Interviews
Der Fussball darf nie seine Seele verlieren
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Susan Niederhöfer
Chefredakteurin
Die Fussball-Welt verändert sich rasant: grössere Turniere, mehr Spiele, neue Märkte und steigende Anforderungen an Spieler, Verbände und Clubs. Im Interview spricht Pascal Zuberbühler über die Chancen der erweiterten WM, die Entwicklung der Schweizer Nationalmannschaft, die neue Rolle des Torhüters und die Frage, wie der Fussball trotz Kommerz und Technologie seine emotionale Kraft bewahren kann.
Die Fussball-WM wird immer grösser, globaler und logistisch anspruchsvoller als je zuvor. Welche sportlichen Chancen bietet dieses neue Format und wo besteht die Gefahr, dass die Qualität und Dramaturgie darunter leiden?
Ich persönlich sehe vor allem eine grosse Chance darin, dass mehr Nationen die Möglichkeit erhalten, sich auf der grössten Bühne zu präsentieren. Das fördert die Entwicklung des Fussballs weltweit und bringt neue Geschichten und neue Emotionen hervor und vielleicht auch überraschende Erfolgsteams. Ich teile die Meinung von FIFA-Präsident Gianni Infantino zu 100%. Selbstverständlich besteht die Herausforderung darin, die sportliche Qualität und Spannung hochzuhalten. Ich bin jedoch überzeugt, dass eine gute Organisation und klare Strukturen dafür sorgen können, dass die Dramaturgie noch vielfältiger und interessanter wird.
Die Schweizer Nationalmannschaft hat sich in den letzten Jahren als stabile Turniermannschaft etabliert. Was fehlt Ihrer Meinung nach noch, damit die Schweiz nicht nur achtbar abschneidet, sondern wirklich tief ins Turnier vorstossen kann?
Die Schweiz hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Konstanz gezeigt, und das ist eine starke Basis. Aus meiner Sicht besteht der nächste Schritt darin, in den entscheidenden Momenten den Mut zu haben, Spiele aktiv zu entscheiden. Es geht um Überzeugung und den Glauben daran, dass man gegen jede Nation bestehen kann. Wenn diese mentale Stärke mit der vorhandenen Qualität zusammenkommt, ist vieles möglich. Ich bin zuversichtlich, dass die Schweiz weit kommen kann.
Sie waren selbst Torhüter auf höchstem Niveau. Wie hat sich die Rolle des Torhüters im modernen Fussball verändert und welche Eigenschaften von Nachwuchstorhütern werden heute vielleicht noch unterschätzt?
Die Rolle des Torhüters hat sich enorm weiterentwickelt. Er ist heute viel stärker ins Spiel eingebunden und übernimmt quasi die Rolle des ersten Aufbauspielers. Technische Fähigkeiten mit dem Fuss sind wichtiger denn je. Gleichzeitig wird manchmal unterschätzt, wie zentral Persönlichkeit, Ruhe und Entscheidungsfähigkeit sind. Ein Torhüter muss nicht nur reagieren, sondern auch das Spiel lesen können. Zudem muss er ausstrahlen, dass er seiner Mannschaft Sicherheit gibt. Das bleibt zeitlos.
FIFA, Verbände und Vereine sprechen viel über die Belastungssteuerung. Ist der internationale Fussball an einem Punkt angelangt, an dem der Spielkalender sportlich und wirtschaftlich neu durchdacht werden muss?
Wenn man den Kalender genauer anschaut, relativiert sich der Eindruck manchmal, dass es ständig immer mehr Spiele werden. Der internationale Spielkalender wurde gemeinsam mit Verbänden, Ligen und teilweise auch Spielervertretern abgestimmt. Zusätzliche Wettbewerbe wie eine erweiterte Klub-WM oder grössere Weltmeisterschaften bringen dem Fussball weltweit sowohl sportlich als auch wirtschaftlich wichtige Impulse.
Fairerweise muss man jedoch auch sagen, dass die FIFA-Spiele nur einen Teil der gesamten Belastung ausmachen. Ein grosser Teil stammt aus den nationalen Ligen und den Klubwettbewerben. Zudem betrifft die höchste Belastung vor allem eine kleine Gruppe von Spitzenspielerinnen und Spitzenspielern, während viele Vereine heute über genügend breite Kader verfügen, um sinnvoll zu rotieren. Gleichzeitig gilt natürlich: Die Gesundheit der Spielerinnen und Spieler steht immer an erster Stelle. Darum ist es richtig, den Spielkalender laufend zu überprüfen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die für Spielerinnen und Spieler, Clubs und den gesamten Fussball sinnvoll sind.
Der Fussball ist heute globaler, datengetriebener und kommerzieller geworden. Welche Aspekte muss der Sport bewahren, um trotz Technologie, Medienrechten und Investoreninteressen seine emotionale Kraft nicht zu verlieren?
Der Fussball lebt von Emotionen, von Leidenschaft und von seiner Einfachheit. Diese Elemente dürfen niemals verloren gehen. Daten und Technologie sind wertvolle Werkzeuge, die den Sport unterstützen, aber nicht dominieren sollten. Entscheidend ist, dass sich die Fans mit ihren Teams identifizieren können und dass auf dem Platz echte Geschichten entstehen. Wenn wir das bewahren, wird der Fussball auch in Zukunft Menschen auf der ganzen Welt begeistern. Das ist der FIFA und mir sehr wichtig. Für diese Werte stehen wir.
Vielen Dank für Ihre Zeit und das interessante Gespräch, Herr Züberbühler!
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Pascal Zuberbühler
Senior Football Expert FIFA und Ambassador FIFA World Football Museum
Pascal Zuberbühler ist ein ehemaliger Profifussballer, Rekordtorhüter der Schweizer Nationalmannschaft und internationaler Experte im Spitzenfussball. Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählen zahlreiche internationale Einsätze sowie die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006, bei der er ohne Gegentor blieb.
Mit seiner positiven Ausstrahlung, persönlichen Anekdoten und spannenden Einblicken in Motivation, Teamdynamik und die Welt des Spitzensports begeistert er sein Publikum bei Events, Talks und Sportmoderationen. Als erfahrener Moderator verbindet er Unterhaltung mit exklusiven Hintergrundgeschichten, Interviews und aktuellen Themen aus der Welt des Sports.
Seine Vorträge und der «ZUBI-Talk» werden individuell auf die Ziele und Botschaften des Veranstalters abgestimmt und beziehen Mitarbeitende sowie Kunden aktiv mit ein – authentisch, interaktiv und ohne trockene Präsentationen. Ergänzt wird sein Angebot durch exklusive Sport- und Golf-Events mit Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft und Unterhaltung.