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payoff David Schulhof, Gründer und CEO von MUSQ, LLC. Interviews

Musik ist im Vergleich noch unterbewertet

07.08.2025 5 Min.
  • Serge Nussbaumer
    Chefredaktor

Herr Schulhof, was ist das Anlageziel des MUSQ Global Music Industry Index ETF und wie unterscheidet er sich von traditionellen Sektor-ETFs?

Der ETF zielt darauf ab, die Performance des MUSQ Global Music Index nachzubilden und Anlegern somit einen gezielten Zugang zur gesamten globalen Musikindustrie zu ermöglichen. Anders als traditionelle Sektor-ETFs, die Unternehmen auf Grundlage klassischer Branchenzuordnungen wie Technologie oder Konsumgüter bündeln, konzentriert sich der ETF MUSQ auf alle relevanten Bereiche der Musikbranche. Er deckt eine Vielzahl von Segmenten ab, darunter Streaming-Plattformen, Musikvertrieb, Live-Events, Ticketing sowie Technologie- und Ausrüstungsunternehmen mit klarem Bezug zur Musik. Durch diese spezialisierte Ausrichtung können Investoren von der Entwicklung der gesamten Musiklandschaft profitieren – unabhängig von der sektoralen Zugehörigkeit der Unternehmen.

Welche Subsegmente der Musikindustrie deckt der ETF ab?

Der ETF deckt zentrale Teilbereiche der Musikindustrie ab. Dazu gehören Musik-Streaming, Inhalte und deren Distribution, Live-Musikveranstaltungen und Ticketing sowie Musiktechnologie und -ausrüstung. Durch diese breite Streuung wird eine ganzheitliche Abbildung des globalen Musikmarkts erreicht und Anlegern wird Zugang zu dessen vielfältigen Ertragsquellen gewährt.

Wie ist das Portfolio des ETFs aufgebaut und nach welchen Kriterien werden die Gewichtungen bestimmt?

Das Portfolio des ETFs basiert auf festen Auswahlkriterien: Berücksichtigt werden nur Unternehmen, die entweder überwiegend («Pure Play», mit mindestens 50% Umsatzanteil) oder wesentlich («Diversified», mit über 20% Umsatzanteil) in den relevanten Musiksegmenten tätig sind. Zu den Auswahlsegmenten zählen Streaming, Inhalte und Distribution, Live-Events sowie Musiktechnologie. Zusätzlich gelten Mindestanforderungen an die Marktkapitalisierung, das Handelsvolumen und den Streubesitz. Der Index ist geografisch diversifiziert. Mindestens 40% des Indexgewichts entfallen auf Unternehmen ausserhalb der USA mit Beteiligung aus mindestens drei Ländern. Das Portfolio ist in zwei Gruppen unterteilt: 80% «Pure-Play»-Titel und 20% «Diversified»-Titel. Innerhalb dieser Gruppen erfolgt die Gewichtung nach Free-Float-Marktkapitalisierung mit strengen Diversifikationsgrenzen: Das Maximalgewicht pro Titel beträgt 12% und Titel mit einem Gewicht von über 5% machen insgesamt höchstens 45% des Index aus.

Welche Unternehmen stellen derzeit die grössten Positionen im Fonds dar?

Zu den derzeit grössten Positionen zählen Spotify, Live Nation, Universal Music Group, Tencent Music, CTS Eventim, Amazon, HYBE, Alphabet, Madison Square Garden und Apple. Diese zehn Titel machen zusammen etwa 70% des gesamten Indexgewichts aus und spiegeln die führenden Akteure in den Bereichen Streaming, Live-Entertainment und Musikrechte wider.

Wie häufig wird das Portfolio überprüft und angepasst?

Das ETF-Portfolio wird vierteljährlich überprüft und neu gewichtet. Dadurch bleibt es stets mit der zugrunde liegenden Indexstruktur im Einklang und kann flexibel auf Marktbewegungen und Unternehmensentwicklungen reagieren.

Wie ist aktuell der Zustand der globalen Musikindustrie, insbesondere im Bereich Streaming und bei Live-Events?

Die globale Musikindustrie befindet sich in einer dynamischen Wachstumsphase, die vor allem durch kostenpflichtiges Streaming und die Rückkehr grosser Live-Events angetrieben wird. Diese Entwicklungen zeigen eine starke Branche, die sich schnell weiterentwickelt und sowohl digital als auch physisch neue Impulse setzt.

Wie gross ist der globale Musikmarkt derzeit und wie sehen die Prognosen aus?

Laut Goldman Sachs wird der weltweite Musikmarkt im Jahr 2024 auf rund USD 104.9 Milliarden geschätzt. Er setzt sich aus den Bereichen Recorded Music, Musikverlag und Live-Events zusammen. Für das Jahr 2030 wird ein Volumen zwischen USD 155.5 Milliarden und USD 163.7 Milliarden erwartet, bis 2035 könnten es sogar USD 196.8 Milliarden werden. Dabei wird der Bereich Recorded Music auf rund USD 55 Milliarden, die Verlagserlöse auf etwa USD 19 Milliarden und der Bereich Live-Musik auf über USD 67 Milliarden wachsen. Das zeigt: Die Branche entwickelt sich in allen Bereichen stark weiter.

Welche Trends beeinflussen die Musikindustrie derzeit am stärksten?

Ein zentraler Trend ist der starke Zuwachs beim kostenpflichtigen Streaming: Bis zum Jahr 2035 werden weltweit mehr als eine Milliarde Abonnenten erwartet. Gleichzeitig wird von vielen Marktteilnehmern erkannt, dass Musik im Vergleich zu anderen Unterhaltungsformen noch unterbewertet ist. Unternehmen reagieren darauf mit Preisanpassungen, innovativen Angeboten und einer differenzierten Zielgruppenansprache, um neue Erlösquellen zu erschliessen.

Wie widerstandsfähig ist die Musikindustrie im Vergleich zu anderen Bereichen der Unterhaltungsbranche?

Die Musikbranche erweist sich als besonders krisenfest, da sie weitgehend unabhängig von globalen Handelskonflikten oder Konjunkturschwankungen ist. Musik-Streaming ist im Vergleich zu anderen Abo-Modellen günstig und wird selbst bei Preisanpassungen weiterhin stark genutzt. Die Kombination aus stabiler Nachfrage, flexibler Preisgestaltung und geringer Korrelation zu anderen Märkten macht sie widerstandsfähiger als viele andere Segmente der Unterhaltungsindustrie.

Wie reagiert die Branche auf Herausforderungen wie Rezessionen oder technologische Umbrüche?

Die Musikindustrie hat sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als besonders robust erwiesen. Streaming stellt eine stabile Einnahmequelle dar, da es weniger konjunkturabhängig ist. Auch technologische Veränderungen wie KI in der Musikproduktion werden aktuell eher als Chance denn als Bedrohung wahrgenommen. Piraterie und Rechtefragen sind zwar nach wie vor Herausforderungen, doch parallel dazu entwickeln sich neue Geschäftsmodelle und Schutzmechanismen weiter.

Welche Wachstumstreiber sehen Sie bis 2030 in der Branche?

Der wichtigste Treiber bleibt das Streaming mit stabilem Wachstum in Industrieländern und hohem Potenzial in Schwellenländern. Hinzu kommt das Comeback des Live-Musikgeschäfts, das durch Mega-Tourneen – beispielsweise von Taylor Swift oder Beyoncé – und innovative Veranstaltungsorte wie die Sphere in Las Vegas unterstützt wird. Dieses Zusammenspiel aus Digitalisierung und Event-Erlebnis sorgt für nachhaltiges Wachstum.

Welche drei Einzelaktien bevorzugen Sie und warum?

Zu meinen drei Favoriten gehören Spotify, Live Nation und die Universal Music Group. Spotify ist Marktführer im Bereich Streaming und erweitert sein globales Angebot stetig. Live Nation profitiert vom Boom bei Live-Events und Konzerten. Universal Music überzeugt durch seine starke Position in der Rechteverwertung und sein umfangreiches Musikportfolio. Diese drei Unternehmen sind jeweils Marktführer in ihren Segmenten und hervorragend für langfristiges Wachstum positioniert.

Vielen Dank.

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