Zurück
payoff Learning Curve

Warrants: Risikokontrolle auf Griechisch

10.10.2025 5 Min.
  • Serge Nussbaumer
    Chefredaktor

Die «Griechen» sind wichtige Sensitivitätskennzahlen, um das Preisverhalten von Optionen und Warrants zu beurteilen. Beim Risikomanagement
spielen insbesondere das Delta und das Omega eine wichtige Rolle.

Zu den bekanntesten Risikomanagementstrategien gehört das Delta-Hedging. Dieser Ansatz stammt ursprünglich aus dem Optionshandel und wird dort vorwiegend von institutionellen Investoren und Market Makern genutzt, um sich gegen Preisrisiken abzusichern. Doch auch Privatanleger können sich mit Delta-Hedging vor Verlusten schützen. Bei dieser Absicherung steht das Delta im Fokus. Diese Sensitivitätskennzahl gehört zu den wichtigsten «Griechen» und gibt an, wie stark sich der Preis einer Option bzw. eines Warrants verändert, wenn sich der Preis des Basiswerts um eine Einheit verändert. Eine Call-Option mit einem Delta von 0.6 bedeutet: Wenn der Kurs des Basiswerts, etwa eine Aktie, um CHF 1 zulegt, steigt der Preis der Option um CHF 0.60. Bei Calls liegt das Delta zwischen 0 und 1 und bei Puts zwischen 0 bis -1. 

Das Ziel des Delta-Hedging besteht darin, das Delta-Risiko zu minimieren bzw. zu neutralisieren. In der Regel wird dazu der Basiswert in einem bestimmten Verhältnis zur gehaltenen Optionsposition gekauft oder verkauft. Call-Optionen verfügen über ein positives Delta. Um das Risiko auszugleichen, muss also eine entsprechende Anzahl des Basiswerts leerverkauft werden. Das Delta einer Put-Option ist negativ. Hier muss eine entsprechende Position durch den Kauf des Basiswerts aufgebaut werden. Die Position im Basiswert muss also so angepasst werden, dass das Gesamtdelta des Portfolios bei 0 bzw. nahe 0 liegt und Preisänderungen des Basiswerts den Wert des Port-folios kaum oder gar nicht beeinflussen.

Beispiel für einen Delta Hedge

Ein typischer, an Terminbörsen gehandelter Optionskontrakt auf Aktien hat in der Regel eine Kontraktgrösse von 100 Stück. Bei einer Put-Option mit einem Delta von -0.6 müssen demnach 60 Stück der zugrunde liegenden Aktie (100 x 0.6) gekauft werden, um das negative Delta auszugleichen. Die Summe der Deltas ist damit 0 (delta-neutral). Steigt die Aktie beispielsweise um 1 CHF, reduziert sich die Put-Position um CHF 60, während sich der Wert der Aktienposition um CHF 60 erhöht. Gewinne und Verluste aus der Options- und der Aktienposition gleichen sich somit aus. Um den gleichen Effekt bei einem Call mit einem Delta von 0.6 zu erreichen, müssen 60 Aktien leerverkauft werden. Fällt die Aktie um CHF 1, reduziert sich die Call-Position um CHF 60, während sich der Wert der leerverkauften Aktien um CHF 60 erhöht.

Delta-Hedging mit Put-Warrants

Die bisherigen Ausführungen bezogen sich vor allem auf das Delta-Hedging im professionellen Optionshandel. Doch auch Privatanleger können von diesem Konzept profitieren, um bestehende Positionen im Depot gegen Kursverluste abzusichern. Das gelingt über Put-Warrants. Ein Beispiel: Angenommen, ein Anleger hat 200 Stück der Musteraktie im Depot und möchte diese Position vor möglichen Kursverlusten schützen. Aktuell steht die Musteraktie bei CHF 100, womit sich ein Positionswert von CHF 20’000 ergibt. Um etwaige Verluste auszugleichen, wären 400 Put-Warrants mit einem Bezugsverhältnis von 1:1 und einem Delta von -0.5 auf die Musteraktie notwendig. Fällt die Musteraktie um CHF 1 ergibt das bei 200 Aktien ein Minus von CHF 200. Die 400 Put-Warrants gewinnen hingegen CHF 200 hinzu (400 Stück x CHF 0.50 je Put). Bei einem Put-Warrant mit einem Delta von -0.8 würde der gleiche neutralisierende Effekt bereits mit 250 Stück erzielt werden (250 x CHF 0.80). Das zeigt: Je näher das Delta bei -1 liegt, desto weniger Put-Warrants sind für die Absicherung nötig.

Kontinuierliches Rebalancing erforderlich

Mithilfe von Delta-Hedging können Kursgewinne einer Aktie kurzfristig gesichert werden, ohne dass die Aktie verkauft werden muss. Allerdings ist diese Art der Risikokontrolle auch mit einigen Herausforderungen verbunden. Einerseits ist das Delta keine konstante Grösse, sondern verändert sich mit jeder Bewegung des Basiswerts. Das Gamma gibt darüber Aufschluss. Die Preisentwicklung von
Optionen und Warrants hängt jedoch auch von anderen Einflussgrössen ab. Dazu zählen
beispielsweise Veränderungen der impliziten Volatilität des Basiswerts (Vega) oder der Zeitwertverlust (Theta). Delta-Hedging erfordert eine kontinuierliche Überwachung und Anpassung der Positionen (Rebalancing), um das Delta möglichst neutral zu halten. Dies führt zu erhöhten Transaktionskosten, da häufig gehandelt werden muss. Ohne regelmässige Anpassungen kann es schnell passieren, dass die abzusichernde Position über- oder unterversichert ist, wodurch das Absicherungsziel gefährdet wird. Grundsätzlich empfiehlt es sich, den Hedge mit Put-Warrants durchzuführen, die über ein möglichst hohes (negatives) Delta und ein möglichst niedriges Gamma aufweisen. Denn je niedriger das Gamma ist, desto weniger verändert sich das Delta bei Veränderungen des Basiswerts.

Omega: Verlustrisiken steuern

Eine weitere Kennzahl zur Risikosteuerung im Handel mit Warrants ist das sogenannte Omega. Obwohl es sich nicht um einen klassischen Griechen handelt, leistet es eine wertvolle Orientierungshilfe bei der Beurteilung des Chance-Risiko-Profils von Warrants. Es gibt an, um wie viel Prozent sich der Preis des Optionsscheins theoretisch verändert, wenn der Kurs des Basiswerts um 1% steigt bzw. fällt. Diese Kennzahl ist eine Kombination aus einfachem Hebel und dem Delta und wird als theoretischer Hebel bezeichnet. Der einfache Hebel ergibt sich, indem der Kurs des Basiswerts durch den Preis des Warrants (multipliziert mit dem Bezugsverhältnis) dividiert wird. Ein einfacher Hebel von 10 bedeutet beispielsweise, dass der Kapitaleinsatz für den Kauf einer Aktie um den Faktor 10 höher ist als der Kapitaleinsatz für den Warrant. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, wie der Warrant reagiert, wenn sich der Kurs des Basiswerts verändert. Dies gelingt, indem der einfache Hebel mit dem Delta multipliziert wird. Das Omega ist deshalb wichtig, weil es Anlegern ein Gefühl für die Gewinnchancen, aber auch die Verlustrisiken eines Warrants vermittelt. Ein Warrant mit einem Omega von 10 ist beispielsweise deutlich riskanter als ein Warrant mit einem Omega von 3. Gleichwohl muss auch hier angemerkt werden, dass das Omega keine fixe Grösse ist, sondern aufgrund von Veränderungen des Deltas und anderer Preisparameter Schwankungen unterliegt.

Weitere News aus der Rubrik

Unsere Rubriken