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payoff Interviews

Rendite entsteht heute im Detail

06.08.2026 5 Min.
  • Susan Niederhöfer

    Susan Niederhöfer
    Chefredakteurin

Warum gewinnt der Bereich Fixed Income gerade jetzt für professionelle Schweizer Anleger wieder an Bedeutung?

Fixed Income bietet wieder das, was lange gefehlt hat: planbare Cashflows, differenzierte Renditequellen und eine aktiv steuerbare Duration. Bei einem Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von 0% und einer Schweizer Jahresteuerung von zuletzt 0,5% sind erstklassige CHF-Anleihen zwar kein Renditewunder, aber ein wichtiger Stabilitäts- und Liquiditätsbaustein. Anleger, die bereit sind, auch Segmente mit etwas höheren Renditen beizumischen, finden attraktive Anlagechancen bei High-Yield- und Schwellenländeranleihen sowie bei Strukturierten Produkten.

Wie hat sich das Fixed-Income-Universum seit der Corona-Pandemie und der Zinswende strukturell verändert?

Das Zins- und Inflationsrisiko ist sichtbarer geworden, während sich das Anlageuniversum gleichzeitig deutlich erweitert hat. Eine höhere Zinsvolatilität schafft laufend neue relative Value-Chancen entlang der Zinskurve, zwischen Bonitätssegmenten und über verschiedene Währungsräume hinweg. Zudem hat die Bedeutung von Titelselektion, Laufzeitensteuerung und flexiblen Auszahlungsprofilen zugenommen. Die wichtigste Veränderung ist deshalb nicht nur der wieder vorhandene Coupon, sondern die grössere Bandbreite möglicher Portfoliolösungen.

Unter welchen Voraussetzungen bietet Fixed Income gegenüber Cash einen strategischen Mehrwert?

Wenn Anleger nicht nur die aktuelle Verzinsung, sondern auch den Anlagehorizont und das Wiederanlagerisiko berücksichtigen. Cash bietet Flexibilität, die zukünftige Rendite ist jedoch ungewiss. Eine Anleihe oder ein Strukturiertes Produkt kann Erträge über eine definierte Laufzeit fixieren und gezielt auf Verpflichtungen abstimmen. Entscheidend ist die erwartete Rendite nach Gebühren, Währungsabsicherung, Kredit- und Liquiditätsrisiken. Fixed Income lohnt sich besonders dort, wo Planbarkeit einen eigenen wirtschaftlichen Wert besitzt.

Welche Faktoren sollten Anleger vor einer Erhöhung der Duration berücksichtigen?

Die Duration sollte nicht allein auf Basis einer Zinserwartung gesteuert werden. Auch die Zinskurve, die Realrendite, der Roll-down, die Konvexität und die Struktur der Verpflichtungen sind relevant. Eine Laufzeitenleiter kann Wiederanlagerisiken reduzieren, während eine Barbell-Struktur Liquidität mit längerfristigem Renditepotenzial verbindet. Ergänzend lassen sich mithilfe Strukturierter Produkte gezielt Laufzeiten-, Zins- oder Rückzahlungsprofile abbilden, die am klassischen Anleihenmarkt nicht ohne Weiteres verfügbar sind.

Wie finden CHF-basierte Anleger die richtige Balance zwischen Heimmarkt und globaler Diversifikation?

Ein substanzieller Anteil in Schweizer Franken ist insbesondere dann sinnvoll, wenn auch die Verpflichtungen und der Liquiditätsbedarf in dieser Währung bestehen. Eine ausschliessliche Konzentration auf den Schweizer Markt begrenzt jedoch das Rendite- und Diversifikationspotenzial. Globale Anleihen eröffnen hingegen Zugang zu zusätzlichen Sektoren, Laufzeiten und Kreditrisikoprämien. Im Normalfall empfehlen wir daher, Fremdwährungsrisiken abzusichern. Neben den klassischen Absicherungsmöglichkeiten können Quanto-Strukturen dabei eine effiziente Möglichkeit bieten, ein ausländisches Anlageprofil mit einer definierten Auszahlung in Schweizer Franken zu verbinden.

Sind aktive Strategien und Fixed-Income-ETFs Konkurrenz oder ergänzende Bausteine im Portfolio?

ETFs eignen sich besonders für transparente, kosteneffiziente und breit diversifizierte Kernpositionen. Für Schweizer Anleger sind vor allem auch Indexfonds interessant, da diese nicht der Schweizer Stempelsteuer unterliegen und zum Net Asset Value (NAV) gehandelt werden. Aktives Management kann Mehrwert schaffen, wenn Titelselektion, Liquiditätsmanagement oder die Vermeidung von Herabstufungen entscheidend sind. Das gilt insbesondere für weniger liquide Credit-Segmente und komplexere Kapitalstrukturen. Strukturierte Produkte ergänzen beide Ansätze, wenn ein Anleger ein gezieltes Rendite-, Risiko- oder Laufzeitenprofil sucht. ETF, aktiver Fonds und Zertifikat sind deshalb keine Gegensätze, sondern unterschiedliche Werkzeuge.

Wie lassen sich Strukturierte Produkte sinnvoll in eine professionelle Fixed-Income-Allokation integrieren?

Ihre Stärke liegt in der Individualisierung. Über Callable Notes, Floater-Strukturen, Credit-Linked Notes oder Produkte mit bedingtem Kapitalschutz lassen sich Markterwartungen und Risikobudgets präziser umsetzen als mit einer Standardanleihe. Anleger können beispielsweise einen erhöhten Coupon gegen ein definiertes Kredit-, Zins- oder Rückzahlungsrisiko eintauschen. Besonders interessant sind Strukturierte Produkte dort, wo die Standardisierung eines ETF auf eine spezifische Verpflichtung oder Marktmeinung des Investors trifft.

Wann ist eine integrierte Währungsabsicherung über ein Quanto-Feature sinnvoll?

Ein Quanto ist sinnvoll, wenn Anleger Zugang zu einem ausländischen Markt oder Basiswert wünschen, das Anlageergebnis aber in CHF planbar halten möchten. Die Währungsabsicherung wird dabei zu einer festen Produkteigenschaft und muss nicht separat bewirtschaftet werden. Das reduziert den operativen Aufwand und kann bei komplexeren Auszahlungsprofilen besonders wertvoll sein. Eine Struktur ohne Quanto bietet dagegen mehr Flexibilität und kann attraktiv sein, wenn der Anleger eine bewusste Währungsmeinung besitzt oder die Absicherung selbst steuern möchte.

Welche Kriterien sind bei der Auswahl eines strukturierten Fixed-Income-Produkts für professionelle Anleger entscheidend?

Im Zentrum stehen das Auszahlungsprofil, die Bonität des Emittenten, die Qualität des Basiswerts, die Laufzeit und die Sekundärmarktliquidität. Ebenso wichtig ist die Frage, aus welchen Komponenten sich der Coupon zusammensetzt und unter welchen Szenarien die Rückzahlung vom Nominalwert abweichen kann. Gute Strukturierte Produkte zeichnen sich nicht durch den höchsten Coupon aus, sondern durch ein transparentes Verhältnis zwischen Ertrag und übernommenem Risiko. Für institutionelle Anleger sind zudem Dokumentation, Bewertung, Market Making und Einbettung in bestehende Limiten entscheidend.

Welche Elemente gehören heute in eine zeitgemässe Fixed-Income-Strategie für professionelle Schweizer Anleger?

Eine Core-Satellite-Architektur ist empfehlenswert: Der Core besteht aus hochwertigen CHF-Anleihen, Schweizer Indexfonds sowie währungsgesicherten globalen Investment-Grade-Bonds. Am Schweizer Primärmarkt lohnt sich zudem die Prüfung von Neuemissionen, da gelegentlich Emissionsprämien gewährt werden. Als Satelliten dienen aktive Strategien in höher verzinsten Credit-Segmenten sowie Strukturierte Produkte. Letztere ermöglichen massgeschneiderte Coupons, definierte Rückzahlungsprofile und integrierte Währungssteuerungen.

Herzlichen Dank, Nicolas Peter, für Ihre Zeit und die spannenden Einblicke.  

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Zum Autor

Nicolas Peter ist seit dem 1. Januar 2026 Managing Partner und Mitgründer der Aquila Investment Partner AG, einem unabhängigen Vermögensverwalter mit Fokus auf die Betreuung privater und institutioneller Kunden. Zuvor war er über neun Jahre Leiter Investments & Wealth Management sowie Mitglied der Geschäftsleitung der Aquila AG.

Seine berufliche Laufbahn begann Nicolas Peter im Investment Advisory bei Coutts & Co., zunächst in Genf und Zürich, wo er internationale private und institutionelle Vermögensverwaltungs- und Beratungskunden betreute. Zwischen 2011 und 2016 leitete er verschiedene Teams innerhalb der Portfolio Management Einheit und war zuletzt Head of Discretionary Portfolio Service.

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