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Swatch: Weichenstellungen

04.02.2026 5 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Der Uhrenkonzern könnte nicht nur beim Wachstum wieder Gas geben, auch stehen die Bieler möglicherweise vor einem Generationenwechsel. Eine offene Zukunft-Story also, die dem Mid Cap weiteren Auftrieb verleihen könnte.

Noch ist es nur ein Satz, der fast beiläufig gefallen ist. Und doch hat er in der Uhrenbranche ebenso viel Aufmerksamkeit hervorgerufen als ein Quartalsbericht. «Ich werde die Gruppe nicht noch zwanzig Jahre führen», sagte Nick Hayek jüngst in Interviews. Erstmals deutet der langjährige CEO der Swatch Group selbst an, dass seine Zeit an der operativen Spitze begrenzt ist. Damit rückt eine Frage ins Zentrum, die Investoren seit Jahren umtreibt: Wer führt den weltweit grössten Uhrenkonzern durch die aktuell holprige Phase, die durch schrumpfende Volumina, hohen Kosten und struktureller Überkapazitäten geprägt ist?

Dass diese Diskussion aufkommt, war aber nur eine Frage der Zeit. Swatch steht unter zunehmenden Druck aktivistischer Investoren, die mehr Transparenz, eine stärkere Kapitalmarktorientierung und eine geringere Dominanz der Gründerfamilie fordern. Hayeks öffentliche Worte wirken daher weniger zufällig als strategisch: Die Nachfolgedebatte soll offenbar kontrolliert werden, bevor sie von aussen eskaliert. Als Kronprinz gilt Marc Hayek, Neffe von Nick Hayek, der seit 2024 Mitglied des Verwaltungsrats ist. Er verantwortet die Luxusmarken Blancpain, Breguet und Jaquet Droz. Intern gilt er als fachlich versiert, extern bleibt Skepsis. Kritiker monieren die vergleichsweise geringe Strahlkraft dieser Marken im globalen Luxusvergleich.

2025 bleibt ein Übergangsjahr

Fast zeitgleich mit den Nachfolgespekulationen legte Swatch nun die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Diese wiederum bestätigten das Bild eines Konzerns im Übergang. Der Umsatz sank organisch um 1.3%, die Ebit-Marge brach deutlich ein. Der operative Gewinn fiel auf rund CHF 135 Mio., die Produktionseinheit allein verursachte einen Verlust von etwa CHF 300 Mio. Unterm Strich blieb kaum mehr als ein symbolischer Gewinn von CHF 25 Mio. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte Swatch noch CHF 219 Mio. verdient, 2023 blieben gar knapp CHF 890 Mio. in der Kasse übrig.

Und doch gab es Lichtblicke: In der zweiten Jahreshälfte, insbesondere im vierten Quartal, beschleunigte sich das Wachstum spürbar. Die Lagerbestände wurden reduziert und der Cashflow fiel besser aus als befürchtet. Auch die Dividende blieb stabil, obwohl der Markt mit einer Kürzung gerechnet hatte. An der Börse wurde diese Entwicklung honoriert.

Marktbelebung

Die Hoffnung der Optimisten ruht auf der operativen Hebelwirkung. Mit anziehenden Bestellungen sollte sich die Auslastung der stark integrierten Produktion verbessern – und damit auch die Profitabilität. CEO Hayek stellt für 2026 ein Ebit von CHF 500 bis 600 Mio. in Aussicht, mittelfristig wird sogar wieder ein Wert von mehr als CHF 1 Mrd. angepeilt. Aus geografischer Sicht kommt vor allem aus den USA Rückenwind, wo Swatch zuletzt zweistellig wuchs. Auch China, der wichtigste Einzelmarkt, zeigte im Schlussviertel erste Erholungstendenzen. Analysten erwarten, dass eine Stabilisierung des Immobilienmarkts und eine bessere Konsumentenstimmung dort ab 2026 wieder eine stärkere Nachfrage auslösen könnten.

Risiko Kostenstruktur

Demgegenüber stehen strukturelle Risiken. Die Kostenbasis gilt als zu hoch für ein Unternehmen mit weniger als CHF 5 Mrd. Umsatz. Personal- und Betriebskosten sind seit 2018 um mehr als 10 Prozentpunkte des Umsatzes gestiegen. Swatch bleibt damit stark abhängig vom Erlöswachstum. Sollte dieses ausfallen, dürften die Margen überproportional einbrechen. Hinzu kommt ein strategisches Problem: Wachstum im unteren Preissegment ist strukturell schwach, echte Innovationen mit MoonSwatch-Effekt fehlen. Gleichzeitig verliert Swatch im hochpreisigen Segment Marktanteile. Das gilt auch für die Kernmarke Omega, die eigentlich das Zugpferd der Gruppe sein sollte.

Aktie zwischen «Reduce» und Schnäppchen

Entsprechend gespalten sind die Analystenmeinungen. Skeptiker halten die Aktie trotz der jahrelangen Kursschwäche für ambitioniert bewertet. Sie verweisen auf die volatile Ertragslage, die hohe Zyklik und eine Bewertung von rund dem 17-fachen der für 2027 erwarteten Gewinne. Ihr Fazit: Reduce. Andere sehen genau darin eine Chance. Sie argumentieren, der Markt bestrafe Swatch übermässig für sein China-Exposure und die vertikale Integration. So sieht beispielsweise Morningstar den fairen Wert bei rund CHF 214 je Aktie, wodurch das Papier deutlich unterbewertet erscheint. 

Anlagelösungen

Am Ende laufen beide Debatten – die operative und die personelle – auf denselben Punkt zu. Swatch braucht nicht nur bessere Margen, sondern auch eine klare strategische Führung für die Zeit nach Nick Hayek. Ob Marc Hayek diese Rolle ausfüllen kann oder ein externer Impuls nötig wird, bleibt offen. Sicher ist nur: Die Frage der Nachfolge ist längst mehr als ein Familienthema. Sie ist zum Gradmesser geworden für die Zukunftsfähigkeit des gesamten Konzerns. 

Und genau deshalb wird sie Investoren noch lange beschäftigen. Ein Blick auf das Kursbild verrät, dass in den vergangenen Monaten die Zukunftschancen von Swatch wieder höher eingeschätzt wurden. Mitte Januar markierte der Titel ein neues Jahreshoch bei CHF 188.40. Anschliessend folgte zwar eine Korrektur bis auf knapp CHF 161, doch im Zuge der jüngsten Nachrichten wurde die Delle schnell wieder ausgebügelt. Wer das positive Momentum nutzen möchte, kann mittels eines Hebelpapiers mit einem geringen Einsatz eine hohe Wirkung erzielen. Der Mini Future Long SY8B8U hebelt die Kursbewegung des Basiswertes um den Faktor 4.8. Nach unten bietet das Produkt einen Puffer von 18.7% zum Stopp Loss. Die Schwelle befindet sich bei CHF 150.7152. Ein noch anspruchsvolleres Chance-Risiko-Verhältnis weist der Mini Future MUHDNT von Leonteq auf. Der Hebel beläuft sich bei diesem Papier auf 6.4, der Abstand zum Knock-out beträgt nur 13.7% 

Für den Fall, dass sich der Titel eine Verschnaufpause gönnen sollte, wäre der Barrier Reverse Convertible RUHADV von der Bank Vontobel eine passende Lösung. Das Produkt stellt eine Seitwärtsrendite von 9.6% p.a. bei einem beruhigenden Puffer von 29.8% in Aussicht. Die Laufzeit des BRCs endet am 22. Januar 2027.

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