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payoff Trading Desk

Bürgenstock Oil-Put

01.07.2026 2 Min.
  • Martin Raab
    Investment-Stratege

Der Ölpreis bestimmt die Wachstums- und Inflationsraten. Doch wer bestimmt inzwischen eigentlich den Ölpreis?

Hoch über dem Vierwaldstättersee haben sich die Katarer kürzlich in ihrem Freizeitkomplex, dem sogenannten Bürgenstock Resort, stilvoll als diplomatische Vermittler in Szene gesetzt. Ziel war der erste Schritt zu einem US-Iran-Friedensabkommen. Im Mittelpunkt stand die Öffnung der Strasse von Hormus, der wichtigsten Tankerroute im Mittleren Osten und Asien. Bedauerlicher Zufall, dass Donald Trump eine Nacht vorher spontan in Versailles seine Unterschrift unter das Dokument setzte und so dem Bürgenstock-Gipfel indirekt die Show stahl.

In direkter Folge geriet der Rohölpreis ins Scheinwerferlicht – die Kurse purzelten von rund USD 90 auf USD 70, fast wie ein Strohballen den steilen Berghang hinab. Die Erwartung am Markt ist, dass die festgesetzten Tankerflotten in der Strasse von Hormus unmittelbar wieder zu den sehnsüchtig wartenden Raffinerien in Asien fahren und der Treibstoff der Wirtschaft wieder ungebremst fliesst.

Diese Erwartungshaltung droht von Tag zu Tag mehr und mehr zu zerbrechen. Mal fliegen iranische Kampfdrohnen über das Meer, mal bombardiert die U.S. Air Force die Revolutionsgarden. Frieden sieht anders aus. Auch die jüngsten Ölexportzahlen aus Saudi-Arabien sind eindeutig: Im Juni wurden 44 % weniger Öl verschifft als noch im Februar. Ähnlich tief sind die Exportzahlen der Öl-Nachbarstaaten. Noch dramatischer ist die Situation im Bereich Stückgut. Nur wenige Reedereien schicken ihre Schiffe durch die Strasse von Hormus. Die Gesamtlage ist zu unklar. Parallel dazu brodelt über alle Frachtarten hinweg die neue Gier des Irans nach «Shipping Fees». Auf der bisher frei passierbaren internationalen Meeresstrasse werden Gebühren von bis zu USD 1 Million pro Schiff fällig.

Mit einem aktuellen Preis von rund USD 70 gilt der Ölpreis nun als der meist überverkaufte Rohstoff des Jahres. Tausende «Shorties» haben drastisch leerverkauft, obwohl weder die Strasse von Hormus offen ist, noch ein umfangreiches Friedensabkommen wirklich existiert. Zudem ist die Ölversorgung alles andere als intakt. Einzig Donald Trump twittert fleissig fantasievolle Nachrichten zum «billigen Öl». In den nächsten Handelstagen wird es sehr spannend sein, wie schnell realisiert wird, dass Rohöl in den Verfallsterminen bis Dezember 2026 alles andere als einfach verfügbar sein wird. Erste Trader sprechen vom «Bürgenstock Put» – der neuen Preisuntergrenze für Rohöl. Wenn man Stimmen aus Riad glaubt, wird der Ölpreis zwischen USD 68 und USD 75 bleiben. Günstigere Energie ist derzeit ein Traum aus 1001 Nacht, solange es kein echtes Friedensabkommen gibt.

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