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payoff Interviews

Wenn das Space Race zur Anlagechance wird

11.06.2026 11 Min.
  • Susan Niederhöfer

    Susan Niederhöfer
    Chefredakteurin

Raumfahrt ist ein faszinierendes, aber auch spekulatives Anlagethema. Warum ist das «Space Race» aus Sicht der ZKB heute ein investierbares Thema und nicht nur eine Zukunftserzählung?

Contangelo: Aus unserer Sicht ist Raumfahrt heute weit mehr als eine Zukunftsgeschichte. Die Branche hat sich grundlegend gewandelt: von wenigen staatlichen Akteuren mit Milliardenbudgets hin zu einer dynamischen Wachstumsbranche in der Privatwirtschaft.

Laut McKinsey wächst die Weltraumwirtschaft um rund 9% pro Jahr und damit schneller als die Weltwirtschaft. Bis 2035 wird eine Verdreifachung des Branchenumsatzes auf rund USD 1,8 Billionen erwartet. Grundlage sind bestehende Geschäftsmodelle wie Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung, Navigation und zunehmend sicherheitsrelevante Anwendungen.

Seit 2020 hat sich die Zahl operativer Satelliten von rund 3’400 auf etwa 15’000 Anfang 2026 mehr als vervierfacht. Gleichzeitig sind die Startkosten dank wiederverwendbarer Raketen deutlich gesunken. Diese strukturellen Veränderungen machen Raumfahrt zu einem realen, messbaren Investmentthema und nicht mehr nur zu einer spekulativen Zukunftserzählung.

Wie hat sich die Anlegernachfrage in einem volatilen Umfeld aus Zöllen, geopolitischen Spannungen und wechselnden Zinserwartungen entwickelt? Steigt gerade deswegen das Interesse an strukturierten Themenlösungen?

Summermatter: Wir beobachten im aktuellen Marktumfeld eine erhöhte Nachfrage nach Strukturierten Produkten. Starke Marktschwankungen bergen Chancen, da die relativ hohe implizite Volatilität in einzelnen Produktkategorien attraktive Konditionen ermöglicht. Dabei zahlt sich auch die Flexibilität der Produkte aus: Sie lassen sich so strukturieren, dass Anleger in jeder Marktphase Renditen erzielen können.

Contangelo: Wir beobachten zwei scheinbar gegensätzliche Tendenzen: den Wunsch nach Stabilität und soliden Cashflows sowie das Bedürfnis, an langfristigen strukturellen Wachstumsfeldern zu partizipieren.

Thematische, aktiv verwaltete Zertifikate können hier eine Brücke schlagen. Sie ermöglichen Anlegern eine gezielte Exposition gegenüber klar abgegrenzten Trends, ohne selbst Einzeltitelrisiken steuern oder die Selektion laufend anpassen zu müssen.

Gerade in der Raumfahrt steigt das Interesse. Der mögliche Börsengang von SpaceX sorgt für Aufmerksamkeit, zugleich erkennen viele Investoren, dass ein grosser Teil der Wertschöpfung bereits heute in kommerziellen, profitablen Nischen stattfindet, etwa bei Satellitenbetreibern, Datenanbietern oder Infrastrukturunternehmen. In volatilen Märkten wächst daher die Nachfrage nach strukturierter, kuratierter Exposition in solchen Zukunftsfeldern.

Wie wählt die ZKB die Themen für neue Tracker-Zertifikate aus, und welche konkreten Überlegungen standen hinter der Lancierung von ORBITZ und SPACEZ?

Summermatter: Wir erhalten Impulse von verschiedener Seite. So können wir beispielsweise auf eine breite Expertise innerhalb der ZKB bauen, wie im Fall des «Space Race»-Trackers, bei dem unsere Kollegen aus dem Asset Management federführend sind. Wir sind aber auch selbst nah am Markt und beobachten, welche Entwicklungen oder Trends für unsere Kunden interessant sein könnten. Zudem stehen wir in engem Kontakt mit unseren Kunden, die eigene Ideen einbringen und für die wir massgeschneiderte Anlagelösungen entwickeln.

Contangelo: Wir wählen Themen anhand eines klar strukturierten Prozesses aus. Im Zentrum stehen drei Fragen: Ist es ein langfristiger, struktureller Trend mit substanzieller wirtschaftlicher Relevanz? Gibt es genügend investierbare, börsenkotierte und liquide Unternehmen für ein diversifiziertes Produkt? Und lässt sich das Thema klar abgrenzen und für Anleger verständlich darstellen?

Beim «Space Race» – konkret ORBITZ (USD) und SPACEZ (CHF) – war entscheidend, dass die kommerzielle Raumfahrt bereits heute breit verankert ist. Laut PwC entfallen rund 80% des globalen Raumfahrtumsatzes auf kommerzielle Aktivitäten wie Satelliteninternet, Erdbeobachtung, Geodaten, Navigation und sicherheitsrelevante Kommunikation.

Unsere Überlegung: Das Thema ist technologisch spannend, ökonomisch relevant und inzwischen breit genug über kotierte Unternehmen investierbar. Ein aktiv verwalteter Basket ermöglicht zudem, technologischen Fortschritt und die sich rasch wandelnde Unternehmenslandschaft dynamisch abzubilden.

Der zentrale Mehrwert liegt in der fundamentalen, aktiven Titelselektion durch ZKB Asset Management. Die Experten analysieren Qualität, Geschäftsmodell, Bewertung und thematische Passung der Unternehmen und steuern die Basket-Zusammensetzung über die Zeit. Anleger erhalten damit keine statische Themenabbildung, sondern eine kuratierte, qualitätsorientierte Lösung.

Der Basket setzt den Fokus auf Raumfahrt und angrenzende Wertschöpfungsketten. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen Space-Exposure und indirekten Profiteuren?

Contangelo: Wir unterscheiden drei Ebenen: Kernraumfahrt mit direkt verankerten Geschäftsmodellen wie Satellitenbetreiber, Launcher, Komponentenhersteller oder Erdbeobachtungsanbieter; Zulieferer und Infrastrukturunternehmen, die essenzielle Technologien, Materialien oder Systemlösungen bereitstellen; sowie periphere Profiteure mit nur marginalem Raumfahrtbezug.

Im Basket konzentrieren wir uns auf die ersten beiden Kategorien. Entscheidend ist ein signifikanter, klarer Anteil an der Weltraumwirtschaft. Reine Randprofiteure meiden wir, um das thematische Profil nicht zu verwässern.

Die Titelauswahl erfolgt fundamental mit Qualitätsfokus, unter anderem auf den freien Cashflow. Doch wie wichtig ist die Profitabilität in einem Sektor, in dem viele Firmen noch stark wachstums- und kapitalintensiv sind?

Contangelo: Profitabilität bleibt auch in der Raumfahrt zentral, da viele Geschäftsmodelle kapitalintensiv. Unser Ansatz ist zweistufig: Erstens achten wir auf solide Grundqualität, etwa Bilanzstärke, Transparenz, nachvollziehbare Cashflow-Pfade und sinnvolle Kapitalallokation. Zweitens differenzieren wir nach Geschäftsmodell und Lebenszyklus. Reife Satellitenbetreiber oder etablierte Zulieferer beurteilen wir anders als Unternehmen in frühen Wachstumsphasen.

Titel mit tiefer oder negativer Profitabilität berücksichtigen wir nur, wenn das Geschäftsmodell skalierbar ist und ein realistischer Pfad zu positiven Cashflows besteht. Entscheidend ist der Mix aus wachstumsstarken, noch investitionsintensiven Unternehmen und etablierten, cashflowstarken Titeln. So können Anleger am strukturellen Wachstum der Raumfahrt partizipieren. Qualität und finanzielle Robustheit bleiben zentrale Pfeiler.

Der Basket enthält neben reinen Space-Aktien auch Industrie- und Technologiewerte wie Amazon, Parker-Hannifin oder Howmet Aerospace. Ist das ein bewusster Ansatz, um das Thema investierbarer und weniger binär zu gestalten?

Contangelo: Ja, das ist bewusst so gewählt. Pure-Play-Space-Unternehmen bieten zwar hohes thematisches Beta, sind aber oft volatil, von einzelnen Programmen abhängig und teilweise noch nicht nachhaltig profitabel. Ergänzend setzen wir auf etablierte Industrie- und Technologiewerte, die wichtige Komponenten, Systeme oder Dienste für die Raumfahrt liefern.

Das verbessert die Risikostreuung, weil der Basket weniger stark von einzelnen kleineren Titeln abhängt. Zugleich stabilisieren grössere, diversifizierte Unternehmen mit soliden Cashflows das Portfolio, ohne den thematischen Kern zu verwässern. Drittens erhöht der Mix die Investierbarkeit, da Anleger neben spekulativeren Geschäftsmodellen auch Qualitätswerte mit bewährten Marktpositionen erhalten.

ORBITZ ist in USD, SPACEZ in CHF denominiert. Für welchen Anlegertyp eignet sich welche Tranche, und welche Rolle spielt das Währungsrisiko für Schweizer Anleger?

Summermatter: Unsere Kunden bevorzugen typischerweise Anlagen in CHF. Die Wahl der Anlagewährung und der Umgang mit Währungsrisiken hängen jedoch vom Portfoliokontext ab: Manche Anleger sichern Fremdwährungspositionen ab, andere akzeptieren sie bewusst.

Contangelo: Der Unterschied liegt in der Denomination und damit im Währungsrisiko aus Sicht eines Schweizer Anlegers. ORBITZ (USD) richtet sich an Investoren, die bewusst USD-Exposure suchen oder den USD als Referenzwährung nutzen, etwa institutionelle Kunden mit globalen Portfolios. SPACEZ (CHF) eignet sich für Anleger, die primär in CHF investieren und die Abweichung zur Depotwährung reduzieren möchten.

Wichtig ist: Die meisten zugrunde liegenden Titel sind in USD oder anderen Fremdwährungen kotiert. Auch eine CHF-Tranche eliminiert das ökonomische Währungsrisiko daher nicht vollständig. Wie stark Schweizer Anleger dieses Risiko gewichten, hängt von Gesamtallokation, Risikotoleranz und USD-Einschätzung ab. Bei Themenanlagen wie «Space Race» wird ein gewisses Fremdwährungsexposure als Satellitenbaustein oft akzeptiert.

Würde SpaceX nach einem allfälligen IPO automatisch in den Basket aufgenommen, oder müsste das Unternehmen zunächst dieselben Liquiditäts-, Qualitäts- und ESG-Kriterien erfüllen wie alle anderen Titel?

Contangelo: Angesichts der Schlüsselrolle von SpaceX im Raumfahrtökosystem und der Strahlkraft eines IPOs würden wir das Unternehmen sehr genau analysieren. Eine spätere Aufnahme in den Basket ist durchaus wahrscheinlich, sofern die qualitativen und liquiditätsbezogenen Anforderungen erfüllt sind. Einen Automatismus gibt es jedoch nicht, denn die Entscheidung erfolgt im Rahmen unseres etablierten Selektionsprozesses.

Der Basket wird dynamisch und diskretionär verwaltet. Welche Ereignisse würden typischerweise ein Rebalancing auslösen – Bewertung, technologische Meilensteine, geopolitische Risiken, Liquidität oder Gewinnrevisionen?

Contangelo: Ein Rebalancing kann planmässig oder ereignisgetrieben erfolgen. Auslöser sind insbesondere starke Bewertungs- oder Kursveränderungen, fundamentale Entwicklungen wie technologische Meilensteine, Projektverzögerungen, Akquisitionen oder strategische Neuausrichtungen, geopolitische und regulatorische Risiken, veränderte Liquidität sowie Gewinnrevisionen, Margen- oder Bilanzsignale.

Die dynamische Verwaltung erlaubt es, neue Informationen laufend zu berücksichtigen und das thematische Profil des Baskets klar zu halten.

Die Produkte laufen bis zum 29. Mai 2028, obwohl das Thema Raumfahrt auch darüber hinaus relevant bleiben dürfte. Warum wurde diese Laufzeit gewählt und sind eine Neuemission oder eine Anschlusslösung geplant?

Contangelo: Die Laufzeit bis Ende Mai 2028 wurde bewusst gewählt. Sie bietet Anlegern einen klaren Investitionshorizont und erleichtert die strategische Allokation. Zugleich erwarten wir, dass sich bis dahin zentrale Entwicklungen bei Satellitenkonstellationen, neuen Trägersystemen sowie Daten- und Kommunikationsdiensten materialisieren werden. Der fixe Verfall sorgt zudem für Transparenz bei Konditionen und Verwaltung.

Dass Raumfahrt darüber hinaus relevant bleibt, ist sehr wahrscheinlich. Deshalb prüfen wir laufend, ob eine Neuemission oder Anschlusslösung sinnvoll ist. Entscheidend sind Marktentwicklung, Nachfrage und die weitere Ausgestaltung des investierbaren Universums. Schon heute ist absehbar, dass Raumfahrt nicht 2028 endet, sondern sich in neue Facetten und Unterthemen ausdifferenziert.

Zum Abschluss, welche weiteren Themen plant die ZKB produktseitig für 2026?

Contangelo: Für 2026 sehen wir mehrere Themenfelder, die sich für strukturierte, aktiv verwaltete Lösungen eignen. Neben Raumfahrt zählen dazu ausgewählte Segmente der Energiewende, Sicherheit und Verteidigung, Automatisierung und Robotik sowie datengetriebene Infrastruktur.

Neue Produkte lancieren wir nur dort, wo wir einen klaren strukturellen Trend, ein ausreichend breites investierbares Universum und Mehrwert durch aktive Selektion sehen. Konkrete Themen kommunizieren wir schrittweise, sobald Analyseprozess und Produktstruktur finalisiert sind. Raumfahrt ist damit ein Baustein unseres breiteren Angebots an fokussierten Themenlösungen, nicht das einzige Zukunftsfeld, das wir begleiten.

Summermatter: Strukturierte Produkte eignen sich gut, um spezifische Themen schnell in eine Anlagelösung zu übersetzen. Das hat sich jüngst auch beim Thema Strominfrastruktur gezeigt, das sich im Zuge der Elektrifizierung zu einem Megatrend entwickelt und daher Interesse bei Kundinnen und Kunden weckt. Dieses Thema haben wir ebenfalls in einem Tracker-Zertifikat abgebildet.

Vielen Dank für das Gespräch!  

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Curdin Summermatter
Leiter Verkauf Strukturierte Produkte, Zürcher Kantonalbank

Curdin Summermatter ist seit 2007 im Bereich Strukturierte Produkte der Zürcher Kantonalbank tätig, seit 2015 leitet er als Mitglied der Direktion den Verkauf der Strukturierten Produkten. Davor war er in verschiedenen Abteilungen innerhalb der Bank tätig. Curdin Summermatter ist Mitglied der Kommission für Strukturierte Produkte der Swiss Exchange SIX sowie in der Arbeitsgruppe Standard der Swiss Structured Products Association tätig. Der studierte Betriebsökonom und Finanzanalyst (CIIA) verfügt über einen MBA der University of Chicago.

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Rocchino Contangelo
Leiter Buy-Side Research Asset Management, Zürcher Kantonalbank

Rocchino Contangelo ist Leiter des Buy-Side Research des Asset Management der Zürcher Kantonalbank, wo er seit 2014 arbeitet. Er verantwortet neben dem Buy-Side Research ebenso die globalen Investment-Stewardship-Aktivitäten im Aktienbereich und leitet das Exekutive Panel des ESG-Komitees des Asset Managements. Vor seinem Eintritt bei der Zürcher Kantonalbank war er in verschiedenen Positionen bei der Zurich, der UBS, Kepler & Mainfirst und weiteren Vermögensverwaltern tätig. Rocchino Contangelo verfügt über einen Abschluss in Finance der London School of Economics und hat die Zusatzausbildungen zum Certified ESG Analyst (CESGA), CPEP, CHP, CFMS absolviert.

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Rechtliche Hinweise
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