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Swatch: Raus aus dem SLI, rein in die Erholung
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Christian Ingerl
Redaktor
Swatch fällt erneut aus einem Leitindex und steckt in operativ schwierigen Zeiten. Doch erste Erholungssignale und ambitionierte Gewinnprognosen wecken neue Hoffnungen auf ein Comeback.
Es ist ein leises, aber bedeutendes Stühlerücken am Schweizer Aktienmarkt: Swatch muss am 22. Dezember den SLI verlassen. Der traditionsreiche Uhrenhersteller räumt damit zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre seinen Platz in einem wichtigen Börsenbarometer. Schon 2021 war das Unternehmen aus dem SMI gefallen. Grund für den jetzigen Rückzug ist laut dem SIX-Betreiber ein Rückgang des Handelsvolumens sowie eine reduzierte Marktkapitalisierung. Besonders schwächelnde Geschäfte in China sorgten dafür, dass die Swatch-Aktie binnen 12 Monate im Rückwärtsgang unterwegs war.
Schwieriges Semester
Operativ blickt der Hersteller von Uhren der Marken Omega und Tissot auf ein herausforderndes Halbjahr zurück. Der Umsatz schrumpfte auf CHF 3.1 Mrd., ein Minus von 11.2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bereinigt um Währungseffekte lag der Rückgang bei knapp 8%, Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Einbruch von 4.2% gerechnet. Unter dem Strich resultierte ein Gewinn von CHF 17 Mio., nach CHF 147 Mio. im Vorjahr ein drastischer Rückgang und ein Spiegelbild der schwierigen Lage.
Vor allem der chinesische Markt erwies sich als Bremsklotz: schwacher Konsum im Reich der Mitte, Hongkong und Macau sowie Einbrüche in Tourismusmärkten Südostasiens führten zu einem Rückgang des Grosshandelsgeschäfts von mehr als 30%. Filialschliessungen von Partnern belasteten zusätzlich.
Trendwende in Sicht
Doch trotz des düsteren ersten Halbjahres gibt es Lichtblicke. Swatch berichtet von ersten positiven Signalen, etwa im Online-Geschäft und in sinkenden Lagerbeständen bei Händlern. Die Konzernführung rechnet daher mit einem freundlichen Marktumfeld im zweiten Semester 2025. Im August liefen die Geschäfte bereits spürbar besser, was Anlegern und Management Hoffnung auf eine Trendwende gibt. Das zeigt sich auch im Kursbild: Die Swatch-Aktie legte in den vergangenen 3 Monaten um 28% zu.
Zollstreit: Zeichen der Entspannung
Auch geopolitische Risiken spielten zuletzt eine Rolle. Die von den USA angekündigte drastische Erhöhung der Einfuhrzölle auf Schweizer Waren bedrohte Swatchs Zugang zu einem seiner wichtigsten Märkte – die USA stehen für fast ein Fünftel aller Schweizer Uhrenexporte. Hinter den Kulissen wird derzeit intensiv an einer Lösung gearbeitet. Insidern zufolge könnte die Schweiz bereits am Donnerstag oder Freitag eine Einigung mit den USA über eine Senkung der US-Zölle auf Schweizer Waren auf 15% erzielen. „Zölle von 15% sind immer noch sehr hoch, aber eine Senkung von 39% wäre eindeutig zu begrüssen“, erklärt Jean-Philippe Kohl, Vizepräsident vom Branchenverband Swissmem, und fügt hinzu: „Damit wären Schweizer Unternehmen im Wettbewerb mit Konkurrenten aus Deutschland, Österreich, Italien und Japan gleichgestellt.“
Risiko und Chance
Aktuell überwiegt bei Analysten die Vorsicht: Das Gros der Ratings lautete derzeit auf Halten oder gar Verkaufen. Doch genau darin könnte eine Chance liegen. Denn beim Gewinn je Aktie wird ein gewaltiger Sprung erwartet. Für 2026 rechnet der Markt mit einem Plus von 115%, 2027 sollen es nochmal 65% werden. Damit klingt das 2027er-KGV von 21 gar nicht mal so ambitioniert. Gelingt Swatch die operative Trendwende und setzt sich eine Erholung um China-Geschäft durch, könnte der aktuelle Pessimismus die Basis für einen späteren Aufholprozess bilden.
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