Trading Desk
Gold: Ab in die Berge!
-
Wolfgang Hagl
Redaktor
Inflationsdaten aus den USA und ein Auftritt des Fed-Präsidenten in den Rocky Mountains – das Edelmetall steht vor einer Weichenstellung.
Ab morgen blickt die Finanzwelt gebannt nach Jackson Whole im US-Bundesstaat Wyoming. Vor der monumentalen Kulisse der Rocky Mountains richtet die Federal Reserve Bank of Kansas City bis Samstag ihr Wirtschaftssymposium aus. Zu dem traditionsreichen Anlass, die erste Auflage fand 1978 in Vail und Colorado statt, reisen Dutzende Notenbanker, Politiker, Wissenschaftler und Ökonomen an. Auch in diesem Jahr ist der Chef der US-Notenbank der unbestrittene «Top Act». Das gilt umso mehr, da Kevin Warsh zum ersten Mal als Fed Chairman zu dem Symposium kommt.
Dissens im Fed
Seine Vorgänger haben die Veranstaltung immer wieder als Gelegenheit genutzt, um wichtige geldpolitische Signale zu senden. Vor seiner Premiere an dem mehr als 2’000 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Tagungsort hat Warsh selbst für viel Brisanz gesorgt. Gerne möchte er die «Höhenluft von Jackson, Wyoming» dazu nutzen, die grossen Fragen in den Blick zu nehmen, sagte Warsh nach der jüngsten Fed-Sitzung. Ende Juli hatte sich der Offenmarktausschuss mit einer unveränderten Zinsrate von 3.50% bis 3.75% in die Sommerpause verabschiedet. Angesichts der ausgedehnten Inflation herrschte in dem Gremium alles andere als Einigkeit. Laut dem kürzlich publizierten Sitzungsprotokoll votierten drei Mitglieder für eine Zinserhöhung.
Vor dem Hintergrund solcher falkenhafter Signale erstaunt die jüngste Entwicklung an den Edelmetallmärkten auf den ersten Blick. Kurz nach dem Fed-Meeting drehte Gold dynamisch nach oben. Jetzt notiert die Feinunze knapp 15% über dem Niveau von Ende Juli. Zuvor hatte die Angst vor einer strafferen US-Geldpolitik, zusammen mit Gewinnmitnahmen, das gelbe Metall ausgebremst. Gegenüber dem Ende Januar erreichten Allzeithoch gab der Goldpreis um bis zu knapp 30% nach. Die Märkte setzen neuerdings darauf, dass sich die Falken nicht durchsetzen und das Fed einen gemässigten Kurs hält. Geht es nach dem CME FedWatch Tool, dann wird der Offenmarktausschuss frühestens Ende Jahr die Zügel straffen.
Wichtiges Inflationsmass
In den kommenden Stunden und Tagen dürfte dieses, auf den Geldmarktkonditionen basierende Szenario in Bewegung kommen. Heute Nachmittag (14:30 Uhr) publiziert das U.S. Bureau of Economic Analysis (bea) den Core PCE Price Index für Juli 2026. Dieses Inflationsmass, bei dem die Ausgaben für Lebensmittel und Energie aussen vor bleiben, findet im Fed besonders viel Beachtung. Ökonomen gehen im Schnitt davon aus, der der PCE Index im Berichtsmonat um 3.6% über dem Vorjahreswert gelegen ist. Damit würde die Teuerung um 0.3 Prozentpunkte höher ausfallen, als im Juni.
An seiner Rede in Jackson Whole dürfte Kevin Warsh kaum an den aktuellen Inflationszahlen vorbeikommen. Bis dato ist der neue Mann an der Fed-Spitze eine klare Strategie im Kampf gegen die Teuerung schuldig geblieben. Fest steht, dass sich US-Präsident Donald Trump kaum etwas mehr wünscht, als tiefere Zinsen. Und genau hier liegt ein zentraler Katalysator für die weitere Entwicklung bei Gold. Da das Edelmetall selbst keine Erträge abwirft, gelten rückläufige Renditen als günstig, während ein Umfeld steigender Zinsen die Feinunze bremst. Darüber hinaus ist und bleibt Gold eine Krisenwährung. Seien es die überbordende Verschuldung der USA, die brenzlige Lage im Nahen Osten oder die anstehenden US-Zwischenwahlen – an Argumenten für dieses Attribut mangelt es nicht.
Anlagelösung
Aus charttechnischer Sicht hat die Feinunze durch die jüngsten Avancen einen mehrmonatigen Abwärtstrend nach oben durchbrochen. Zuletzt gelang der Notierung auch noch der Sprung über die 200-Tage-Linie. Damit tut sich der Bereich um USD 4’900 als nächste Orientierungsmarke auf. Sollten die heutigen Inflationsdaten den Erwartungen entsprechen oder sogar tiefer als prognostiziert ausfallen, könnte bei Gold ein neuer Schub anstehen. Für den Fall, dass der Fed Chair am Freitag auch nur unterschwellig die Taube gibt, würde er die Rallye wohl verstärken.
Auf dieses bullishe Szenario können Trader beispielsweise mit dem Long Mini-Future MGO3MT setzen. Leonteq preist hier aktuell einen Hebel von 6.6 ein. Mit USD 3’994.6704 liegt der Stop Loss knapp 14% unter dem Goldpreis. Achtung: Sollte die US-Inflation stärker als erwartet ausfallen und/oder Kevin Warsh eine Straffung der Geldpolitik in den Raum stellen, droht eine stärkere Korrektur des Edelmetalls – beim Mini-Future wären in diesem Fall hohe Verluste zu erwarten.
