Trading Desk
Vier gewinnt
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Martin Raab
Investment-Stratege
Während europäische Unternehmen ihre Aktionäre nur einmal im Jahr mit einer Dividende beglücken, bieten US-Aktien eine serielle Ausschüttung. Das ist ein Power-Tool für Income-Anleger – und auch für Investor Relations.
Während europäische Unternehmen ihre Dividende traditionell einmal im Jahr – meist im Frühjahr nach der Hauptversammlung mit Würstchen und Kartoffelsalat – ausschütten, zahlen US-Konzerne verlässlich quartalsweise. Natürlich gibt es auch bei US-Unternehmen Hauptversammlungen mit allerlei Give-aways. Unternehmen wie Pfizer, UPS oder Procter & Gamble überweisen jedoch seit Jahrzehnten viermal im Jahr zuverlässig Dividenden in Dollar – mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks.
So schön, so egal? Nein, denn obwohl das Akademiker-Duo Modigliani/Miller mit ihrer These der «Dividendenirrelevanz» behauptet, dass die Ausschüttungsfrequenz die Gesamtrendite nicht beeinflusst, ist die Realität weitaus facettenreicher. Zunächst sollte jeder Investor, der sein Portfolio auf Mittel- und Langfristigkeit ausrichtet, das Thema Dividenden beachten. Haben die Aktien eine nachhaltige Ausschüttungssubstanz und einen guten Free Cashflow? Hoffentlich. Wer beispielsweise seine private Vorsorge clever strukturiert, kann dank Dividenden-Reinvestition einen bedeutenden Anteil des Total Returns seines Depots realisieren – historisch oft zwischen 30% und 85% des kumulierten Ertrags. Aktien, die gar keine Dividende ausschütten, sind nicht notwendigerweise gute Basiswerte, denn sie haben tendenziell viel mehr Volatilität – leider oft nach unten. Gartner, Beyond Meat, Snap oder Zoom sind Beispiele hierfür.
Zweitens weiss jeder Investor: Ein regelmässiger Cashflow fühlt sich stabiler an und ist ein guter Indikator. Vier kleinere Zahlungen wirken wie laufendes Einkommen, eine grosse wie ein Bonus. Und die laufenden Zahlungen lassen sich – Achtung, versteckter Zinseszinseffekt – in die gleichen oder andere Wertpapiere wieder anlegen. Auch aus Sicht der Investor Relations ist die quartalsweise Dividende ein erstklassiges Kommunikationsinstrument. Sie zwingt das Management, regelmässig Farbe zu bekennen und mit Cash zu belegen. Wenn Unternehmen wie Chevron, Franklin Templeton oder Ford jedes Quartal hohe Beträge ausschütten, sendet das ein fortlaufendes Signal finanzieller Disziplin. «Real Money», keine Lippenbekenntnisse im Quartalsbericht. Europäische Unternehmen kommunizieren dieses Signal seltener – nicht schlechter, aber leiser und ohne hochfrequenten «Proof of Cash».
Vielleicht nutzen europäische Aktiengesellschaften gerade in Zeiten heisser Debatten zum «Aktiensparen» den strategischen Wandel im Investor-Marketing? Anpassung der Ausschüttungsfrequenz? Not a bad idea! Quartalsdividenden machen Aktien zwar nicht immer renditestärker, sie landen aber sofort auf der Hitliste von Income Investoren. Das ist ohne grossen Aufwand möglich und bietet viele Win-win-Situationen. Und: Einmal Dividende ist Information, viermal Dividende ist schon fast eine Beziehung.