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payoff Interviews

Fonds, AMC oder Mandat?

07.07.2026 7 Min.
  • Susan Niederhöfer

    Susan Niederhöfer
    Chefredakteurin

Finanzlab ist als unabhängiger Broker für Strukturierte Produkte tätig. Aufbauend auf dieser Expertise haben Sie mit einem Struki-Fonds, AMCs und dedizierten Struki-Mandaten drei unterschiedliche Zugänge entwickelt. Welche Idee steckt dahinter und wie finden Sie gemeinsam mit Ihren Kunden die passende Lösung?

Wir betreuen verschiedene Kundensegmente mit unterschiedlichen Anforderungen hinsichtlich Individualisierung, Transparenz und operativer Umsetzung. Dank unserer langjährigen Erfahrung im Bereich Strukturierter Produkte haben sich diese drei Lösungen etabliert: Der Fonds bietet einen einfachen und skalierbaren Zugang zu einer professionell bewirtschafteten Strategie. AMCs ermöglichen maximale Flexibilität und individuelle Anpassungen bei geringem regulatorischem Aufwand. Dedizierte Vermögensverwaltungsmandate richten sich an Banken und Vermögensverwalter, die ihren Kunden massgeschneiderte Struki-Strategien anbieten möchten. Entscheidend ist dabei nicht das Vehikel, sondern die passende Lösung für den jeweiligen Kunden.

Einige Ihrer Kunden sind Pensionskassen. Welche Rolle spielen Strukturierte Produkte in deren Portfolios?

Viele Pensionskassen stehen vor der Herausforderung, ihre Renditeziele zu erreichen, ohne die Volatilität ihres Portfolios wesentlich zu erhöhen. Immobilien galten lange Zeit als bevorzugte Anlageklasse, um stabile Erträge bei vergleichsweise geringer Volatilität zu erzielen. Da sie heute bereits einen bedeutenden Anteil vieler Portfolios ausmachen, suchen Vorsorgeeinrichtungen zunehmend nach alternativen Renditequellen, die sich langfristig in die Asset Allocation integrieren lassen. Strukturierte Produkte können hierzu einen wertvollen Beitrag leisten. Richtig eingesetzt bieten sie attraktive Ertragspotenziale in unterschiedlichen Marktphasen, wobei das Risikoprofil bereits zum Zeitpunkt der Investition klar definiert ist.

Doch Pensionskassen und institutionelle Anleger kaufen Strukturierte Produkte kaum direkt: zu hoher operativer Aufwand, zu geringe Skalierbarkeit. Genau dieses Problem adressiert Ihr Fonds. Was ändert sich für eine Pensionskasse, wenn sie statt direkt in Strukturierte Produkte über einen Fonds investiert?

Sehr vieles. Die gesamte Lifecycle-Logik wird in den Fonds ausgelagert. Es gibt keine einzelnen Fälligkeiten, Reinvestitionsentscheidungen oder eine operative Verwaltung von Coupons mehr. Wir übernehmen die Portfoliokonstruktion, Diversifikation, Überwachung und Wiederanlage vollständig innerhalb des Fonds. Der Investor profitiert von einer transparenten Struktur, täglicher Liquidität und einer kontinuierlichen Umsetzung der Strategie, ohne die operative Komplexität einzelner Produkte selbst bewältigen zu müssen. Für den Investor bleibt ein kontinuierliches Exposure zu einer klar definierten Strategie. Genau das ist der entscheidende Unterschied.

Ihre Strategie basiert darauf, Risikoprämien zu vereinnahmen, indem sie extreme Szenarien verkauft. Ist das wirklich geeignet für eine Pensionskasse?

Ähnlich wie bei CAT Bonds agiert auch unsere Strategie als eine Art Versicherung gegen seltene und aussergewöhnliche Ereignisse. Bei CAT Bonds sind dies Hurrikans oder andere Naturkatastrophen, bei unserer Strategie starke und seltene Verwerfungen an den Aktienmärkten. Dafür vereinnahmen wir eine Risikoprämie. Entscheidend ist nicht, ob Risiken bestehen, sondern wie sie gesteuert werden. Wir begrenzen das Risiko durch eine breite Diversifikation über Aktienindizes, Emittenten, Laufzeiten und Einstiegszeitpunkte sowie durch den bewussten Verzicht auf Risiken einzelner Aktien. Dies bietet Pensionskassen eine attraktive Ergänzung zu traditionellen Fixed-Income- und High-Yield-Allokationen.

Wie hat sich Ihr Fonds seit der Lancierung im Jahr 2021 konkret entwickelt?

Seit der Lancierung im Oktober 2021 erzielte der Finanzlab Multi Index Fund eine annualisierte Rendite von rund 5,1% bei einer Volatilität von lediglich 4,6%. Der maximale Drawdown lag bei 5,5%. Besonders aussagekräftig war das Jahr 2022, in dem der Fonds trotz negativer Aktien- und Obligationenmärkte eine positive Performance von 1,8% erzielte. Parallel dazu wuchs das verwaltete Vermögen von rund CHF 4 Millionen auf heute über CHF 50 Millionen, zunehmend getragen auch von Banken und institutionellen Investoren.

Neben dem Fonds begleiten Sie Vermögensverwalter auch beim Aufbau reiner Struki-Mandate. Welche Vorteile bietet dieser Ansatz gegenüber einem Fonds, und für welche Kunden eignet sich ein Mandat eher?

Ein Fonds ist die ideale Lösung, wenn mehrere Anleger dieselbe Strategie effizient und standardisiert nutzen möchten. Ein Vermögensverwaltungsmandat stellt dagegen die Individualisierung in den Vordergrund. Dabei lassen sich Emittentenlimiten, Anlageuniversum, Laufzeiten, Währungsrisiken oder Nachhaltigkeitsvorgaben gezielt auf die Bedürfnisse des Kunden abstimmen. 

Gleichzeitig behalten Vermögensverwalter und Banken die volle Kontrolle über die Kundenbeziehung und das Depot, während wir unsere Spezialisierung in der Selektion, Umsetzung und Bewirtschaftung Strukturierter Produkte einbringen.

Im Rahmen der jährlichen Datenerhebung für Vermögensverwalter erhebt die FINMA seit zwei Jahren detaillierte Daten zu Strukturierten Produkten und AMCs und hat den Umfang zuletzt nochmals erweitert. Was sagt das über Bedeutung und Reifegrad des AMC-Marktes aus?

Aus meiner Sicht zeigt die Datenerhebung der FINMA vor allem eines: AMCs sind längst kein Nischenprodukt mehr. Dass sich die Aufsicht intensiver mit diesem Markt beschäftigt, unterstreicht seine wachsende Bedeutung und seinen zunehmenden Reifegrad. Gleichzeitig werden viele AMC-Strukturen bereits heute innerhalb eines klar regulierten Rahmens betrieben. Deshalb ist es entscheidend, dass zusätzliche Anforderungen verhältnismässig bleiben und den eigentlichen Mehrwert der AMCs nicht beeinträchtigen.

Gerade ihre Flexibilität, Kosteneffizienz und Innovationskraft haben wesentlich zu ihrem Erfolg beigetragen. Es wäre schade, wenn diese Stärken durch unnötige administrative Komplexität eingeschränkt würden.

Finanzlab ist als unabhängiger Dienstleister in einem Markt tätig, in dem Interessenkonflikte teilweise strukturell bestehen. Beispiele hierfür sind Emittenten, die eigene Produkte empfehlen, oder externe Asset Manager mit eigenen AMCs. Welche Rolle spielt der Zugang zu relevanten Informationen und was sollte die Branche tun, um bestehende Lücken zu schliessen?

Strukturierte Produkte sind zwar innovativ, aber teilweise auch komplex. Gerade deshalb spielen sowohl der Zugang zu relevanten Informationen und das notwendige Fachwissen eine zentrale Rolle. Interessenkonflikte sind dabei nicht ungewöhnlich. Sie existieren in vielen Bereichen der Finanzindustrie. Entscheidend ist deshalb nicht ihre vollständige Vermeidung, sondern Transparenz. Anleger sollten nachvollziehen können, wie ein Produkt funktioniert, welche Risiken sie eingehen und welche Interessen die verschiedenen Marktteilnehmer vertreten.

Aus unserer Sicht besteht deshalb ein wichtiger Teil der Lösung in einer noch stärkeren Standardisierung. Je vergleichbarer Produkte, Dokumentationen und Prozesse sind, desto einfacher können Anleger fundierte Entscheidungen treffen. Die Arbeit der SSPA leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. Ein aktuelles Beispiel sind die im vergangenen Jahr veröffentlichten Guidelines für Tracker-Zertifikate auf nicht handelbare Basiswerte. Solche Branchenstandards fördern Transparenz, Vergleichbarkeit und letztlich das Vertrauen in den Markt. 

Als unabhängiger Anbieter sehen wir es als unsere Aufgabe, unseren Kunden den gesamten Markt zugänglich zu machen und verschiedene Lösungen objektiv zu vergleichen.

Das Brokerage-Geschäft bleibt das Fundament von Finanzlab, während das Unternehmen zugleich durch Fonds-, AMC- und Mandatslösungen wächst. Wo sehen Sie Finanzlab in zwei bis drei Jahren und welche Geschäftsbereiche werden diese Entwicklung am stärksten prägen?

Das Brokerage-Geschäft bildet nach wie vor das Fundament von Finanzlab und liefert uns täglich wertvolle Einblicke in den Markt, die Preisbildung und neue Produktentwicklungen. Dieses Know-how fliesst direkt in unsere Fonds-, AMC- und Mandatslösungen ein. 

Das grösste Wachstumspotenzial sehen wir aktuell jedoch beim Fonds. Mit einem Track Record von bald fünf Jahren, einem verwalteten Vermögen von über CHF 50 Millionen und einer zunehmenden Nachfrage seitens Banken, Vermögensverwaltern und institutionellen Investoren verfügt er heute über eine ganz andere Visibilität als noch vor wenigen Monaten. Gleichzeitig bleiben AMCs und Mandatslösungen zentrale Bestandteile unseres Angebots.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Bonnard!  

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Vincent Bonnard
Co-Founder & COO, Finanzlab SA

Vincent Bonnard ist Mitgründer von Finanzlab, einem auf strukturierte Produkte spezialisierten unabhängigen Vermögensverwalter. Gemeinsam mit Gilles Corbel, dem ehemaligen Leiter Strukturierte Produkte der BCV, gründete er das Unternehmen im Jahr 2017. Als COO verantwortet er die operativen Belange des Unternehmens sowie die Weiterentwicklung der Investmentlösungen von Finanzlab. Zusätzlich engagiert er sich als Vizepräsident von Alliance Finance und Beirat der Initiative Patrimoniale Suisse, für einen attraktiven Finanz- und Wirtschaftsstandort Schweiz. Vincent Bonnard absolvierte sein Studium an der ETH Lausanne und schloss dieses mit einem Master of Science in Communication Systems ab.

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