmen kombiniert eine vergleichsweise niedrige Risikostruktur mit der Aussicht auf strukturelles Wachstum über viele Jahre hinweg. Es könnte sein, dass die aktuellen Konsensschätzungen noch nicht die volle Pipeline-Breite von Sandoz widerspiegeln. Sollte sich die angekündigte Wachstumsdynamik materialisieren und die Margen wie geplant in Richtung Mitte 20% steigen, könnte dies eine Neubewertung der Aktie nach sich ziehen.

Anlagelösungen

Anleger, die an ein positives Szenario glauben, können dies dem Long Mini Future S54BKU der UBS umsetzen. Das Produkt verfügt über einen Hebel von 4.6, der Knock-Out befindet sich bei CHF 49.6614 und damit 18.8% vom aktuellen Kurs entfernt. Fast doppelt soviel «Power» hat das baugleiche Produkt MSDB2T von Leonteq. Der grössere Hebel von 8.6 geht aber zu Lasten des Puffers. Die Barriere bei CHF 55.4536 gewährt nur einen Rücksetzer von 9.3%, ehe das Produkt wertlos verfällt.

Für konservative Anlegernaturen bietet sich der Barrier Reverse Convertible SBTCJB  von Julius Bär an. Das frisch emittierte Produkt stellt aktuell eine Renditechance von 10.7% p.a. in Aussicht, der Risikopuffer beträgt dabei solide 23.3%. Aufgrund der Callable-Funktion ist eine Tilgung bereits vor der maximalen Laufzeit von einem Jahr möglich. 

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