Trading Desk
Wenn Hedge-Funds plötzlich Emmentaler, Lachs und Early Grey mögen
-
Martin Raab
Investment-Stratege
Inmitten grosser Steuerreformen und Handelsabkommen passiert im Hintergrund etwas. Ohne grosse Ankündigung, ohne CNBC-Interview und ohne Tweets von Milliardären. Still, strategisch – und leider aus gutem Grund.
Es sind wieder einmal die Hedgefonds, die sonst eher für ihre Investitionen in High-Frequency-Trades bekannt sind – schneller, als man «Nasdaq» oder «Algo» buchstabieren kann. Einige Adressen verlagern gerade heimlich Teile ihrer Währungsallokation und Wertschriften-Collaterals in Schweizer Franken, Norwegische Kronen und sogar in das gute alte Britische Pfund. Diese Collaterals werden benötigt, um die Derivate-Trades der Hedgefonds beim jeweiligen Prime Broker für Wertschwankungen abzusichern. Bisher war es üblich, diese Collaterals in US-Dollar und entsprechende US-Staatsanleihen zu halten.
Die offiziellen Antworten für das emsige Umschichten von US-Hedgefonds lauten: Diversifikation, Währungsabsicherung und defensives Rebalancing. Eine Abkehr von US-Staatsanleihen als Collaterals wollen jedoch weder Hedgefonds noch Prime Broker bestätigen. Die inoffizielle Version lautet: «Was zur verdammten Hölle ist da in Washington los?». Daher beginnt man, Sicherheiten in Währungen stabiler und unaufgeregterer Märkte einzubuchen. Wenn US-Staatsanleihen infolge des Handelskonflikts an Wert verlieren würden, müsste umgehend nachgesichert werden. Mit anderen Worten: Es müssten neue Wertpapiere eingezahlt werden, um eine Teilauflösung der Derivate-Position zu vermeiden, da das ursprüngliche Collateral nicht mehr ausreichend besichert ist. Das will niemand.
Schon jetzt ist klar: Wenn sich Hedgefonds ernsthaft für den Schweizer Franken, die Norwegische Krone und sogar das Britische Pfund interessieren, ist es höchste Zeit, die Positionen in US-Dollar zu reduzieren. Sad but true! Für Investoren mit strategischer Asset-Allokation ist spätestens jetzt der Weckruf ertönt, die Dominanz des US-Dollars abzumildern. Die gute Nachricht für Banken und Emittenten mit gutem Credit Rating: Strukturen in CHF, NOK oder GBP mit einer kapitalschutzähnlichen Ausstattung sind der Top-Seller – zumindest für aufgeklärte institutionelle Investoren.