Interviews
Die neue Ordnung am Devisenmarkt
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Susan Niederhöfer
Chefredakteurin
Sie gehören zu den grössten Online-Devisenhändlern der Schweiz. Wie stark zeigte sich die jüngste Yen-Intervention in Ihren Handelsvolumen – gab es einen Rekordtag?
Unsere Handelsvolumen dürften über jenen typischer Privatbanken liegen, was bei einer Bank mit ausgeprägtem Handelsfokus wenig überrascht.
An Tagen wie der jüngsten Yen-Intervention verzeichnen wir tatsächlich höhere Volumen, weil die Marktaktivität deutlich zunimmt. Ein Rekordtag war es allerdings nicht, denn der Yen ist nur ein Teil unseres breiten Produktspektrums.
Zudem war es nicht die erste Intervention zur Stützung des Yen. Nach solchen Eingriffen kommt der Markt oft zurück und testet die Entschlossenheit der Behörden erneut.
Der Marktkonsens sieht ein Ende der reinen Dollar-Dominanz und mehr Gewicht für andere Währungen. Zeigt sich das bereits in den Handelsvolumen Ihrer Kunden?
Es kommt darauf an, was man unter Dollar-Dominanz versteht. Politische und geopolitische Trends sowie die steigende Verschuldung sind für den Dollar als Wertaufbewahrungsmittel nicht vertrauensbildend. Er kann jedoch an Wert verlieren und trotzdem die Lingua franca der Weltwirtschaft bleiben. Die USA verfügen über den tiefsten und liquidesten Finanzmarkt und eine Infrastruktur, auf der ein grosser Teil der Weltwirtschaft bereits läuft.
Zentralbanken dürften ihre Dollarreserven zunehmend diversifizieren. Einen Rückgang des USD-Marktanteils im Devisenhandel sehen wir jedoch nicht. Gemäss der Dreijahreserhebung der BIZ stand der Dollar im April 2025 auf einer Seite von 89% aller Devisengeschäfte, nach 88% im Jahr 2022.
Am besten lässt sich diese Dualität an den Reserven zeigen. Gold hat die US-Treasuries als grösstes einzelnes Reserveaktivum der Zentralbanken überholt, erstmals seit Mitte der 1990er-Jahre: Ende 2025 entfielen 27% der globalen Zentralbankreserven auf Gold und 22% auf US-Treasuries. Auf Dollaraktiven insgesamt entfielen dennoch weiterhin 42%. Und diese Umschichtung fand in Dollar statt, denn bewertet und abgerechnet wird Gold nach wie vor in Dollar.
Der Franken bleibt stark, wird aber von der SNB gebremst. Wie beurteilen Sie seine Rolle für Anleger aktuell?
Die SNB hat früh gehandelt und die Schweiz sicher durch die Inflationswellen gesteuert. Der starke Franken hat einen Teil der importierten Inflation abgefedert. Gleichzeitig hält der Aufwertungsdruck an. Bei hoher Nachfrage und tiefer Inflation sind niedrige Zinsen beinahe zwangsläufig.
Für renditesuchende Investoren war der Franken deshalb nie ein Favorit. Im Gegenteil: Wer Rendite sucht, geht eher short auf den Franken. Die tiefe Verzinsung macht ihn zur idealen Finanzierungswährung, und die CFTC-Daten zeigen anhaltend hohe Short-Positionen. Der Yen bleibt zwar die klassische Finanzierungswährung, hat aber an Attraktivität verloren. Das Interventionsrisiko hängt wie ein Damoklesschwert über Yen-Carry-Trades, während die Frankensätze am kurzen Ende nahe null bis leicht negativ notieren.
Wie setzt sich das FX-Angebot von Swissquote zusammen und welche Kundensegmente profitieren davon?
Das FX-Angebot von Swissquote umfasst Interbankenliquidität sowie Kassa-, Termin- und Swapgeschäfte in einer breiten Palette von Währungen. Neben G10 decken wir zahlreiche Emerging-Market-, GCC- und CEE-Währungen ab. Der Zugang erfolgt über elektronische Handelsplattformen, unsere eigene FX-Plattform sowie API-Anbindungen.
Zu unseren Kunden zählen Banken, Finanzinstitute, Vermögensverwalter und Hedge Funds. Daneben unterstützen wir Unternehmen vom KMU bis zum internationalen Grosskonzern bei der Absicherung von Währungsrisiken. Beide Segmente profitieren von derselben Infrastruktur und Liquidität.
Welche Herausforderungen begegnen Unternehmen aktuell im Umgang mit Währungsrisiken?
Viele Unternehmen sind international aufgestellt, ohne über die Treasury-Abteilung eines Grosskonzerns zu verfügen. Die Schwierigkeit liegt selten in der Marktmeinung, sondern im Prozess: Wer sichert wann welchen Anteil des Exposures ab und nach welcher Regel?
Hinzu kommt die Zinsdifferenz zwischen dem Franken und anderen Währungen, die sich direkt auf die Terminpreise auswirkt. Dadurch verschiebt sich die Diskussion oft auf den vermeintlich «richtigen» Zeitpunkt, obwohl es um Risikosteuerung und planbare Cashflows gehen sollte.
Wer eine feste Absicherungsquote und einen rollierenden Horizont definiert, muss die Entscheidung nicht jedes Mal neu treffen. Erst dann stellt sich die Frage, ob ein Termingeschäft genügt oder eine Struktur den Bedarf besser abbildet. Ohne klaren Rahmen wird auch das beste Instrument zur Wette auf den Zeitpunkt.
Bei Forex und CFD werben Sie mit Ausführungsgeschwindigkeiten im Millisekundenbereich. Gilt ein ähnliches Tempo auch für individuell strukturierte FX-Notes?
Im Segment der strukturierten Devisenprodukte ist Swissquote als Emittent tätig, insbesondere mit Dual-Currency-Notes (DCNs).
Der Prozess unterscheidet sich jedoch vom klassischen Devisenhandel. Bei einer massgeschneiderten strukturierten Anleihe erfolgt die Ausführung nicht im Millisekundenbereich, da jede Transaktion individuell bewertet werden muss.
Unser Ziel bleibt, möglichst rasch einen indikativen Preis und eine Rückmeldung bereitzustellen. Reaktionsschnelligkeit ist auch bei massgeschneiderten Lösungen ein Schlüsselelement unseres Angebots.
Swissquote ist seit 2022 als Emittentin Strukturierter Produkte an SIX aktiv. Welche Rolle sollen Strukturierte Produkte auf Devisen-Basiswerte künftig spielen?
Unser Geschäft mit Strukturierten Produkten ist deutlich gewachsen. Dieses Wachstum spiegelt aus unserer Sicht das Vertrauen in die Marke Swissquote, unsere Fachkompetenz sowie die Stärke einer Schweizer Bank wider. Wir erwarten, dass sowohl das Emissionsgeschäft als auch unsere Brokerage-Aktivitäten weiter wachsen. Die beiden Bereiche stehen nicht in Konkurrenz, sondern ergänzen sich. Unsere breite Auswahl an Instrumenten und Lösungen bietet Kunden je nach Bedürfnissen und Zielen mehr Diversifikation und Wahlfreiheit.
Sie bieten direkten FX-Handel und Strukturierte Produkte an. Wann würden Sie einem Wealth Manager eher zum direkten Forex-Zugang raten und wann zur strukturierten Variante?
Ob ein lineares Instrument genügt oder eine Struktur besser geeignet ist, hängt vom Risiko ab. Kassa- und Termingeschäfte sind transparent und günstig. Sie bilden die Richtung ab, nicht aber Volatilität oder Niveau. Für einfache Risiken reicht das.
Ein Vermögensverwalter mit Euro-Positionen und Kunden mit Referenzwährung Franken kann das Währungsrisiko per Termingeschäft vollständig hedgen. Steigt der Euro, partizipiert er jedoch nicht. Ein Participating Forward kann denselben Kurs absichern und gleichzeitig eine Beteiligung an der Aufwertung ermöglichen – zu einem festen Anteil und ohne Prämie. Bezahlt wird dies mit einem Teil des Aufwärtspotenzials, dessen Höhe vom Preis der Volatilität abhängt. Gehen Risiko und Markteinschätzung über ein einfaches Auf oder Ab hinaus und ist die Volatilität Teil der Einschätzung, ist ein Strukturiertes Produkt das bessere Instrument. Andernfalls erfüllt ein schlankes Termingeschäft seinen Zweck.
Herzlichen Dank, Herr Atalay.
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Zum Autor
Fatih Atalay ist Head of FX Trading bei Swissquote und leitet den Spot- und Optionshandel in Währungen und Edelmetallen. Er kam 2011 zu Swissquote und leitete Teams und Initiativen im Ausbau des elektronischen Handels. Zuvor war er im Market Making von börsennotierten Derivaten in Amsterdam und Zug tätig. Seine ersten Schritte in der Bankenwelt machte er während und direkt nach dem Studium bei UBS und Credit Suisse. Er schloss sein Studium an der Universität Zürich mit einem Master in Finance mit Schwerpunkt Quantitative Finance ab.
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Swissquote bietet umfangreiche Lösungen für Forex-Swaps und Forex-Forwards, die vollumfänglich der ISDA-SIMM™-Methode entsprechen. So können Banken, Import-/Exportunternehmen und Finanzinstitute Forex-Risiken bewältigen und mindern.
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