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payoff Learning Curve

Strukturierte Produkte: Eine neue Dimension der Wertpapieranlage

20.01.2026 4 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Strukturierte Produkte können eine wertvolle Ergänzung für jedes Portfolio sein. Im ersten Teil unserer neuen Serie erfahren Sie mehr über die Vorzüge dieser Anlagen, die verschiedenen Produkttypen sowie die Vorreiterrolle der Schweiz.

Strukturierte Produkte haben das Anlageuniversum in vielerlei Hinsicht bereichert. Einerseits bieten sie eine hohe Flexibilität. Anleger können mit ihnen nicht nur von steigenden Märkten profitieren, sondern auch bei seitwärts tendierenden oder gar sinkenden Kursen ansehnliche Renditen erzielen. Zum anderen kann mit Strukturierten Produkten das Risiko gezielt gesteuert werden. So bieten sich für risikoaverse Anleger Lösungen mit Kapitalschutz an, während renditeorientierte Anleger eher in Renditeoptimierungs-, Partizipations- oder Hebelprodukte investieren können. Auf diese Weise lässt sich die eigene Risikoneigung sowie die eigene Markterwartung zielgenau abdecken.

Was sind Strukturierte Produkte?

Ein Strukturiertes Produkt ist ein Finanzinstrument, das aus mehreren Komponenten zusammengesetzt ist und dessen Rendite und/oder Rückzahlung von der Entwicklung eines oder mehrerer Basiswerte abhängt. In der Regel wird dabei ein klassischer Anlagebaustein (zum Beispiel Obligation oder Geldmarktinstrument) mit einem oder mehreren Derivaten kombiniert, um ein bestimmtes Risiko-
Rendite-Profil zu schaffen.

Erfolgsstory

Ihren Siegeszug begannen Strukturierte Produkte zu Beginn der Jahrtausendwende, also vor rund 25 Jahren. Zwar gab es auch zuvor schon einzelne Produkttypen, wie etwa Warrants oder Discount-Zertifikate. Der eigentliche Durchbruch erfolgte jedoch erst in den frühen Nullerjahren. Damals erblickten zahlreiche neue Produkttypen, darunter die beliebten Reverse Convertibles, das Licht der Welt und das Interesse der Anleger nahm schlagartig zu. Der Weg verlief zwar nicht ohne Rückschläge. Vor allem die Insolvenz von Lehman Brothers im Jahr 2008 war ein Schock für die Branche. Nichtsdestotrotz gelten Strukturierte Produkte heute als etablierte Anlageklasse, bei der Anleger aus einer Vielzahl von Produkttypen und Tausenden von Basiswerten auswählen können.

Die Schweiz als Innovator

Die Schweiz gilt als Vorreiter und Innovator im Bereich der Strukturierten Produkte. Ein Beispiel für eine Schweizer Erfindung sind die ausfallgeschützten COSI-Produkte, durch die neue Standards bei der Anlagesicherheit geschaffen wurden. Hinzu kommen flexible Lösungen zu aktuellen Trends wie Künstlicher Intelligenz, Healthcare und Kryptowährungen. Mit einem Anlagevolumen von rund CHF 200 Milliarden ist die Schweiz heute der weltweit grösste Markt für Strukturierte Produkte. Die Angebotsvielfalt ist enorm: Allein beim Basiswert SMI sind auf payoff.ch über 6’000 unterschiedliche Produkte zu finden. Insgesamt umfasst das Schweizer Anlageuniversum rund 65’000 Strukturierte Produkte verschiedenster Ausrichtungen. Die hohe Akzeptanz und Nachfrage unterstreichen die führende Rolle der Schweiz als Impulsgeber für die gesamte Branche.

Kategorisierung

Hinsichtlich ihres Chance-Risiko-Profils lassen sich Strukturierte Produkte in verschiedene Typen einteilen. Der Schweizer Branchenverband SSPA (Swiss Structured Products Association) nimmt folgende Kategorisierung vor:

  • Kapitalschutzprodukte, 
  • Renditeoptimierungsprodukte, 
  • Partizipationsprodukte, 
  • Anlageprodukte mit zusätzlichem Kreditrisiko 
  • und Hebelprodukte. 

Kapitalschutz

Kapitalschutzprodukte garantieren Anlegern zum Laufzeitende eine Rückzahlung mindestens in Höhe des festgelegten Kapitalschutzes, der meist als Prozentsatz des Nominals – etwa 100% – ausgewiesen wird. Investoren profitieren von steigenden Kursen des Basiswerts allerdings meistens nur bis zu einer Kursobergrenze (Cap). In anderen Fällen ist die Auszahlung eines Coupons vorgesehen. Kapitalschutzprodukte eignen sich besonders für risikobewusste Investoren, die Wert auf Sicherheit legen, aber dennoch an potenziellen Kursgewinnen partizipieren möchten.

Renditeoptimierung

Renditeoptimierungsprodukte wurden entwickelt, um Anlegern auch in Seitwärtsphasen des Marktes attraktive Renditen zu ermöglichen. Diese Produktgattung bietet in der Regel begrenzte Gewinnchancen, schützt dafür aber teilweise vor Verlusten, sollte der zugrunde liegende Basiswert fallen. Ein Verlustrisiko bleibt allerdings bestehen, sofern der Basiswert zum Laufzeitende unter einen bestimmten Schwellenwert (Strike) fällt. Zu den bekanntesten Renditeoptimierungsprodukten zählen Discount-Zertifikate, Reverse Convertibles und Barrier Reverse Convertibles.

Partizipation

Partizipationsprodukte ermöglichen es Investoren, an der Kursentwicklung eines zugrunde liegenden Basiswerts teilzuhaben. In der Regel spiegelt das Produkt die Performance des Basiswerts eins zu eins wider, wobei das Bezugsverhältnis und mögliche Gebühren zu berücksichtigen sind. Dadurch erhalten Anleger eine transparente und unkomplizierte Möglichkeit, von Kursbewegungen zu profitieren. Diese Produkte sind mit und ohne Laufzeitbegrenzung erhältlich. Je nach Ausgestaltung können Anleger somit kurzfristige Marktchancen nutzen oder langfristig investieren. 

Hebel

Hebelprodukte ermöglichen es Anlegern, mit geringem Kapitaleinsatz überproportional an Kursbewegungen eines Basiswerts zu partizipieren. Durch diesen sogenannten Hebeleffekt können sowohl hohe Gewinne als auch erhebliche Verluste bis hin zum Totalverlust entstehen. Hebelprodukte eignen sich sowohl für spekulative Strategien als auch zur Absicherung bestehender Positionen. Aufgrund der erhöhten Verlustrisiken ist eine kontinuierliche Überwachung der Investments unerlässlich. Die beiden wichtigsten Hebeltypen sind Warrants und Knock-outs.

Fazit

Strukturierte Produkte bieten zahlreiche Vorteile und stellen daher eine attraktive Ergänzung für ein diversifiziertes Anlageportfolio dar. Sie ermöglichen massgeschneiderte Lösungen, bieten verschiedene Möglichkeiten zum Risikomanagement und eröffnen neue Renditechancen. Wie bei jeder Form der Geldanlage ist es jedoch wichtig, auch die Risiken und Kosten genau zu prüfen, bevor eine Investitionsentscheidung getroffen wird.

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