Interviews
Die BCV – eine solide Schweizer Alternative
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Susan Niederhöfer
Chefredakteurin
Es ist nicht unbedingt naheliegend, dass eine Westschweizer Kantonalbank wie die BCV im AMC-Bereich eine innovative Rolle spielt. Wie kam es dazu, dass die BCV so früh und so konsequent in das AMC-Geschäft eingestiegen ist?
Effektiv erkannte die BCV bereits vor über zehn Jahren, dass die Nachfrage nach AMC Wachstumspotenzial hatte. Denn sie entsprach den Bedürfnissen der unabhängigen Vermögensverwalter (UVV) und Banken nach Produkten, die u.a. eine Vereinfachung der Verwaltung und eine flexible und effiziente Umsetzung von Anlagestrategien ermöglichten. So gehört die BCV heute mit über zehn Jahren Erfahrung bei der Auflegung von AMCs zu den führenden AMC-Emittenten der Schweiz. Über fünfzig Investment Managers mit rund CHF 2 Milliarden in der ganzen Schweiz vertrauen uns, wenn es um die Auflegung, Implementation und das Monitoring ihrer AMCs geht. Die BCV investiert regelmässig in den Ausbau ihres Angebots und hat verschiedene digitale Tools entwickelt: Dazu gehören die Webplattform AMC Access360 für die Verwaltung von AMCs, die Dokumentation und das Reporting sowie das faktorbasierte Anlage-Tool AMC Select360, das den Nutzern die Aktienselektion für die dem AMC zugrunde liegende Anlagestrategie erleichtert. Meiner Meinung nach machen die folgenden Eigenschaften der BCV unsere Stärke aus: unser langjähriges Engagement, die Solidität der BCV, unsere Servicequalität und unser Pricing.
Meinen Sie, dass es in der Westschweiz eine andere AMC-Kultur gibt als in der Deutschschweiz, oder haben sich AMCs inzwischen in der ganzen Schweiz etabliert?
Man beobachtet in diesen beiden Regionen der Schweiz unterschiedliche Bedürfnisse, was aber weniger auf kulturelle Eigenheiten, als vielmehr auf die Marktstruktur zurückzuführen ist. In der Westschweiz gibt es sehr viele Privatbanken. Diese zeigen grosses Interesse an AMCs, da sich mit diesen Instrumenten Anlagestrategien flexibel und effizient umsetzen lassen. Dahingegen zeichnet sich der Deutschschweizer Markt durch seine Vielzahl an Kantonal-, Regional- und Retailbanken aus. Diese Kundengruppe zeigt ein wachsendes Interesse an AMCs, insbesondere an Produkten von Schweizer Emittenten. Was die UVV betrifft, so ist Genf ein bedeutender Standort; nichtsdestotrotz sind über zwei Drittel dieser Akteure in der Deutschschweiz ansässig. Im Bereich «AMC» ist die BCV eine interessante Alternative für Kunden, die Wert auf Swissness und solide Emittenten legen.
Welche Kundensegmente nehmen AMC-Dienstleistungen bei Ihnen in Anspruch? Handelt es sich dabei vorwiegend um traditionelle externe Vermögensverwalter, Family Offices oder institutionelle Anleger?
Unsere Aufgabe besteht darin, in einem reifen Markt eine zuverlässige Diversifizierungsmöglichkeit für institutionelle Akteure zu bieten, seien es unabhängige Vermögensverwalter, Privatbanken, Kantonal- und Regionalbanken usw. Wir beobachten ein wachsendes Interesse der Vermögensverwalter an AMCs. Diese sind zunehmend bestrebt, ihre operativen und administrativen Abläufe zu vereinfachen, um sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren: die Kundenbetreuung und die Vermögensverwaltung.
Hat sich die Situation in den letzten Jahren verändert?
Da wir in der Westschweiz bereits gut positioniert sind, setzen wir nunmehr für unser Wachstum schwerpunktmässig auf den Ausbau unserer Präsenz in der Deutschweiz und im Tessin. Im aktuellen Umfeld erweist sich ausserdem der Umstand, dass wir eine solide Schweizer Bank sind, aus zwei Gründen als Vorteil: Einerseits nehmen die Kunden das Emittentenrisiko sehr ernst, andererseits achten sie heute nicht mehr nur aus wirtschaftlichen Überlegungen, sondern auch aufgrund regulatorischer Vorgaben (FINMA-Rundschreiben 2025/2) auf eine angemessene Diversifizierung.
Die Plattform «AMC Access360» der BCV bietet Kunden einen direkten Online-Zugriff auf ihre AMCs. Was hat sich seit der Einführung von Access360 geändert? Für die Kunden …
Wir passen die von unseren Teams von Grund auf entwickelte Plattform laufend an die sich verändernden Bedürfnisse und das Feedback unserer Kundschaft an. Da die Plattform zu 100% bankintern betreut wird, können wir besonders agil und flexibel handeln. Seit der Lancierung haben wir bereits zahlreiche bedeutende Verbesserungen an AMC Access360 durchgeführt. Dazu gehören etwa die jüngsten Verbesserungen bei den Berichten und beim Monitoring: Die Berichte bieten nunmehr einen besseren Überblick und das Monitoring der auf der Plattform aktiv verwalteten Zertifikate ist noch präziser geworden. Tatsächlich wird die Plattform eines Anbieters zu einem entscheidenden Faktor. Selbstverständlich bleibt der Preis ein Vergleichskriterium, er ist jedoch nicht die einzige Variable, die berücksichtigt wird: Auch das Kundenerlebnis spielt eine Rolle.
… und intern für die Teams der BCV?
Die Plattform Access360 ist ein grosses Plus für die Teams der BCV. Ich denke hier etwa an unser Trading-Team: Die Plattform reduziert die operativen Risiken, da sie eine bessere Zentralisierung der Informationen und eine effizientere Bearbeitung der Rebalancing-Aufträge ermöglicht. Auch für unsere Sales-Teams schafft die Plattform echten Mehrwert: Sie haben mehr Zeit für Geschäftsentwicklung, Kundenakquise und Kundenbetreuung. Access360 ist ein strategischer Hebel, der sowohl das Kundenerlebnis als auch die operative Effizienz und die Wachstumskapazität unserer Aktivität erhöht.
Hat sich das Nutzerprofil im Laufe der Zeit verändert?
Wir konzentrieren uns in erster Linie auf das Angebot und die Dienstleistungen für institutionelle Kunden, insbesondere für unabhängige Vermögensverwalter und verschiedene Banken (Privat-, Kantonal- und Regionalbanken). Was sich wirklich verändert hat, sind die Bedürfnisse der Nutzer.
Die Wachstumszahlen bei Strukturierten Produkten belegen, dass diese der Nachfrage nach einer Anpassung an die Marktgegebenheiten entsprechen. Gilt das auch für AMCs?
Wir stellen in der Tat ein grosses Interesse an AMCs fest. Unsere Kundschaft ist bestrebt, die Portfolios ihrer Kunden unter einem Dach zusammenzufassen, um die Verwaltung zu vereinheitlichen und zu vereinfachen – und das zu angemessenen Kosten. AMCs bieten zudem einen Rahmen, um eine Strategie oder ein bestimmtes Anlagethema umzusetzen und als Finanzprodukt zu vertreiben. Die Kundschaft muss zudem ihre Risikoquellen diversifizieren; dies gilt insbesondere für AMCs, bei denen es sich um langfristige Finanzprodukte handelt. Da ein AMC eine eher langfristige Verbindlichkeit des Emittenten darstellt, kommt dem Rating eine entscheidende Bedeutung zu. Dies gilt sowohl für UVV als auch für institutionelle Kunden. Die BCV wird von S&P mit AA und von Moody’s mit Aa2 bewertet. Da sich AMCs mit geringem Volumen auflegen lassen, können neue Strategien damit flexibel, kostengünstig und schnell umgesetzt werden. Erfüllt das Produkt die Erwartungen, kann dieselbe Strategie später auch in einem Anlagefonds reproduziert werden. Daher dürfte der AMC-Markt weiter wachsen.
In dieser Ausgabe möchten wir auch Einblicke in die regulatorischen Aspekte und den Anlegerschutz vermitteln. Was ist in dieser Hinsicht bei der BCV «Best Practice» und gibt es etwas, das andere Emittenten von Ihrem Ansatz lernen könnten?
Unsere Kundschaft schätzt insbesondere das durch das FIDLEG eingeführte Basisinformationsblatt (BIB), welches dem PRIIPS-KID entspricht, denn es bietet vollständige Transparenz hinsichtlich der Risiken und Kosten eines Finanzprodukts. Dadurch können die Kunden, die Emittenten besser einschätzen (ein Null-Risiko gibt es natürlich nicht) und Kostenvergleiche zwischen verschiedenen Produkten vornehmen. Dies wiederum verhindert Auswüchse bei den Gebühren. Gesetzesänderungen können ebenfalls Chancen bieten. Wie oben erläutert, eröffnet die sowohl aus wirtschaftlichen als auch regulatorischen Gründen (gemäss FINMA-Rundschreiben 2025/2) erforderliche Diversifizierung neue Marktchancen.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Naescher!
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Erwin Naescher
Co-Head und Leiter Vertrieb Strukturierte Produkte bei der BCV
Erwin Naescher ist Co-Head Structured Products bei der BCV, für den Vertrieb von Strukturierten Produkten verantwortlich und koordiniert Verkaufsteams in Lausanne und Zürich. Er begann seine berufliche Laufbahn bei Leonteq Securities in Zürich. 2017 wechselte er zur BCV in Lausanne, und 2019 eröffnete er den Desk für Strukturierte Produkte in Zürich.
Er hat einen Master of Science in Finance der Universität Neuenburg und spricht fliessend Deutsch, Französisch und Englisch.