Interviews
Silber-Rallye sorgt für Rekordnachfrage bei Hebelprodukten
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Wolfgang Hagl
Redaktor
Wie stark ist das Interesse Ihrer Kunden an der Silberrallye?
Gold und Silber sind seit langem zentrale Basiswerte unserer Produktpalette. In den vergangenen Jahren hielt sich das Interesse jedoch in Grenzen. Seit der Silberpreis im September 2025 über USD 40 gestiegen ist, hat sich das geändert, die Nachfrage nahm von Monat zu Monat kontinuierlich zu. Mittlerweile hat Silber sogar den DAX als beliebtesten Basiswert abgelöst. Sowohl bei der Anzahl der Trades als auch bei der Anzahl an Neuemissionen an SIX rangierte Silber im Dezember vor Gold und dem DAX.
Was sind Ihrer Ansicht nach die zentralen Treiber hinter der Rallye?
Prinzipiell gilt, dass Anleger bei wirtschaftlicher Unsicherheit wie Handelskriegen, Inflationsängsten oder geopolitischen Spannungen vermehrt in reale Vermögenswerte wie Edelmetalle umschichten. Silber gilt im Vergleich zu Gold ausserdem als Industriemetall, das rund um Robotik, KI und erneuerbare Energien benötigt wird. Die chinesischen Exportkontrollen, die seit Anfang Jahr gelten, haben die Unsicherheiten auf Angebotsseite nochmals verstärkt.
Welche Produkte stehen bei den BNP Paribas-Kunden im Fokus?
Bei den Hebelprodukten sind vor allem Knock Outs beliebt. Die starken Preisschwankungen ziehen vermehrt taktische Anleger mit einem relativen kurzen Anlagehorizont an. Während der grossen Bewegungen im Silberkurs stellen wir einerseits fest, dass Hebelpositionen nur für eine relativ kurze Zeit gehalten werden. Anleger schichten darüber hinaus häufiger um. Wir emittieren täglich neue Produkte.
Silber ist gerade sehr volatil – wie können sich Investoren die Schwankungen zu Nutze machen?
Wir möchten Daytradern prinzipiell die Möglichkeit bieten, dabei zu sein, wenn die entsprechenden Assets gehandelt werden. Dementsprechend sind unsere Hebelprodukte an SIX bis 21:45 Uhr handelbar, auf Swiss DOTS sogar bis 22:00 Uhr. Das bietet Daytradern lange Handelszeiten, welche die Öffnungszeiten der US-Märkte abdecken.
Welche Faktoren und Risiken sollten Anleger bei Silber-Derivaten besonders beachten?
Die hohe Marktvolatilität verstärkt bei Hebelprodukten natürlich das Risiko. Es ist besonders wichtig, die Positionen und Stop-Loss-Schwellen der Produkte gut im Auge zu behalten. Ausserdem können sich Produkte je nach Payoff oder Anbieter auf den Spot oder den Future beziehen. Anleger, die mit Chartanalyse arbeiten, müssen hier genau hinschauen. Neben den Marktpreisen sollten sie die Forwardkurve im Auge behalten. Sie dreht bei Angebotsknappheit oftmals von Contango
in Backwardation, sprich der Spotpreis kann dann über dem Futurepreis liegen.
Welche Möglichkeiten gibt es, bestehende Silber-Positionen abzusichern?
Prinzipiell kann mit Short-Produkten oder Put Warrants eine Absicherungsstrategie umgesetzt werden. Allerdings ist diese aktuell eher teuer. Ursächlich hierfür sind neben der Volatilität, die hohen Finanzierungkosten für Short-Produkte, die durch die ausgedehnten Repo-Sätze getrieben werden. Man sollte die Produktkonditionen genau unter die Lupe nehmen und in jedem Fall durchrechnen, wie viel die Absicherung kostet.
Wenn Sie heute eine These zu Silber formulieren müssten – wie würde sie lauten?
Vor kurzem habe ich die folgende These gelesen: «Silver is the new bitcoin». Diese Aussage finde ich bemerkenswert. Denn vergleichbar mit früheren Phasen im Handel mit Kryptowährungen liess sich zuletzt ein regelrechter «Run» auf Silber beobachten, Bitcoin und andere digitale Währungen blieben dagegen vergleichsweise zurück. Ich sehe in dieser Diskrepanz aber auch ein potenzielles Warnsignal: Silber ist seit jeher ein sehr spekulatives Asset. Hinzu kommt, dass es sich hier um zwei völlig unterschiedliche Wertformen handelt: Silber ist ein physisches Gut, während der Bitcoin ein rein digitales Asset darstellt.
Vielen Dank!
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Irene Brunner
Head Sales & Marketing für den Bereich Exchange Traded Solutions Schweiz, BNP Paribas
Irene Brunner ist seit Mai 2018 Mitglied der Direktion bei BNP Paribas und als Head Sales & Marketing für den Bereich Exchange Traded Solutions Schweiz verantwortlich. Sie vertritt BNP Paribas im Schweizerischen Verband für Strukturierte Produkte und leitet seit 2010 das EUSIPA Kategorisierungskomitee. Ihr Team kümmert sich um die Kreation und den Vertrieb von börsengehandelten Strukturierten Produkten sowie um die Entwicklung der Emissionsplattform in der Schweiz. Für selbstentscheidende Anleger bietet BNP Paribas ein umfassendes Angebot an Hebelprodukten, die SIX-kotiert sind oder auf SwissDOTS handelbar sind.